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Reallöhne sinken Inflation frisst Lohnerhöhungen auf

 ·  Die Arbeitnehmer in Deutschland haben im ersten Quartal 2013 erstmals seit 2009 wieder real weniger verdient als im Vorjahreszeitraum: Die Inflation von 1,5 Prozent hat die nominalen Gehaltssteigerungen von 1,4 Prozent zunichtegemacht.

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© F.A.Z. Vergrößern

Die Inflation frisst in Deutschland erstmals seit Ende 2009 wieder die Lohnerhöhungen auf. Der harte Winter und schwindende Gewinnbeteiligungen brockten den Arbeitnehmern Einkommenseinbußen ein. Zum Jahresauftakt sanken die Reallöhne um 0,1 Prozent verglichen mit dem Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Das ist der erste Rückgang seit 13 Quartalen. Noch sei es zu früh, um von einer Trendumkehr zu sprechen, sagte Reinhard Bispinck vom gewerkschaftsnahen WSI-Tarifarchiv. Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen für das laufende Jahr aber nur noch mit einem Mini-Wachstum. Bei vielen Arbeitnehmern könnten Überstunden gestrichen und Arbeitszeiten gekürzt werden - mit negativen Auswirkungen auf die Einkommen.

Im ersten Quartal dämpfte der harte Winter die Einkommen. „Im Bau sind die Arbeitszeiten deutlich gesunken, stärker als in den Vorjahren“, sagte ein Statistiker. Besonders im März stand die Arbeit auf vielen Baustellen still, in einem Monat, in dem sonst meist schon wieder gearbeitet werden kann. Zudem macht sich die schwächelnde Konjunktur bemerkbar. Viele Unternehmen kürzten Sonderzahlungen, zu denen Gewinnbeteiligungen, Urlaubsgeld oder sonstige Einmalzahlungen gehören. In den ersten drei Monaten 2013 schaffte die Wirtschaft in Deutschland nur ein Mini-Plus von 0,1 Prozent, zum Jahresende 2012 war sie sogar geschrumpft.

Fachkräfte mit größeren Einbußen

Insgesamt stiegen die Nominallöhne im ersten Quartal um 1,4 Prozent, die Lebenshaltung verteuerte sich mit 1,5 Prozent etwas stärker. Das größte Reallohn-Minus mussten Fachkräfte hinnehmen: Ihnen blieb nach Abzug der Inflation 0,6 Prozent weniger in den Taschen als vor Jahresfrist. Besser sieht es dagegen bei ungelernten Arbeitnehmern aus, die sogar real 1,5 Prozent mehr verdienten. Für das laufende Jahr rechnet das WSI-Tarifarchiv mit insgesamt steigenden Tarifeinkommen: Die Tariflöhne und -gehälter dürften 2013 im Schnitt um 2,8 Prozent steigen und damit weitaus stärker als die Teuerungsrate. Allerdings sind Sonderzahlungen sowie Überstunden dabei nicht enthalten. Zudem bestehe die Gefahr, dass die Effektivlöhne wegen geringerer Arbeitszeiten nicht so stark steigen wie die Tarifeinkommen, sagte Bispinck. „Wenn sich dieser Trend verstetigt, kann das aufs Jahr gerechnet eine dämpfende Wirkung haben.“ Die Wirtschaftsforscher des IMK rechnen mit einem Rückgang der Arbeitszeit um 0,6 Prozent im laufenden Jahr.

Im Schnitt verdienten Arbeitnehmer in Deutschland je Monat brutto 3398 Euro. An der Spitze stehen weiterhin die Beschäftigten bei Banken und Versicherungen, die mit durchschnittlich 4543 Euro mehr als doppelt so hohe Einkommen hatten als Angestellte in der Gastronomie.

Auf Sicht von fünf Jahren hatten die Arbeitnehmer in Deutschland real mehr Geld zur Verfügung: Die Nominallöhne stiegen von 2007 bis 2012 um 12,2 Prozent, die Lebenshaltungskosten um 8,3 Prozent. Dabei nahm das Lohngefälle aber zu. Leitende Angestellte konnten sich über deutlich höhere Lohnsteigerungen freuen als ungelernte Arbeitnehmer. Männer konnten ihre Realeinkommen stärker steigern als Frauen. Dank der robusten Lage am Arbeitsmarkt und steigender Einkommen gilt der private Konsum als wichtige Stütze für das Wachstum der gesamten Wirtschaft, da wegen der Schuldenkrise wichtige Impulse vom Export fehlen.

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04.07.2013, 12:06 Uhr

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