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Neues Gutachten : Rastatt-Havarie verursachte 2 Milliarden Euro Schaden

Die Baustelle in Rastatt ist immer noch nicht beseitigt. Bild: dpa

Mehrere Wochen lang war die wichtige Rheintal-Strecke zwischen Rastatt und Baden-Baden komplett gesperrt. Die Auswirkungen dadurch waren gigantisch.

          Die Havarie an der Rastatter Tunnelbaustelle der Deutschen Bahn im vergangenen August hat Schäden von rund 2 Milliarden Euro verursacht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse im Auftrag einiger Güterverkehrsverbände, etwa des Netzwerks Europäischer Eisenbahnen (NEE). Darin heißt es, die Bahn habe bisher nur über Schäden an der Baustelle und bei den Güterbahnen berichtet. „Die vermutet weitaus größeren mittelbaren Schäden im industriellen Verladerbereich und bei den Dienstleistern wurden dagegen bisher nicht beleuchtet.“

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Mitte August 2017 waren bei Arbeiten am neuen Rastatter Tunnel Wasser und Erde eingedrungen. Dadurch hatten sich die darüberliegenden Gleise gesenkt. Die Ursache ist noch nicht geklärt; dafür gibt es ein „Schlichtungsverfahren“ zwischen der DB Netz und den Bauunternehmen. Die wichtige Rheintal-Strecke musste zwischen Rastatt und Baden-Baden bis Anfang Oktober vollständig gesperrt werden. 30.000 Bahnreisende täglich mussten auf Busse umsteigen. Im Güterverkehr auf der Strecke zwischen Rotterdam und Genua gab es erhebliche Einschränkungen; rund 8200 Güterzüge waren nach Schätzungen von der Streckensperrung betroffen – gut 160 täglich.

          Nach der Studie fuhr während der Sperrung nur ein Drittel dieser Züge – und diese zudem „unter widrigen operativen Bedingungen“. Die Verbände beziffern die „Wertschöpfungsverluste durch Mindererlöse und Mehraufwendungen“ wegen der siebenwöchige Sperrung auf mehr als 2 Milliarden Euro. Davon entfielen etwa 969 Millionen Euro Schäden allein auf Unternehmen der Schienenlogistik, 771 Millionen Euro auf deren Kunden, also verladende und produzierende Unternehmen. „Durch die Unterbrechung musste die Schienenlogistik 2017 auf Wachstum verzichten“, heißt es. Die Schiene habe einen weiteren Vertrauensverlust erlitten. Es sei damit zu rechnen, dass Kunden zum Teil dauerhaft auf die Straße abwanderten.

          In der Analyse wird die Bahn für ihr Krisenmanagement gerügt. Es habe weder Notfallpläne gegeben noch praktikable Umleitungsstrecken. Auch die Haupt-Ersatzstrecke, die „Gäubahn“ zwischen Stuttgart und Singen, sei wegen Bauarbeiten teilweise gesperrt gewesen. Die Koordination der Baustellen sei „absolut unzureichend“. „Die Studie deckt die wahren Schäden auf, für die sich in Berlin bisher niemand interessiert hat“, sagte NEE-Geschäftsführer Peter Westenberger der F.A.Z. Bisher gebe es nur geringe Hinweise, dass die Deutsche Bahn Konsequenzen in der Notfallvorsorge, der staatenübergreifenden Baustellenplanung oder der grenzüberschreitenden Vereinfachung betrieblicher Regeln ziehe. Der gesamte Bau des Streckenabschnitts, der sich nun dem Vernehmen nach um rund drei Jahre verzögert, soll 693 Millionen Euro kosten.

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