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Besuch vom Finanzminister Schäuble jagt deutsche Steuersünder in Singapur

Immer mehr Reiche verstecken ihr Geld in Singapur vor dem deutschen Fiskus. Finanzminister Wolfgang Schäuble will ihnen an den Kragen und reist in den südostasiatischen Stadtstaat.

© dpa Steueroase Singapur: Attraktiver Fluchtort für das Geld reicher Deutscher

Wenn Finanzminister Schäuble am nächsten Wochenende auf dem Rückflug aus Tokio in Singapur Rast macht, dann wird keine Orchidee nach ihm benannt werden, und er wird niemand auf die Suche nach billigen Kameras schicken wie manche seiner Kollegen. Für Schäuble bedeutet Singapur Arbeit. Denn er sieht die Chance, ein Steuerschlupfloch zu stopfen.

Christoph Hein Folgen:

Ganz nebenbei kann er damit Punkte sammeln in der deutschen Neidgesellschaft - nicht grundlos trommeln schon an diesem Wochenende die Medien, der deutsche Finanzminister habe es auf die Schwarzgeldkonten von reichen Deutschen auf ihrem Fluchtweg nach Singapur abgesehen.

Reiche und Superreiche zieht der südostasiatische Stadtstaat an wie die Kerze die Motten. Denn auf der Tropeninsel gibt es, was selten geworden ist auf der Welt: ein bombensicheres Bankgeheimnis, einen Spitzensteuersatz von 20 Prozent, aber keine Kapitalertragssteuer, einen stetig aufwertenden Singapur-Dollar und eine Spitzenbewertung mit „Triple A“ durch die Ratingagenturen, die außerhalb Europas sonst nur Kanada und Australien besitzen. Kurz gesagt: Die Tropeninsel bietet ein Rund-um-Sorglos-Paket für diejenigen, die Geld mitbringen.

Luxus pur

Und wer gleich dorthin zieht, kann seine Kinder an Spitzenhochschulen schicken, und Papa verdient noch daran, dass der Wert des für sie gekauften Appartements im Jahresrhythmus steigt. Plagt ihn das Herz, findet er hier die besten Kliniken der Welt, und die Frau Mama kann einkaufen wie auf den Champs-Elysées. Zwei neue Luxuscasinos bieten die Chance, auch sechsstellige Summen in bar zu setzen - was auch immer an „sauberem Geld“ am Ende dabei herauskommt. Ein Flughafen für Privatjets macht es möglich, schnell durch den Zoll zu kommen und sein Geld in Sicherheit zu bringen.

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Keine Frage, dass auch deutsche Luxusautomobile hier gerne in bar gezahlt werden. Gleiches gilt nun für den Einkauf von Diamanten auf der ersten Diamantenbörse für Privatkäufer, die nun regelmäßig in der Nähe des Flughafens abgehalten werden wird. Dort steht auch ein überdimensionaler Safe, der von außen wie eine Industriehalle wirkt: Hier können zollfrei Preziosen wie Bilder oder Edelsteine eingelagert werden, um dann ohne Umstände auch ins Ausland verkauft zu werden.

Goldkauf ohne Mehrwertsteuer

Eine weitere Hürde auf dem Weg zum Finanzparadies nahm Singapur vergangene Woche: Käufe von Edelmetallen wie Gold oder Silber zu Investitionszwecken sind seit Monatsbeginn von der Mehrwertsteuer von 7 Prozent befreit - auch das freut gutbetuchte Anleger. Dass die Inflationsrate Singapurs aufgrund der Menge des zuströmenden Geldes bei gut 5 Prozent liegt, dass die Immobilienpreise durch die Decke schießen, nahm die Regierung bislang billigend in Kauf. Die reiche und in Asien einflussreiche Tropeninsel zählt gemessen an der Bevölkerung mit 188000 die meisten Millionärshaushalte der Welt.

Auch ausländische Banker räumen nach dem zweiten Glas Sherry ein, dass Singapur seinen Wohlstand vor allem den Geldströmen aus China oder Indonesien zu verdanken habe. Die Zahl der Millionäre und Milliardäre dort steigt sprunghaft. Die Volkswirtschaften freilich zählen zu den korrupteren der Welt. Wer aber - auf welche Weise auch immer - Geld in Asien verdient, der will es aufgrund der Willkür der meisten Länder an einen sicheren Ort transferieren. Da bietet sich der Stadtstaat an.

Werben für das Land

Doch sind es keineswegs nur Hallodries und Halunken, die es auf die Äquatorinsel zieht. Gerade erst kaufte die reichste Australierin, Gina Rinehart, zwei Luxuswohnungen in Singapur für gut 43 Millionen Australische Dollar (37,4 Millionen Euro). Vor ihr zog Nathan Tinkler, der reichste Australier unter 40 Jahren, nach Singapur um. Neuseelands Milliardär Richard Chandler kam 2008, im Jahr zuvor siedelte sich Anlegerguru Jim Rogers an, und rührt seitdem die Werbetrommel.

„Wir werben mit dem Gesamtpaket“, sagt ein Schweizer Bankier in Singapur. Dieses geschehe auch in Deutschland auf Anlegerseminaren, bei „exklusiven Events“, auf Nachfrage der Klienten. „Natürlich fliegen wir die dann auch mal hier herüber, immer mit Ehefrau. Sie sollen spüren, dass sie sich wohl fühlen.“ Lange galt das Formel-1-Rennen, gefördert von der Schweizer UBS, als beste Möglichkeit, Anlegern Singapur schmackhaft zu machen. Gerade haben die Singapurer die Austragungsrechte für weitere fünf Jahre erworben.

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