27.03.2007 · Außerhalb der großen Kanzleien hat es mancher Anwalt schwer, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Die Honorarumsätze steigen, doch der Gewinn sinkt. Einkommensunterschiede unter den Juristen sind riesig.
Von Corinna BudrasDie Einkommensunterschiede zwischen Anwälten in internationalen Wirtschaftskanzleien und kleinen Sozietäten werden immer größer. Dabei wird es für Einzelanwälte schwieriger, sich durch ihre juristische Tätigkeit einen ausreichenden Lebensunterhalt zu verdienen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Nürnberger Instituts für Freie Berufe über die wirtschaftliche Situation der Rechtsanwälte, die der F.A.Z. vorliegt. In der Umfrage, die von der Bundesrechtsanwaltskammer in Auftrag gegeben wurde und an der sich im vergangenen Jahr knapp 4000 Advokaten beteiligten, wurden die bislang jüngsten, vollständig verbuchten Wirtschaftsdaten aus dem Jahr 2004 ausgewertet.
Danach sank der durchschnittliche Gewinn der Einzelanwälte in Westdeutschland gegenüber 2002 um 4,3 Prozent auf 45.000 Euro vor Steuern. Dabei ist ihr persönlicher Jahreshonorarumsatz im gleichen Zeitraum sogar um 15,5 Prozent auf 134.000 Euro gestiegen. Schuld an dem im Gegensatz dazu schlechten Abschneiden beim Gewinn dürften die hohen Kosten für Büro, Personal und Material sein. Der Kostenanteil der Einzelanwälte beträgt der Studie zufolge 63 Prozent. In Ostdeutschland erzielten die Advokaten im Schnitt 40.000 Euro und steigerten damit ihren Jahresüberschuss im Vergleich zu 2002 um 5,3 Prozent.
Größeren Sozietäten geht es besser
Besser erging es den Partnern in lokalen Sozietäten in den alten Bundesländern, deren Einkommen um 9,1 Prozent auf 84.000 Euro stieg. Der Unterschied zwischen Ost und West fiel hier besonders deutlich aus: Die ostdeutschen Partner lokaler Kanzleien generierten durchschnittlich 51.000 Euro und damit rund 4 Prozent mehr als 2002.
Die Zahlen verdeutlichen die großen Unterschiede zwischen der breiten Masse der insgesamt mehr als 140 000 Anwälte, die ihr Geld in Einzelkanzleien oder kleinen Sozietäten verdienen, und der kleinen juristischen Elite in den internationalen Großkanzleien. Dort können Berufsanfänger mit erstklassigen Abschlüssen Einstiegsgehälter von mehr als 100.000 Euro plus Bonus erzielen (lesen Sie über Wirtschaftskanzleien: Wettlauf um die höchsten Gehälter).
Berufsanfänger haben es am schwersten
"Die Schere in der Anwaltschaft geht immer weiter auseinander", warnt Willi Oberlander, Geschäftsführer des Instituts für Freie Berufe an der Universität Erlangen-Nürnberg. Besonders die jungen Berufsanfänger hätten es schwer, ein erträgliches Einkommen zu erzielen. Jährlich strömen rund 8000 von ihnen auf den Markt. In den vergangenen 13 Jahren hat sich die Zahl der zugelassenen Anwälte nach Angaben der Bundesrechtsanwaltskammer verdoppelt. Oberlander forderte, dass die Rahmenbedingungen für Junganwälte verbessert werden müssten. Sie sollten innerhalb ihrer Ausbildung auch dazu angehalten werden, Kurse in Betriebswirtschaft und Marketing zu besuchen. Er wies zudem darauf hin, dass sich eine Spezialisierung auf ein Fachgebiet auszahle: Die Untersuchung zeige, dass das Einkommen steige, je weiter sich der Jurist von der breiten Rechtsberatung in allen Bereichen entferne.
Allerdings hatten auch die überörtlichen Sozietäten mit durchschnittlich fünf Inhabern an mindestens zwei Standorten Rückgänge zu verbuchen. Der durchschnittliche persönliche Gewinn westdeutscher Partner in diesen Kanzleien sank um 3,4 Prozent auf 86.000 Euro. In Ostdeutschland mussten die Anwälte Einbußen von 6 Prozent hinnehmen und kamen somit auf 63.000 Euro.