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Früherer Arcandor-Chef : Thomas Middelhoff ist frei

  • -Aktualisiert am

Vorerst in Freiheit: der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff, hier im vergangenen November vor dem Landgericht in Essen Bild: dpa

Der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff ist aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Die vom Essener Landgericht geforderte Kaution von knapp 900.000 Euro wurde hinterlegt.

          Der Ex-Vorstandschef von Bertelsmann und Arcandor, Thomas Middelhoff, kommt vorerst frei. Seine Verteidiger haben die vom Landgericht Essen festgesetzte Kaution in Höhe von 895.000 Euro überwiesen, wie ein Justizsprecher am Mittwoch mitteilte. Wer das Geld gestellt hat, gab er nicht bekannt.

          Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung haben diverse Geschäftspartner und Freunde dazu beigetragen; ursprüngliche Zusagen von Commerzbank und Deutscher Bank sind hingegen geplatzt. Dazu soll beigetragen haben, dass die Deutsche-Bank-Tochter Sal. Oppenheim in einen Rechtsstreit mit Middelhoff um bis zu 200 Millionen Euro verwickelt ist. Middelhoff selbst hat Privatinsolvenz angemeldet und zuvor einen Teil seines Vermögens auf seine Familie übertragen.

          Middelhoff will sich in seiner Villa behandeln lassen

          Der frühere Top-Manager war im vergangenen November wegen mutmaßlich privater Flugreisen auf Firmenkosten zu drei Jahren Haft wegen Untreue verurteilt worden. Er wurde noch im Gerichtssaal verhaftet und in Untersuchungshaft gebracht. Weil dort kurz darauf bei ihm eine Autoimmunerkrankung ausbrach, wurde Middelhoff in eine Klinik verlegt und stand dort unter Bewachung.

          Seine Verteidiger brachten die Erkrankung in einen Zusammenhang mit angeblichem Schlafentzug durch regelmäßige Kontrollen, mit denen die Gefängnisleitung einen Selbstmord verhindern wollte. Nordrhein-Westfalens Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) hat diese Darstellung jedoch entschieden zurückgewiesen. Auch das Landgericht stellte ausdrücklich fest, Middelhoff sei nicht haftunfähig, als es vor rund einer Woche die Kaution verhängte. Außerdem muss er sich künftig regelmäßig bei der Polizei melden und seine Pässe abgeben.

          Nach Angaben seiner Anwälte will sich Middelhoff nun in seiner Bielefelder Villa behandeln lassen. Gegen seine Verurteilung haben sie Revision eingelegt. Die Erfolgsquote dafür liegt am Bundesgerichtshof in Strafsachen bei höchstens 15 Prozent. Wenn sie sich auf die Höhe der Strafe bezieht, gilt sie sogar als nahezu aussichtslos.

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