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Filesharing-Kommentar : Der Ehrliche ist der Dumme

Neue Lernregel: Besser nicht über verbotene Internetaktivitäten reden. Bild: dpa

Die Musikindustrie hat einen bizarren juristischen Sieg eingefahren. Wer in einem Prozess die Wahrheit sagt, ist ab jetzt der Dumme. Das gilt für Eltern und Kinder.

          Kann man sich als Musikindustrieller über so ein Urteil wohl freuen? Der Bundesgerichtshof hat entschieden: Wenn die eigenen Kinder das Internet für Urheberrechtsverletzungen nutzen und das danach dummerweise auch noch zugeben, müssen die Eltern sie im Zivilprozess verraten – sonst haften sie selbst. Es ist ein bizarrer juristischer Sieg. Der Ehrliche ist der Dumme, das gilt ab jetzt für Eltern und Kinder.

          Teilt man das Karlsruher Urteil in einfachen Worten dem Nachwuchs mit, dürfte dieser wohl von ganz allein darauf kommen, dass man im Netz vielerlei krumme Dinger drehen kann, danach aber aus Rechtsgründen besser darüber schweigen sollte. Wenn das Kind doch einmal mit bebender Unterlippe die Tauschbörsennutzung eingeräumt hat, könnten die Eltern schlicht behaupten, sie wüssten von nichts. Lügen befreit, auch von Haftung, nur in einem Prozess ist es strafbar.

          Eigentlich aber geht es sowieso nur noch ums Prinzip: Längst gibt es attraktive legale Angebote für Musik, Tauschbörsen nutzt kaum jemand. Doch womöglich liegt das ja auch an den Urheberrechtsprozessen im industriellen Ausmaß, welche die Kreativkonzerne seit Jahren führen. Also wird weiter gegen Familien geklagt. Und die wissen nun, dass geistiges Eigentum manchmal schwerer wiegt als der Schutz der Familie.

          Hendrik Wieduwilt

          Redakteur der Wirtschaft in Berlin, zuständig für „Recht und Steuern“.

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