21.10.2009 · Das Versandhaus Quelle ist am Ende. Ein totes Geschäftsmodell und ein strategisch schlecht aufgestelltes Unternehmen kann auch der Staat nicht mehr retten. Den Winterkatalog kann sich nun Ministerpräsident Seehofer als Andenken an eine teure Fehlentscheidung ins Bücherregal stellen.
Von Carsten KnopDas Versandhaus Quelle ist am Ende. Das ist keine Überraschung: Ein totes Geschäftsmodell und ein strategisch schlecht aufgestelltes Unternehmen kann auch der Staat nicht mehr retten. Wer sich im Sommer bei Investmentbankern umgehört hat, bekam schon damals unisono zu hören, das deutsche Geschäft von Quelle sei unverkäuflich, nicht sanierungsfähig, also überflüssig. Um dieselbe Erkenntnis zu gewinnen, die man vor Wochen kostenlos am Telefon erlangen konnte, durfte der Insolvenzverwalter jetzt ein paar Monate mitverdienen, bis zuletzt Hoffnung verbreiten – um dann umso überraschender das für die Mitarbeiter schockierende Ende zu verkünden.
Davon sind in Deutschland unmittelbar 7000 Beschäftigte betroffen, mehrere hundert Arbeitsplätze bei Zulieferern und Dienstleistern bis hin zur Deutschen Post sind in Gefahr. Investoren wollten das Geschäft tatsächlich nicht kaufen, der Umsatz sank in atemberaubendem Tempo, und die Banken waren nicht mehr bereit, den laufenden Geschäftsbetrieb über die Abtretung von Kundenforderungen im Rahmen des sogenannten Factoring zu finanzieren. Quelle hat eine Tradition von 82 Jahren, aber keine Zukunft mehr. Die haben Manager des Mutterkonzerns Arcandor/Karstadt in Essen verspielt.
Dieser Realität wollten die bayerischen Landespolitiker vor der Bundestagswahl nicht ins Auge sehen. Nur in Berlin gab es in diesem Fall ein paar Mahner, die ausnahmsweise einmal nicht mit Staatsgeld um sich werfen wollten. Gleichwohl wurde schließlich doch ein Massekredit in Höhe von fünfzig Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um den Druck des Herbst/Winter-Katalogs zu ermöglichen (siehe Massekredit für Quelle unter Dach und Fach).
Den sollte sich nun Ministerpräsident Seehofer als Andenken an eine teure Fehlentscheidung ins Bücherregal stellen. Der Steuerzahler darf zwar hoffen, aus der verbliebenen Masse wenigstens einen Teil dieses Geldes zurückzuerhalten, doch wegen der vorrangigen Bedienung des Staatskredits bekommen die Kreditgeber, denen Quelle schon vorher Geld geschuldet hatte, vermutlich entsprechend weniger.
Wertvolle Zeit wurde vertan, die die bald arbeitslosen Mitarbeiter längst zum Aufbau neuer Beschäftigungsverhältnisse hätten nutzen können. Als Unternehmensretter hat der Staat wieder einmal versagt. Ob Opel die Ausnahme von dieser Regel wird?
Carsten Knop Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.
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