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Quelle Von wegen fair

01.07.2009 ·  Bestellen kann man den neuen Katalog des Versandhändlers Quelle auf seiner Internetseite noch nicht. Lange wird es aber nicht mehr dauern, denn Quelle hat seine Galgenfrist bekommen. Die Politiker betreiben damit Wettbewerbsverzerrung.

Von Carsten Knop
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Bestellen kann man den neuen Katalog des Versandhändlers Quelle auf seiner Internetseite noch nicht. Lange wird es aber nicht mehr dauern, denn Quelle hat seine Galgenfrist bekommen. Der Staat gibt Quelle bis zum Jahresende Luft zum Atmen, woran es nach dem Auftritt des bayrischen Ministerpräsidenten Seehofer bei Quelle in Fürth in der vergangenen Woche ohnehin keinen Zweifel gab.

Die Auseinandersetzungen zwischen den Politikern in München und Berlin dürften mehr Show als ernsthafter Streit gewesen sein, um die ordnungspolitisch plötzlich aufgewachten deutschen Wähler zu beruhigen. Mit dem Kredit gebe es, so die Sprachregelung der Politiker, eine „faire Chance“ für Quelle. An dieser Stelle gilt es innezuhalten.

Wettbewerbsverzerrung

Wo genau soll die Chance liegen? Quelle darf ein halbes Jahr länger beweisen, dass sein Geschäftsmodell auf dem deutschen Markt überholt und überflüssig ist. Es ist kaum zu erwarten, dass in sechs Monaten eine Wende gelingt, die in Jahren zuvor unmöglich schien. Und was ist am Vorgehen der Politiker fair? Die einstige Konzern-Schwestergesellschaft Neckermann muss aus eigener Kraft über die Runden kommen, was für alle anderen Versender ebenso gilt. Es handelt sich also um eine verlogene Worthülse.

Tatsächlich betreiben die Politiker eine unfaire Wettbewerbsverzerrung. Und die Liste ihrer Verfehlungen wird immer länger. Denn auch die Tatsache, dass der Quelle-Mutterkonzern Arcandor ohne staatliche Hilfszusage auskommen musste, bekommt vor dem Hintergrund der Zwischenfinanzierung von Quelle eine neue Qualität: Die erste und zwingendste Marktbereinigung durch die ordnungspolitisch eigentlich so begrüßenswerte Arcandor-Insolvenz ist damit zunächst verhindert worden.

Wie einst bei Cato ist die Wiederholung des immer Gleichen deshalb nicht ermüdend. Sie ist zwingend geboten. Alle, die verstanden haben, was die Wirtschaft in Deutschland groß gemacht hat, müssen in dieser Krise wieder und wieder darauf verweisen, dass abgewirtschaftete Unternehmen abgewickelt werden müssen. Gleichgültig, ob sie Opel, Arcandor, Quelle heißen oder früher Philipp Holzmann, Coop, Bremer Vulkan oder Deutsche Babcock. Aus den Trümmern entsteht Neues. Alles andere kostet Wachstum. Das Retten muss politisch immer schwieriger werden.

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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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