Home
http://www.faz.net/-gqp-74cjd
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Gerichtsurteil Arbeitgeber darf Attest am ersten Tag fordern

Arbeitnehmer müssen sich künftig darauf einstellen, schon am ersten Krankheitstag ein ärztliches Attest vorzulegen, wenn der Arbeitgeber dies verlangt. Das hat das Bundesarbeitsgericht in Erfurt entschieden.

© dpa Vergrößern Auch ohne Grund darf der Arbeitgeber vom ersten Krankheitstag an ein Attest verlangen

Beschäftigte müssen auf Verlangen ihres Arbeitgebers schon am ersten Krankheitstag ein ärztliches Attest vorlegen. Das entschied das Bundesarbeitsgericht am Mittwoch in Erfurt. Die Arbeitgeber müssen es auch nicht begründen, wenn sie bereits so früh auf die Vorlage eines Attests bestehen.

Gesetzlich sind Beschäftigte verpflichtet, ihren Arbeitgeber unverzüglich zu informieren, wenn sie wegen Krankheit ausfallen. Spätestens am vierten Krankheitstag muss eine entsprechende Bescheinigung eines Arztes vorgelegt werden. Das Entgeltfortzahlungsgesetz räumt dem Arbeitgeber aber auch das Recht ein, schon früher einen Krankenschein zu verlangen.

Infografik / Krankenstand in Deutschland

Die Klägerin hat sich daher in den Vorinstanzen bisher erfolglos gegen die Anweisung ihres Arbeitgebers gewehrt. Sie vertritt die Ansicht, dass die Weisung willkürlich sei und das allgemeine arbeitsrechtliche Schikaneverbot verletze. Außerdem argumentierte sie, dass bei ihr kein Missbrauchsverdacht hinsichtlich der Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Ihr Arbeitgeber hielt wiederum entgegen, dass er die Anweisung nicht begründen müsse.

Im Schnitt 9,5 Tage im Jahr krank

Der Anwalt der Klägerin sieht in der Anweisung eine Disziplinierungsmaßnahme, weil nicht von allen Mitarbeitern verlangt werde, am ersten Tag der Krankheit ein Attest vorzulegen. „Ich bin ein Mensch, der mit Fieber zur Arbeit kommt“, sagte die leitende Redakteurin, die seit 32 Jahren beim WDR arbeitet. „Ich liebe meine Arbeit.“

Mehr zum Thema

In Deutschland waren Arbeitnehmer im vergangenen Jahr durchschnittlich 9,5 Arbeitstage krankgemeldet. Den niedrigsten Krankenstand der vergangenen 20 Jahre gab es 2007 mit rund 7,9 Fehltagen.

Quelle: dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kolumne „Mein Urteil“ Steht mir auch bei einer Freistellung Urlaub zu?

Urlaub ist zur Erholung da. Also hat doch wohl ein Arbeitnehmer keinen Anspruch auf Urlaub, wenn er gar nicht gearbeitet hat. Sollte man meinen. Ein Gericht sah das jetzt anders. Mehr

16.08.2014, 08:00 Uhr | Beruf-Chance
Exklusiv in der F.A.Z. Ärzte verlangen Nachbesserung bei Honorar-Regelung

Die Ärzte verlangen nach einem neuen Urteil des Bundessozialgerichts über die Honorare niedergelassener Ärzte in Sachsen-Anhalt eine Nachbesserung durch den Gesetzgeber. Mehr

15.08.2014, 07:18 Uhr | Wirtschaft
Private E-Mails in der Arbeit Darf ich oder darf ich nicht?

Wer im Büro private Mails verschickt, dem droht die Kündigung - oder? Die Unsicherheit bei diesem Thema ist groß, denn viele Unternehmen scheuen klare Regeln. Das ist schlecht für alle Beteiligten. Mehr

19.08.2014, 05:00 Uhr | Beruf-Chance

Anpfiff zur Werbeschlacht

Von Rüdiger Köhn

Mit dem Start der neuen Bundesliga-Saison hat auch eine Werbeschlacht der drei Sportartikelhersteller Nike, Adidas und Puma begonnen. Höhere Werbebudgets können Managementfehler in den Sportkonzernen jedoch nicht ausmerzen. Ein Kommentar. Mehr 1 6


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Deutschland, Telekom-Entwicklungsland

Die digitale Agenda ist offenbar wirklich nötig: Die Telekommunikationsbranche trägt hierzulande nur 2,25 Prozent zum BIP bei - weniger als etwa in Spanien, Frankreich oder Italien. Mehr 1

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden