http://www.faz.net/-gqe-76buw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 06.02.2013, 07:28 Uhr

Abgabenvergleich mit Deutschland Steuerkeule aus Paris für Reiche und Unternehmen

Ein deutsch-französischer Abgabenvergleich der F.A.Z. zeigt, wie Paris Wohlhabende und Arbeitgeber abkassiert. Unter dem neuen französischen Präsidenten Hollande geht die Schere noch weiter auf.

von und
© Lüdecke, Matthias Lebensqualität trotz hoher Last: Franzosen bei einer Ausstellungseröffnung in Paris

Schon der französische Radprofi Bernard Hinault wusste es: „Wenn ich fünfmal in die Pedale trete, dann viermal für den Staat und einmal für mich“, sagte einst der Spitzensportler, der die Tour de France fünfmal gewann. Frankreich ist ein Hochsteuerland - vor allem für Reiche und für Arbeitgeber. Genauer gesagt ist es ein Hochabgabenland, denn die reine Steuerlast hält sich im internationalen Vergleich durchaus in Grenzen, besonders für Mittel- und Geringverdiener. Doch hinzu kommen saftige Sozialabgaben für Wohlhabende und Unternehmen, die davon rund zwei Drittel zahlen müssen. Dies zeigt ein deutsch-französischer Vergleich der Abgabenlast, den die F.A.Z. in Auftrag gegeben hat.

Christian Schubert Folgen: Manfred Schäfers Folgen:

Unter der Regierung von Präsident François Hollande tut sich die Schere weiter auf. Die Sozialisten haben für den Abbau der staatlichen Neuverschuldung besonders die Steuern auf Spitzeneinkommen, Vermögen und Kapitaleinkünfte heraufgesetzt. Das gilt auch dann noch, wenn die Regierung die vorerst vom französischen Verfassungsrat gestoppte 75-Prozent-Steuer für Einkommensmillionäre gänzlich beerdigen sollte. Daher sagen einige Reiche wie der Schauspieler Gérard Depardieu oder der Optiker Alain Afflelou: „Adieu, la France“.

Sozialabgaben sind verantwortlich

Die F.A.Z. hat bei der Münchner Steuerkanzlei Assmann und bei der französischen Kanzlei Almenide, die im United Tax Network zusammenarbeiten, drei Beispielrechnungen erstellen lassen: Die französische Mehrbelastung macht sich danach vor allem beim Vergleich der Reichen bemerkbar. Wer wie in unserem Beispiel bei zwei minderjährigen Kindern jährlich 1,5 Millionen Euro brutto im Jahr verdient (plus der Ehepartner 80.000 Euro), zudem Kapitaleinkünfte von 200.000 Euro hat, wer gleichzeitig in seinem eigenen, abbezahlten Haus im Wert von 2 Millionen Euro wohnt und noch ein Ferienhaus sowie Wertpapiere im Wert von jeweils 500.000 Euro besitzt, der wird in Frankreich deutlich zur Kasse gebeten: Dieser fiktiven französischen Familie bleiben nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben 835.000 Euro, in Deutschland dagegen 998.900 Euro (wird in Deutschland die Kirchensteuer hinzugerechnet, sind es rund 30.000 Euro weniger).

Die deutsch-französische Differenz geht nicht auf die Einkommensteuer zurück. Diese ist in Frankreich häufig niedriger, weil Kinder durch das Familiensplitting großzügig angerechnet werden. Verantwortlich sind die Sozialabgaben des reichen Franzosen von 181.000 Euro gegenüber nur 24.000 Euro in Deutschland. Zudem bezahlt der Franzose nach den jüngsten Steuererhöhungen durch Hollande 120.700 Euro Steuern auf seine Kapitaleinkünfte - eine „exorbitante Belastung“ von 60 Prozent für Angehörige der höchsten Steuerklasse, wie der Münchner Steuerberater Jörg Assmann meint. In Deutschland dagegen gibt der Deutsche nur 52.400 Euro oder 26 Prozent auf seine Kapitaleinkünfte ab. Sollte Hollande, wie angekündigt, seinen Spitzensteuersatz von 75 Prozent ab einer Million Euro wahr machen, würde sich die Steuerlast des französischen Reichen um gut 66000 Euro erhöhen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Arbeitsmarktreform Sprit-Blockaden in Frankreich treffen Urlauber

Die Streiks gegen die Arbeitsmarktreform lähmen nicht nur die französische Wirtschaft. Urlauber aus dem Ausland sollten ihre Heimreise sorgfältig planen. Der ADAC hat einen Rat. Mehr

25.05.2016, 17:15 Uhr | Wirtschaft
Paris Präsident Hollande gibt Egypt-Air-Maschine verloren

Der französische Präsident Francois Hollande gibt die Egypt-Air-Maschine auf. Es sei leider klar, dass das Flugzeug verloren und im Meer versunken sei, sagt er. Die Ursache für das Unglück sei völlig offen, es könne nichts ausgeschlossen werden. Mehr

19.05.2016, 14:20 Uhr | Gesellschaft
1,6 Milliarden Steuern Razzia bei Google in Paris

100 Ermittler sollen im Einsatz sein. Es geht um ausstehende Steuerzahlungen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro. Nicht nur in Frankreich hat Google Ärger mit den Finanzbehörden. Mehr

24.05.2016, 14:29 Uhr | Wirtschaft
Paris Franzosen demonstrieren gegen geplante Arbeitsmarktgesetze

Am 1. Mai sind auch in Frankreich tausende Menschen auf die Straße gegangen. Sie protestierten gegen die geplante Neuregelung des Arbeitsmarktes, mit der die die französische Regierung die Arbeitslosigkeit abbauen will. Die Gewerkschaften sagen, dass die Gesetze grundlegende Arbeitnehmerrechte untergraben und Kündigungen leichter machen Mehr

02.05.2016, 09:16 Uhr | Politik
Tarifstreit beigelegt 4,8 Prozent mehr Lohn für die Metaller

Arbeitgeber und IG Metall sind sich einig: Die Beschäftigen erhalten in zwei Stufen mehr Geld. Und haben eine neue Streikmethode verhindert. Mehr

13.05.2016, 07:12 Uhr | Wirtschaft

Kein Weg führt an Reformen vorbei

Von Manfred Schäfers

Beim G7-Treffen hatten die Teilnehmer keine 28 Stunden für die vielen Probleme der Welt. Trotzdem gibt es einige Ergebnisse. Wichtig ist, was nicht beschlossen wurde. Mehr 0


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Umfrage Zwei Drittel der Europäer für Grundeinkommen

Gute Idee oder schlicht Schwachsinn? Immer mehr Menschen diskutieren über ein bedingungsloses Grundeinkommen. Die Schweizer stimmen bald ab. Nun kommt eine überraschende Umfrage heraus. Mehr 76

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“