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Abgabenvergleich mit Deutschland : Steuerkeule aus Paris für Reiche und Unternehmen

Lebensqualität trotz hoher Last: Franzosen bei einer Ausstellungseröffnung in Paris Bild: Lüdecke, Matthias

Ein deutsch-französischer Abgabenvergleich der F.A.Z. zeigt, wie Paris Wohlhabende und Arbeitgeber abkassiert. Unter dem neuen französischen Präsidenten Hollande geht die Schere noch weiter auf.

          Schon der französische Radprofi Bernard Hinault wusste es: „Wenn ich fünfmal in die Pedale trete, dann viermal für den Staat und einmal für mich“, sagte einst der Spitzensportler, der die Tour de France fünfmal gewann. Frankreich ist ein Hochsteuerland - vor allem für Reiche und für Arbeitgeber. Genauer gesagt ist es ein Hochabgabenland, denn die reine Steuerlast hält sich im internationalen Vergleich durchaus in Grenzen, besonders für Mittel- und Geringverdiener. Doch hinzu kommen saftige Sozialabgaben für Wohlhabende und Unternehmen, die davon rund zwei Drittel zahlen müssen. Dies zeigt ein deutsch-französischer Vergleich der Abgabenlast, den die F.A.Z. in Auftrag gegeben hat.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Unter der Regierung von Präsident François Hollande tut sich die Schere weiter auf. Die Sozialisten haben für den Abbau der staatlichen Neuverschuldung besonders die Steuern auf Spitzeneinkommen, Vermögen und Kapitaleinkünfte heraufgesetzt. Das gilt auch dann noch, wenn die Regierung die vorerst vom französischen Verfassungsrat gestoppte 75-Prozent-Steuer für Einkommensmillionäre gänzlich beerdigen sollte. Daher sagen einige Reiche wie der Schauspieler Gérard Depardieu oder der Optiker Alain Afflelou: „Adieu, la France“.

          Sozialabgaben sind verantwortlich

          Die F.A.Z. hat bei der Münchner Steuerkanzlei Assmann und bei der französischen Kanzlei Almenide, die im United Tax Network zusammenarbeiten, drei Beispielrechnungen erstellen lassen: Die französische Mehrbelastung macht sich danach vor allem beim Vergleich der Reichen bemerkbar. Wer wie in unserem Beispiel bei zwei minderjährigen Kindern jährlich 1,5 Millionen Euro brutto im Jahr verdient (plus der Ehepartner 80.000 Euro), zudem Kapitaleinkünfte von 200.000 Euro hat, wer gleichzeitig in seinem eigenen, abbezahlten Haus im Wert von 2 Millionen Euro wohnt und noch ein Ferienhaus sowie Wertpapiere im Wert von jeweils 500.000 Euro besitzt, der wird in Frankreich deutlich zur Kasse gebeten: Dieser fiktiven französischen Familie bleiben nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben 835.000 Euro, in Deutschland dagegen 998.900 Euro (wird in Deutschland die Kirchensteuer hinzugerechnet, sind es rund 30.000 Euro weniger).

          Die deutsch-französische Differenz geht nicht auf die Einkommensteuer zurück. Diese ist in Frankreich häufig niedriger, weil Kinder durch das Familiensplitting großzügig angerechnet werden. Verantwortlich sind die Sozialabgaben des reichen Franzosen von 181.000 Euro gegenüber nur 24.000 Euro in Deutschland. Zudem bezahlt der Franzose nach den jüngsten Steuererhöhungen durch Hollande 120.700 Euro Steuern auf seine Kapitaleinkünfte - eine „exorbitante Belastung“ von 60 Prozent für Angehörige der höchsten Steuerklasse, wie der Münchner Steuerberater Jörg Assmann meint. In Deutschland dagegen gibt der Deutsche nur 52.400 Euro oder 26 Prozent auf seine Kapitaleinkünfte ab. Sollte Hollande, wie angekündigt, seinen Spitzensteuersatz von 75 Prozent ab einer Million Euro wahr machen, würde sich die Steuerlast des französischen Reichen um gut 66000 Euro erhöhen.

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