04.08.2009 · Ein Dauerkläger und Dauerredner macht der Deutschen Bank zu schaffen: Der Kleinaktionär und Rechtsanwalt Michael Bohndorf zettelt seit Jahren Prozesse an und überhäuft Hauptversammlungen mit Fragenkatalogen. Über die Motive Bohndorfs rätseln alle - doch das Geldinstitut setzte aus Neugier sogar Detektive auf den Advokaten an, der auf Ibiza lebt.
Von Joachim JahnFür die Deutsche Bank ist er nach dem einstigen Medienunternehmer Leo Kirch das größte Schreckgespenst: Michael Bohndorf, Dauerkläger gegen das Geldinstitut und Dauerredner auf dessen Hauptversammlungen. Kein Wunder, dass viele sich fragen, ob Bohndorf und der ebenfalls klagefreudige Kirch unter einer Decke stecken - auch wenn beide dies nachdrücklich abstreiten. Die Neugier hat die Bank so weit getrieben, dass sie Privatdetektive auf den Rechtsanwalt ansetzte.
„Verführung auf Ibiza“
Wie weit deren Ausspähungen wirklich reichten, wird derzeit von Staatsanwaltschaft und Bankenaufsicht untersucht. Entschuldigt hat sich das Finanzinstitut jedenfalls schon bei ihm. Ob aber wirklich eine junge Brasilianerin den Advokaten verführen und aushorchen sollte, wie Bohndorf dies gerne schildert, ist noch nicht sicher. Ebenso wenig, ob sich zwei Privatermittler in seinem Domizil eingemietet haben, als Urlauber getarnt. Denn der Jurist lebt auf Ibiza.
Seine Klagen gegen die Deutsche Bank schreibt der "kritische Aktionär", wie manche ihn geradezu wohlwollend bezeichnen, denn auch meist auf der Balearen-Insel - auf einer mechanischen Schreibmaschine. Doch wenn ein deutsches Gericht in einer seiner zahlreichen Querelen mit der Bank einen Termin anberaumt, fliegt er ein. Die für seine Auftritte erforderliche Robe leiht er sich dann kurzerhand im Justizgebäude aus.
Ziemlich respektlos
Seinen Richtern und Prozessgegnern bringt der 69 Jahre alte Bohndorf keinen übermäßigen Respekt entgegen: Wenn während der Verhandlung sein Mobilfunktelefon klingelt, eilt er schon einmal mit wehendem Gewand aus dem Gerichtssaal, statt das Gerät einfach abzuschalten. Selbst vor dem Bundesgerichtshof ist es ihm gelungen, zu Wort zu kommen, obwohl die Prozessordnung das eigentlich nur dort zugelassenen Spezialanwälten erlaubt. Was die Bundesrichter aber im vergangenen Februar auch nicht dazu bewegen konnte, sich mit jenen 308 Fragen von Bohndorf zu befassen, die ihm nach seiner Ansicht auf der Hauptversammlung der Bank im Jahr 2003 nicht ausreichend beantwortet wurden.
Was den stets gut gebräunten Rechtsberater bei all dem umtreibt, will er nicht verraten. Er vertrete ein paar vermögende Investoren, sagt er nur umgänglich und allgemein, wenn man ihn im Gerichtsflur darauf anspricht. Kritischen Journalisten schreibt er das auch "mit ausgezeichneter Hochachtung" auf. "Meine Motive sind nicht diejenigen eines Berufsklägers - aber ich sehe auch keine Veranlassung, Ihnen diese offenzulegen", hieß es kürzlich in einer Mail an diese Zeitung.
Schon früher umstritten
Zu Beginn seiner Juristenlaufbahn widmete sich Bohndorf in englischen Fachblättern dem deutschen Familienrecht. Doch längst tummelt er sich auf dem Feld des Aktienrechts. Vor acht Jahren widmete ihm das Nachrichtenmagazin "Spiegel" sogar einen eigenen ausführlichen Artikel. Bohndorf kämpfte damals gegen den Seniorenheimbetreiber Refugium, mutmaßlich als "Strohmann" des Klinikkonkurrenten Ulrich Marseille, wie das Blatt schrieb. Dem "prozessfreudigen Kleinaktionär" schrieb es eine "höchst fragwürdige Doppelrolle" zu, mit deren Hilfe die "Beute" geteilt werden solle. Damals agierte Bohndorf angeblich im Auftrag eines jüdischen Onkels aus New York, der sich aber nicht zeigen wollte. Auch diese Zeitung meldete im Zuge dieser Auseinandersetzung, dass Refugium Bohndorf wegen "versuchter Erpressung" angezeigt habe. Doch Bohndorf kämpfte gleichfalls mit harten Bandagen: Er warf dem Neue-Markt-Unternehmen Betrug vor.
Joachim Jahn Jahrgang 1959, Redakteur der Wirtschaft in Berlin, zuständig für „Recht und Steuern“.
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