23.08.2006 · Anwälte verlieren ihr Beratungsmonopol. Künftig sollen auch Automechaniker, Architekten oder Banker einfache Ratschläge in Rechtsangelegenheiten geben dürfen. Niedrigere Preise oder sinkende Qualität - die Diskussion um die Folgen läuft schon.
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Und der Verbraucher zahlt die Zeche
Der vermeintlich einfache und billige Rechtsrat wird sich bald als kostspieliger Holzweg erweisen.
Wer haftet denn für falschen Rechtsrat?
Werden der KFZ-Mechaniker, der Architekt und der Bankier durch eine zusätzliche Berufshaftpflichtversicherung gesichert sein?
Rechtsrat von Herrn Jedermann wird den Verbraúcher teuer zu stehen kommen!
Spätestens 2012 werden sich einige kluge Volljuristen auf ein neues Problemgebiet spezialisiert haben: auf die Verfolgung von Ansprüchen aufgrund falscher Rechtsberatung.
Hoffentlich trägt die Öffnung dazu bei das leidige deutsche Abmahnwesen in den Griff zu bekommen.
Das Internet ist voll von Blutsaugern die gerade dieses Monopol schändlich ausnutzen.
Wenn unsere Regierung auch viel Murks beschliesst. Das ist seit langer Zeit mal endlich ein vernünftiger Schritt.
Übrigens, ich bin Jurist !
RECHTSDIENSTLEISTUNGSGESETZ POSITIV
Das Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG) modernisiert die Rechtsberatung und passt sie den gegenwärtigen Erfordernissen im Wirtschafts- und Privatleben an. Es ermöglicht kostenlosen Rechtsrat aus dem Familien- oder Freundeskreis. Professioneller juristischer Rat als Zusatz- oder Nebenleistung bei einem Hauptgeschäft, bspw. Erwerb einer Immobilie, ist nicht mehr verboten. Das ist eine große Erleichterung im Alltagsleben.
Sie setzt voraus, dass sich jeder über die rechtliche Qualifikation seines Ratgebers Aufschluss verschafft. Das wird z.B. in Erbschaftsfragen dadurch erleichtert, dass man sich nur an zertifizierte Testamentsvollstrecker hält. Sie haben Kenntnisse im Familien- und Erbrecht und sind gegen mögliche Schäden versichert. Andere Rechtsgebiete werden diesem Modell nachfolgen, denn der Verbraucherschutz muß gewährleistet bleiben. Er erhält durch das Rechtsdienstleistungsgesetz erhöhten Stellenwert.
Komplizierte Rechtsfragen bleiben auch jetzt weiterhin Sache eines Rechtsanwalts des eigenen Vertrauens. Das RDG läßt Ratsuchenden die Wahl als mündiger Verbraucher.
Dr. Wolfgang Deuker
Aus meiner Praxis als Bauingenieur weiß ich, das einige Bauherren schon längst den umgekehrten Weg gehen und sich ihre Bauverträge von Anwälten entwerfen lassen, antstatt hierfür einen fachkompetenten Architekten zu engagieren. Andersherum müssen sich Architekten und Ingenieure täglich mit unzähligen Gesetzen und Verordnungen herumschlagen, dürfen ihren Kunden aber nicht diesbezüglich beraten.
Wer als "Fachmann" kompetent beraten will, muss zwangsläufig auch die gesetzlichen Regelungen kennen. Umgekehrt kennt ein Anwalt meist nur die Gesetze, hat aber nicht die Qualifikation für eine Fachberatung. Deshalb führt der Besuch beim Anwalt auch eher zu einem Gerichtsverfahren, schließlich verdient der Anwalt dadurch mehr Geld als durch eine einfache Beratung.
Vielleicht kann durch die Gesetzesänderung ein wenig dazu beigetragen werden, dass die anhaltende Klageflut vor deutschen Gerichten etwas zurückgeht.
Nun betreibt AOL hier in Argentinien bereits eine deutschsprachige Hotline für euch daheim, zu bescheidenen Tarifen versteht sich. Andere werden folgen.
Warum kann denn dieses aberwitzige Beratungsmonopol der Rechstanwälte nicht auf diese Weise gebrochen werden:
Ein Kunde ("Klient") ruft eine Nummer hier oder sonstwo an, vereibart ein Honorar (außerhalb der BRAGA), lässt sich beraten, auch gerne mit schriftlichem Ratschlag via Email.
Beide sind zufrieden. Die unsichtbare Hand sorgt mit der Zeit für Qualität. Für den gesetzlichen Mittelstand etwas zu viel Markt - oder?
Auch dieses Thema ist ein deutlicher Beleg dafür, daß Deutschland meilenweit von wirklicher Freiheit entfernt ist.
Eine rechtliche Beurteilung gegenüber einem Anderen kann - obschon eigentlich ja nur eine Meinungsäußerung - in Deutschland von den hier Herrschenden fies belangt werden. Ein Unding, welches nur deshalb läuft, weil zuviele Menschen glauben, daß man nicht alles sagen darf. Was wäre der Deutsche ohne Polizei in allen Lebenslagen?
Die Menschen werden wieder lernen, kritisch im besten Sinne zu sein. Allzuviele verlassen sich zur Zeit auf Titel und staatliche Diktionen und überlassen das Denken anderen.
Genau das fördert aber mindere Qualität von Leistungen und Produkten allenthalben. Und die Qualität von Rechtsberatung und anwaltlicher Vertretung ist genauso wie die der staatlich monopolisierten Rechtsprechung nun eben nicht gerade beeindruckend gut.
Mit mehr Auswahl und mit mehr Wettbewerb, mit mehr Information und mit mehr Meinungen wird die Qualität jeder Dienstleistung tendenziell besser. Wir brauchen Freiheit. Schade ist nur, daß es in dieser Richtung so langsam geht.
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