http://www.faz.net/-gqe-749v1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 10.11.2012, 16:14 Uhr

Ranking der Kita-Preise in 40 Städten Zeigt her eure Krippen!

Überall in Deutschland geben Eltern ihre Kinder jetzt in die Krippe. Doch die Preise sind von Kiel bis München höchst unterschiedlich, die Wartezeiten auch. Wir haben verglichen.

von und Stefanie Hennig
© F.A.Z:

Wenn Carolin Heidenstecker das Ikea-Stoffhäuschen aus dem Regal holt, wissen Irene und Toni, beide ein Jahr alt, was sie erwartet: „Toy talk, toy talk, tock tock tock“, singt die Erzieherin - und die Kinder klopfen begeistert auf das Häuschen, damit Teddy aufwacht und herauskommt. „Good Morning, Irene“, sagt der Teddy dann. „Good Morning, Toni.“ Die beiden Einjährigen sprechen kein Englisch, sie sprechen ja noch kaum deutsch, aber in der Kita „Kids Wallau“ in Hofheim hören sie schon Englisch. Sie sollen den Klang kennenlernen - ein besonderes Angebot der Kita, die auch sonst besonders ist. Sie ist geöffnet von 7 bis 18 Uhr. Und wenn das nicht reicht, können die Kinder nach kurzfristiger Anmeldung auch mal bis 21 Uhr bleiben. Sogar samstags kann man sie hier unterbringen.

Lisa Nienhaus Folgen:

In der Kita „Kids Wallau“ ist dieses Angebot wichtig, denn mehr als die Hälfte der Plätze sind für die Kinder von Ikea-Mitarbeitern reserviert. Die Ikea Deutschland Zentrale und ein großes Ikea-Möbelhaus sind nur wenige hundert Meter entfernt. Und wenn die Ikea-Verkäufer samstags arbeiten müssen, dann müssen sie ihre Kinder irgendwo unterbringen.

Infografik / Das kostet ein Krippenplatz in Deutschland © F.A.Z. Vergrößern Monatliche Gebühren für einen Krippenplatz

Die Öffnungszeiten und die freundliche Einrichtung locken auch Eltern aus der Umgebung, für die es auch einige wenige Plätze gibt. „Im nächsten Jahr habe ich einen einzigen Krippenplatz für die Stadt zu vergeben“, berichtet Leiterin Birgit Berg. „Und jeden Tag rufen hier drei Eltern an, die daran interessiert sind.“ Und das, obwohl die Krippenplätze hier wirklich nicht billig sind. 450 Euro kosten sie für die Eltern im Monat plus Essensgeld. Im nahen Frankfurt sind die Preise weit geringer.

Doch Krippen sind ein lokales Geschäft. Kein Mensch fährt mit seiner Zweijährigen täglich zweimal die 60 Kilometer hin und zurück nach Frankfurt, nur um einen günstigeren Kitaplatz zu bekommen. So überrascht es nicht, dass die Preise für die Eltern von Stadt zu Stadt weit auseinander gehen.

Wie eine Umfrage der F.A.S. ergab, kann ein Ganztagesplatz inklusive Essen die Eltern in den vierzig größten Städten Deutschlands zwischen rund 210 Euro (Magdeburg) und 585 Euro (Gelsenkirchen) monatlich kosten. Aufs Jahr hochgerechnet sind das Preise zwischen 2520 und 7020 Euro, die die Eltern aufbringen müssen. Und das sind nur die Preise der städtischen oder städtisch geförderten Kitas, deren Kosten zu einem Großteil von Stadt und Land getragen werden. Vollständig private Einrichtungen verlangen in den Großstädten zum Teil deutlich über 1000 Euro im Monat.

Infografik / Krippenplatz / ein Ranking der 40 größten Städte © F.A.Z. Vergrößern Monatliche Gebühren

Für die Eltern ist der Kitaplatz deshalb längst ein bedeutender Kostenfaktor geworden. Sie kalkulieren ihn ein, wenn sie überlegen, ob sie wieder arbeiten gehen. Und wenn sie umziehen wollen, schauen sie genau darauf, was ein Krippenplatz in der neuen Stadt kosten würde und wie schnell man einen bekommen würde.

Und da es sich bei den Eltern, die unbedingt einen Krippenplatz brauchen, häufig um gut situierte Doppelverdiener-Paare handelt, sind die Krippen auch für die Städte ein wichtiger Faktor geworden. Bieten sie günstige Kindertagesstätten mit guten Öffnungszeiten, so halten sie Doppelverdiener mit Kindern, die früher vielleicht aufs Land gezogen wären, in der Stadt. Und nicht nur das. Sie locken auch Unternehmen in die Region, für die eine gesicherte Kinderbetreuung immer wichtiger wird. Denn dann können sie gut ausgebildete Mitarbeiter, die ein Kind bekommen, besser im Job halten.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Finanzplanung Mitte fünfzig Wie man das Studium der Kinder finanziert

Wer das Studium seines Nachwuchses finanzieren will, sollte früh daran denken. Auch Fazzi Indecks Sohn Max möchte bald studieren - doch wie soll die Familie Indecks das bezahlen? Und wie wirken sich die Kosten für den Filius auf Fazzies Ruhestandsplanung aus? Mehr Von Martin Hock

25.08.2016, 12:55 Uhr | Finanzen
Ohne Vorwarnung Mitten in Fußgängerzone reißt ein Loch auf

Das Video einer chinesischen Überwachungskamera zeigt, wie sich ohne Vorankündigung mitten in der Fußgängerzone in Lanzhou Stadt ein Loch auftut. Nach Angaben des chinesischen Staatsfernsehens sind zwei Personen hineingefallen und haben sich verletzt. Mehr

24.08.2016, 10:58 Uhr | Gesellschaft
Hessen Weniger Türken lassen sich einbürgern

Die Zahl der Einbürgerungen von Türken in Hessen sinkt überproportional. Dafür steigt das Interesse einer anderen Nationalität deutlich. Mehr Von Stefan Toepfer, Frankfurt

25.08.2016, 06:32 Uhr | Rhein-Main
Zwei Sprengsätze Explosion im Süden Thailands

Vor einem Hotel in der thailändischen Stadt Pattani sind zwei Sprengsätze explodiert. Dabei ist mindestens eine Person ums Leben gekommen, Dutzende wurden verletzt. Erst Anfang August hatte es eine Anschlagserie auf bei Touristen beliebte Ferienorte gegeben. Mehr

24.08.2016, 14:14 Uhr | Politik
Von Embolo bis Sanches Das sind die neuen Jungstars der Bundesliga

Nicht nur Dortmund holt in seinem 220-Millionen-Sommer spannende Spieler in die Bundesliga. Auch andere Klubs geben teils erstaunlich viel Geld aus für Jungstars. Bei einem kommt selbst der FC Bayern zu spät. Mehr

25.08.2016, 10:21 Uhr | Sport

Für den Steuerzahler

Von Kerstin Schwenn, Berlin

In Zeiten steigender Haushaltsüberschüsse sollte in Berlin das Bewusstsein dafür reifen, dass dieses Geld großenteils dem Steuerzahler gebührt. Die Leistungsträger haben das verdient. Mehr 1 0

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“