04.06.2008 · Lange war der Hummer ein Kultmodell und stand für die Vorliebe der Amerikaner für große Autos. Inzwischen hat sich der Geschmack in den Vereinigten Staaten radikal geändert: Spritschlucker sind zu Ladenhütern geworden. GM will die Konsequenz ziehen und sich von der Marke trennen.
Von Roland LindnerDer angeschlagene amerikanische Autohersteller General Motors (GM) Corp. hat einen radikalen Konzernumbau angekündigt, der mit weiteren massiven Einschnitten verbunden ist: General Motors sieht sich wegen der steigenden Benzinpreise gezwungen, seine Produktpalette stärker auf kleinere Autos mit niedrigerem Kraftstoffverbrauch auszurichten. Deshalb sollen vier Werke in Nordamerika geschlossen werden, die auf die Produktion großer Fahrzeuge wie sportlicher Geländewagen (SUV) und Transporter (Pick-up-Trucks) spezialisiert sind.
Daneben hat General Motors seine einst erfolgreiche Geländewagenmarke Hummer zum Verkauf gestellt. General Motors reagiert mit diesen Schritten auf ein zunehmend desolates Geschäft auf dem amerikanischen Heimatmarkt: Wie das Unternehmen am Dienstag meldete, sind die Absatzzahlen im Mai gegenüber dem Vorjahr um 28 Prozent eingebrochen.
Amerikaner meiden Benzinschlucker immer mehr
General Motors setzt mit der Ankündigung eine Serie von Sanierungsprogrammen fort: In den vergangenen drei Jahren hat sich das Unternehmen auf seinem Heimatmarkt von 34.000 Mitarbeitern getrennt und eine Reihe von Produktionsstätten geschlossen. Trotz dieser Einschnitte hat es General Motors bislang nicht geschafft, aus der Verlustzone herauszukommen. So gab es im ersten Quartal dieses Jahres einen Verlust von 3,3 Milliarden Dollar. Die Lage auf dem wichtigen Heimatmarkt hat sich zuletzt zugespitzt, weil Amerikaner immer mehr die großen Benzinschlucker zugunsten von kraftstoffsparenden Modellen vermeiden. Die großen Geländeautos und Transporter sind aber traditionell das wichtigste Geschäft von GM.
Vorstandsvorsitzender Rick Wagoner sagte nun am Dienstag anlässlich der Aktionärsversammlung in Wilmington (Delaware) in bislang nicht gekannter Deutlichkeit, dass er die derzeitige Marktentwicklung für einen dauerhaften Trend hält: „Die Verlagerung der Nachfrage ist nicht vorübergehend, sondern permanent.“ General Motors kündigte daher an, das Angebot an kleineren und kraftstoffsparenden Autos stark auszubauen. So habe der Verwaltungsrat nun endgültig grünes Licht für das Elektroauto Chevrolet Volt gegeben, das Ende 2010 auf den Markt kommen soll (siehe dazu auch: Rick Wagoner im Gespräch: Elektroauto von GM für „weniger als 30.000 Dollar“). Daneben ist ein weiteres Kompaktmodell für die Marke Chevrolet geplant.
Lange Zeit ein Kultmodell
Auf der anderen Seite will General Motors innerhalb der nächsten beiden Jahre die Produktion in vier Werken stilllegen, die bislang Großraumfahrzeuge produzieren. Besonders symbolträchtig ist die Entscheidung, die Marke Hummer zur Disposition zu stellen. General Motors hat die Marke Anfang des Jahrzehnts übernommen. Der Hummer ist ein sehr wuchtiger Geländewagen, er wurde in Anlehnung an ein Militärauto konzipiert. Das Auto war lange Zeit ein Kultmodell und galt als Symbol für die Vorliebe zu möglichst großen Fahrzeugen.
Mittlerweile hat sich das Bild aber wegen der hohen Benzinpreise völlig gewandelt: Im vergangenen Jahr brach der Absatz der Marke in den Vereinigten Staaten um 22 Prozent auf knapp 56.000 Stück ein. Für den gerade abgelaufenen Monat Mai meldete General Motors beim Hummer sogar ein Minus von 60 Prozent.