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Risikoabsicherung

Raus aus dem Euro? AfD will nicht zurück zur D-Mark

„Nicht Deutschland soll den Euro verlassen, sondern die südeuropäischen Staaten“, sagt der Vorsitzende der neu gegründeten Anti-Euro-Partei, Bernd Lucke, der Sonntagszeitung. Ein Streitgespräch mit ihm und Dennis Snower, dem Präsidenten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, über die Zukunft des Euros.

© F.A.S., Bildmaterial: Reuters, dpa Raus aus dem Euro? Doppelinterview Lucke und Snower zum Nachhören

Herr Snower, Herr Lucke, Sie sind beide Ökonomen. Würden Sie heute noch einmal den Euro einführen?

Snower: Unbedingt. Aber mit einem wetterfesten Regelwerk. Die europäischen Staaten haben sowohl wirtschaftlich als auch politisch enorm vom Euro profitiert. Selbst wenn wir bis jetzt gut ohne den Euro gelebt hätten, wäre es nun höchste Zeit, ihn einzuführen.

Lucke: Ich würde den Euro keinesfalls einführen, obwohl ich ihn 1999 befürwortet habe. Ich dachte, der Euro könnte einen heilsamen Anpassungszwang ausüben auf Staaten, die ihre Wettbewerbsfähigkeit immer nur durch Abwertungen retten. Aber die Beharrungskräfte waren zu groß. Selbst bei größtem Druck finden nicht genügend strukturelle Reformen statt. Deshalb ist der Euro für ein so heterogenes Währungsgebiet nicht geeignet.

Snower: Ich sehe es genau umgekehrt. Wenn Länder einmal anfangen, aus dem Euro auszutreten, wird es in Europa auch rasch zu mehr Protektionismus und schädlichem Nationalismus kommen. Dann wird das ganze europäische Projekt infrage gestellt. Es droht uns ein Strudel, der in das Chaos führt. Wir müssen die Krise des Euro anders bewältigen.

Sie sind sich beide einig, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann. Herr Lucke, Sie wollen den Euro verlassen und den Deutschen die D-Mark zurückbringen.

Lucke. Nein, nicht Deutschland soll den Euro verlassen, sondern die südeuropäischen Staaten. Das ist viel besser als ein Euro-Austritt Deutschlands. Dann haben die Südländer die Möglichkeit der Abwertung, was ihnen die Chance gibt, wettbewerbsfähig zu werden. Europa leidet an einer Wettbewerbskrise. In den südeuropäischen Ländern sind die Löhne im Verhältnis zur Produktivität zu hoch. Die Firmen sind nicht wettbewerbsfähig, ihre Produkte damit kaum zu exportieren.

Also nicht zurück zur D-Mark, sondern zur Drachme und Escudo?

Lucke. Ja. Seit Einführung des Euro haben alle südeuropäischen Länder viel, viel mehr importiert als exportiert. Ihre Leistungsbilanzen sind immer defizitär. Zehn Jahre lang haben die Regierungen die Möglichkeit gehabt, dieser gefährlichen Entwicklung entgegenzuwirken. Es ist ihnen nicht gelungen, oder sie waren nicht willens. Niedrige Produktivität und hohe Löhne vertragen sich nicht. Die Löhne in Südeuropa sind um 30 bis 50 Prozent zu hoch. Eine Lohnsenkung in diesem Ausmaß ist nicht zumutbar. So bleibt nur eine Abwertung, und dafür braucht man eine eigene Währung.

Snower: Ich teile Ihre Analyse, Herr Lucke, aber nicht Ihre Lösung. Die Einführung einer eigenen Währung hätte, wenn alles gutginge, nur einen kurzen Effekt. Preise glichen sich schnell wieder an. Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes hängt aber nicht von seinen monetären Größen ab, sondern von seinen komparativen Vorteilen: Was können sie besser als andere? Das hängt von seiner Produktionsstruktur und seiner Innovationskraft ab. Wenn es schlecht liefe, könnte sich ein armes südeuropäisches Land mit einer schwachen Währung die zum Aufbau einer neuen Produktionsstruktur nötigen ausländischen Investitionsgüter nicht mehr leisten. Die Regierung würde ihr Heil in der Inflation suchen, es würde ein Währungschaos am Rande Europas entstehen. Wie das dazu führen soll, dass Länder wie Griechenland wettbewerbsfähiger werden, verstehe ich beim besten Willen nicht.

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