Home
http://www.faz.net/-gqe-71k8b
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Ratingagentur senkt den Ausblick Deutschlands Spitzenrating ist bedroht

Die amerikanische Ratingagentur Moody’s gibt der Kreditwürdigkeit Deutschlands zwar weiterhin die Bestnote Aaa, hat den Ausblick jetzt aber auf negativ gesenkt. Damit droht der größten Volkswirtschaft der Eurozone der Verlust ihrer Top-Bonität.

© F.A.Z. Interaktiv: Das Rating der wichtigsten Länder

Die amerikanische Ratingagentur Moody’s hat den Ausblick für die Bonität Deutschlands, der Niederlande und Luxemburgs  von stabil auf negativ gesenkt. Die drei Länder, die alle derzeit die Top-Bewertung bei der Kreditwürdigkeit haben, gerieten wegen der „wachsenden Unsicherheit“ in der Eurozone ebenfalls in Gefahr, warnte Moody’s am Montagabend nach Börsenschluss in Amerika.

Ein negativer Ausblick ist der erste Schritt für eine Abwertung der Kreditwürdigkeit. Dies bedeutet zwar nicht zwangsläufig eine Herabstufung in naher Zukunft, ist aber ein Hinweis darauf, dass der Spielraum bei einer Verschlechterung der öffentlichen Finanzen nur noch gering ist. Moody’s hatte bereits im Februar den Ausblick für Österreich und Frankreich auf negativ gesetzt. Noch haben beide Länder aber ihr „Aaa“ bei Moody’s. Die Ratingagentur S&P hat sie allerdings schon im Januar herabgestuft.

Finnland behält stabilen Ausblick für Spitzenrating

Insgesamt bewertet Moody’s noch sechs Länder der Eurozone mit der Bestnote, einen stabilen Ausblick gesteht die Agentur von ihnen aber nur noch Finnland zu. Dies begründet Moody’s unter anderem mit dem kleinen und auf den Heimatmarkt fokussierten, gesunden Bankensystem, von dem nur geringe Risiken ausgingen. Finnland betreibe zudem eine konservative Haushaltspolitik, habe stets die Maastricht-Kriterien eingehalten und verkaufe außerdem nur einen relativ kleinen Teil seiner Exporte in den Euroraum, was die Anfälligkeit für Turbulenzen reduziere.

Moody's stuft Unicredit und 12 weitere italienische Banken herab

Als Gründe für die nun kommende Überprüfung des deutschen Ratings gab Moody’s einen möglichen Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone und dessen voraussichtliche Auswirkungen auf die ebenfalls stark verschuldeten Länder Spanien und Italien an.

Es sei immer wahrscheinlicher, dass Griechenland die Eurozone verlassen müsse, schreiben die Experten der Ratingagentur. Ein Ausscheiden des Landes aus der Eurozone sei aber nicht das Basisszenario der Agentur. Auch andere Eurostaaten laufen angeblich keine Gefahr, die gemeinsame Währung zu verlieren. Dennoch sei davon auszugehen, dass Länder wie Spanien und Italien weitere Hilfen brauchten. In diesem Fall sei wahrscheinlich, dass die europäischen Staaten mit einer sehr guten Bonität die neuen Hilfen schultern müssten, führen die Moody’s-Analysten aus.

In Deutschland sei zudem der Bankensektor anfällig, sollte sich die Schuldenkrise in Europa verschärfen, schreibt Moody“s. Die deutschen Banken seien geschäftlich besonders mit Spanien und Italien verbunden, was das Risiko vergrößere. Das Rating für die deutsche Bad Bank FMS Wertmanagement wurde ebenfalls von stabil auf negativ gesenkt. Das Aaa-Rating der Anstalt wurde jedoch bestätigt.

Finanzministerium kritisiert die Entscheidung

Das Bundesfinanzministerium reagierte unmittelbar und kritiserte die Rating-Entscheidung indirekt als einseitig. Mit der Einstufung der Aussichten des deutschen Spitzenratings als negativ habe Moody’s vor allem die kurzfristigen Risiken in den Vordergrund gestellt, „während längerfristige Stabilisierungsaussichten unerwähnt bleiben“, teilte das Ministerium am Montagabend in Berlin mit. Die genannten Risiken in der Eurozone seien auch nicht neu. Deutschland sei „weiterhin Stabilitätsanker in der Eurozone“. An den internationalen Finanzmärkten sei das Vertrauen in Deutschland hoch.

Bei der Ratingagentur Standard & Poor’s hat Deutschland einen „stabilen“ Ausblick. Zwar hatte auch Standard & Poor’s Deutschlands Topbonität zwischenzeitlich auf den Prüfstand gestellt, die Note letztlich aber nicht angetastet.

Eine Abstufung der Note für die Kreditwürdigkeit kann zu höheren Zinsen bei der Aufnahme neuer Schulden führen. Denn Investoren müssen von einer höheren Wahrscheinlichkeit ausgehen, dass sie ihr Geld nicht wiedersehen.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mangelnde Reformen Ratingagentur Fitch stuft Frankreich herab

Aus Sicht der Ratingagentur Fitch sind Frankreichs Reformen nicht ausreichend. Paris gelingt es nicht, das aktuelle Haushaltsdefizit unter die in der EU verlangte Drei-Prozent-Obergrenze zu drücken. Mehr

13.12.2014, 05:20 Uhr | Wirtschaft
Das Rating der wichtigsten Länder

Bunt ist die Rating-Welt. Die FAZ.NET-Karte zeigt von Grün bis Rot zu welchen Rating-Klassen die Staaten Europas gehören. Hier unser interaktiver Überblick. Mehr Von Martin Hock und Carsten Feig

11.10.2014, 13:32 Uhr | Finanzen
Populisten gefährden Anlagen In Europa wachsen die politischen Risiken

Bankenvolkswirte warnen die Anleger: Der Aufschwung der Protestparteien und Populisten in Europa droht im Jahr 2015 die Finanzmärkte durcheinanderzuwirbeln. Mehr Von Marcus Theurer, London

22.12.2014, 09:15 Uhr | Finanzen
Konjunktur Wirtschaftsweise senken Prognose für Deutschland

Die Wachstumsprognose der Wirtschaftsweisen fällt negativ aus. Die Regierung wies jedoch eine Verantwortung dafür zurück. Mehr

12.11.2014, 17:13 Uhr | Wirtschaft
Aktienmärkte China sendet eine Schockwelle in die Finanzwelt

Die Börse in Shanghai erleidet den größten Tagesverlust seit fünf Jahren und schickt die globalen Aktienmärkte ins Minus. Gold und Anleihen haussieren. Mehr Von Gerald Braunberger

09.12.2014, 17:35 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 23.07.2012, 23:40 Uhr

Der Dauerstreik

Von Carsten Knop

Die Amazon-Mitarbeiter streiken, nur kaum jemand merkt es. Doch in den Versandzentren tut sich was. Mehr 2 10


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Lehrer und Schüler sind zufrieden mit der Computerausstattung an Schulen

Lehrer und Schüler sind eigentlich zufrieden mit ihrer Internet- und Computer. Doch welche Gruppe ist kritischer mit der Ausstattung? Mehr 1

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden