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Ranking Deutschlands größte Unternehmen

 ·  Die Ausblicke der Großunternehmen werden verhaltener, die nächste Krise wird nicht ausgeschlossen. Aber selten waren deutsche Unternehmen so gut aufgestellt wie heute. FAZ.NET zeigt die größten Unternehmen Deutschlands, Europas und der Welt im interaktiven Überblick.

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© F.A.Z. Interaktiv: Die größten Unternehmen 2012

Ein Viertel mehr Umsatz als im Vorjahr - der Volkswagen-Konzern hat seinen Größenvorsprung vor den anderen deutschen Großunternehmen noch einmal deutlich ausgebaut. Der Abstand zu dem auf den zweiten Platz vorgerückten Energieerzeuger Eon beträgt 46 Milliarden Euro. Die Wolfsburger Autohersteller wachsen aber nicht nur aus eigener Kraft. Der übernommene Lastwagenhersteller MAN ist konsolidiert worden. Der Sportwagenhersteller Porsche dagegen noch nicht. Für Volkswagen ist also weiteres Wachstum - zumindest durch Zukäufe - programmiert.

Der Autohersteller hat sich zwar weit vom Verfolgerfeld gelöst. Einmalig ist die Größenordnung dennoch auch für deutsche Unternehmen nicht. Bevor Daimler-Chrysler 2007 die Führung unter den größten deutschen Unternehmen an Volkswagen abgab, führten auch die Stuttgarter zuletzt die Tabelle mit 150 Milliarden Euro an. Die Größe war nicht beherrschbar, Daimler musste im vergangenen Jahr auch Platz zwei räumen und ist mit knapp 107 Milliarden Euro Umsatz das drittgrößte Unternehmen mit Sitz in Deutschland.

Wachstum: das herausragende Geschäftsmerkmal

Volkswagen kommt offenbar besser mit der Größe zurecht. Der Konzern (Volkswagen einschließlich der bekannten Tochtergesellschaften Audi, Skoda, Seat) setzt inzwischen knapp 160 Milliarden Euro um und beschäftigt 502000 Mitarbeiter. Von den Bändern des Volkswagenkonzerns einschließlich seiner Tochtergesellschaften liefen im vergangenen Jahr mehr als 8 Millionen Autos. Zwar sind in Europa noch drei (Mineralöl-)Unternehmen größer als Volkswagen, und auf der ganzen Welt hat der Automobilhersteller noch zehn größere Unternehmen vor sich. Aber Volkswagen ist nachhaltig in die Riege der größten Konzerne der Welt aufgestiegen, wie die Umsatztabellen für Deutschland, Europa und die Welt in dieser Beilage zeigen.

Dieses Wachstum verdankt der Automobilhersteller zu einem großen Teil seinen Erfolgen in China. Früher als andere hat Volkswagen sich dort engagiert, und dieses frühe Bekenntnis zum Reich der Mitte danken die Chinesen den Investoren aus Wolfsburg. China hat aber auch vielen anderen großen Herstellern zu Wachstum verholfen. Wachstum war das herausragende Merkmal des vergangenen Geschäftsjahres. Die deutschen Großunternehmen sind 2011 im Durchschnitt um 10 Prozent gewachsen. Das betraf allerdings nur den Umsatz. Die Gewinne konnten da nicht mithalten. Die Dax-30-Konzerne haben 2011 mit 65 Milliarden Euro nur einen Schnaps mehr verdient als 2010 (64,6 Milliarden Euro). An diesem Nettogewinn der deutschen börsennotierten Großkonzerne hat Volkswagen einen Anteil von knapp 16 Milliarden Euro.

Obwohl das Umsatzwachstum vor allem der Nachfrage aus den Schwellenländern geschuldet war, profitierten davon auch die Arbeitnehmer in Deutschland. Die Beschäftigung stieg zwar nur im mittleren einstelligen Bereich, aber sowohl in den ausländischen Tochtergesellschaften als auch in den deutschen Muttergesellschaften. Bis heute profitieren deutsche Standorte von der Globalisierung, weil viele zentrale Funktionen einschließlich Forschung und Entwicklung mit dem internationalen Konzernwachstum ausgebaut werden müssen.

Eine breite Palette in grün und blau

Eine der Ursachen, dass deutsche Unternehmen schneller aus der Finanzkrise (2008/2009) gekommen sind und weniger von der Verschuldungskrise europäischer Staaten (seit Frühjahr 2010) betroffen sind, hängt auch damit zusammen, dass sie gerade in der Forschung und Entwicklung die Ausgaben stabil hoch gehalten oder gar erhöht haben. Deutsche unternehmen haben sich zudem - auch aus politischen Gründen und nicht immer freiwillig - früher als Mitbewerber aus anderen Ländern dem Thema Umweltschutz zugewandt. Heute sind sie daher optimal auf den Megatrend der kommenden Jahre vorbereitet: auf Green-Technology. „Grüne Technologien sind weltweit Geschäftsmodell und Wachstumstreiber. Die Industrie hat hier marktreife Lösungen für die nachhaltige Produktion präsentiert und schreibt mit grünen Technologien schwarze Zahlen“, sagte Wolfram von Fritsch, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe AG, Hannover, zum Abschluss der diesjährigen Hannover Messe, auf der grüne Technik das Leitthema war. Auch wenn Fritsch hier alle Aussteller meinte und auch die ausländischen Anbieter einschloss, so trifft diese Aussage in besonderer Weise auf deutsche Anbieter zu. Vor allem die Tatsache, dass die chinesische Regierung den Umwelt- und Klimaschutz sowie den umweltfreundlichen Auf- und Ausbau ihrer Millionenstädte zum politischen Ziel erklärt hat, lässt die meisten Unternehmen auf weitere Umsatzsteigerungen mit grüner Technologie hoffen. Neue Technik, verbunden mit solider deutscher Ingenieurkunst genießt gerade in China einen guten Ruf, den viele deutsche Unternehmen, große wie kleine, nutzen.

Als „grün“ (in Analogie zu den grünen Waldbeständen der Kontinente) oder „blau“ (in Analogie zum durch die Meere geprägten blauen Planeten) wird heute eine breite Palette von Techniken angeboten. Darunter werden nicht nur die Umwelttechniken im engeren Sinn verstanden wie Recycling, Filteranlagen oder Schallschutztechniken. Unter den Stichworten grün oder blau segelt heute alles, was den Energieverbrauch reduziert, was die Ressourceneffizienz erhöht oder zur Reduzierung der Luftverschmutzung mit Kohlendioxyd beiträgt. Unter Green Technology wird das Elektroauto ebenso verstanden wie die Entwicklung von abbaubaren Kunststoffen auf biologischer Basis, alle Bemühungen der Elektrotechnik um stromsparende Geräte und Anlagen bis hin zur sogenannten Green IT, bei der es um hohen Rechenaufwand mit geringem Stromeinsatz geht.

Dass Umweltschutz für deutsche Unternehmen inzwischen mehr ist als ein Vorzeigeblatt, zeigt die ansteigende Flut von Nachhaltigkeitsberichten. Sie sind längst über die Phase einer „grünen Fassade“ hinaus. Immer häufiger lässt man sich die Berichte freiwillig von unabhängiger Stelle zertifizieren. Ihre Anerkennung in den entsprechenden Rankings der Börsen oder der Nichtregierungsorganisationen zeigt, wie erfolgreich die Unternehmen dabei sind. Gerade Unternehmen, denen man es am wenigsten zugetraut hätte, nämlich die Chemiekonzerne, haben hier große Fortschritte gemacht und vield Anerkennung von neutraler Seite erfahren. Gerade die Chemie erweist sich als Vorreiter in der Entwicklung neuer Produkte und als Vorbild der künftig noch an Bedeutung gewinnenden nichtfinanziellen Unternehmensberichterstattung.

Verhaltene Aussichten auf hohem Niveau

Das letzte Geschäftsjahr mit seinen zahlreichen Rekordumsätzen und Rekordgewinnen war daher keine Eintagsfliege. Die meisten deutschen Großunternehmen hatten auch ein ganz starkes erstes Quartal 2012. Autohersteller und Chemiekonzerne berichteten von zweistelligen Umsatzzuwächsen. Die Gewinne steigen allerdings kaum noch. Das deutet darauf hin, dass die Nachfrage schwächer und der Wettbewerb, auch der Preiswettbewerb, härter werden. Das sonnige Bild der Wirtschaft trübt sich ein. Kurzfristig drohen der Wirtschaft Gefahren aus der weiter schwelenden Schuldenkrise vor allem südeuropäischer Staaten. Im Augenblick ist offen, ob die Sparprogramme die Nachfrage eher dämpfen oder ob die Konjunkturprogramme dies kompensieren und insgesamt eher nachfragebelebend wirken. Da sind aber auch Fragezeichen hinter der Wirtschaftsdynamik in den Vereinigten Staaten - die sich im vergangenen Jahr erstaunlich gut entwickelten - oder auch in dem Schwellenland Indien. Die Aussichten der meisten Unternehmen sind daher - auf hohem Niveau - verhalten.

Die Börse hat bereits die Rohstoffkonzerne herabgestuft. Wie die entsprechende Tabelle in dieser Beilage zeigt, sind international fast alle Rohstoffunternehmen heute weniger wert als vor einem Jahr. BHP Billiton rutschte von Rang 5 in der Rangliste nach Börsenkapitalisierung auf Platz 22, der brasilianische Mitbewerber Vale von Rang 25 auf 45. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit haben dagegen sonst eher als langweilig geltende Konsumgüterhersteller (Google, Philip Morris, Anheuser-Busch Inbev, Coca-Cola) oder Einzelhandelsunternehmen (Wal Mart von Rang 17 auf 5) gewonnen. Gemessen am Börsenwert ist übrigens auch Deutschlands größter Konzern Volkswagen geschrumpft, von 62 auf knapp 55 Milliarden Euro und muss sich in dieser Rangfolge mit dem dritten Platz hinter der umsatzschwächeren Siemens AG zufriedengeben.

Entscheidender als die Rangfolgen in der einen oder anderen Liste ist die Krisenfestigkeit der Unternehmen. Und da zeigt sich insgesamt ein positives Bild: Deutsche Unternehmen sind gut vorbereitet. Sie sind heute schlank, profitabel und gut finanziert. Das alle schützt nicht vor Krisen - lässt sie aber leichter überstehen.

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Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1955, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

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