01.02.2012 · Dem früheren Chef der Royal Bank of Scotland, Fred Goodwin, ist seine Ritterehre aberkannt worden. Er hatte die Bank an den Rand des Ruins getrieben, sie musste mit 45 Milliarden Pfund vom Staat gerettet werden. Die Entehrung stößt aber auf Kritik.
Von Bettina Schulz und Johannes Leithäuser, LondonMit scharfer Kritik ist am Mittwoch von der britischen Privatwirtschaft auf die Entscheidung reagiert worden, dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Royal Bank of Scotland (RBS), Fred Goodwin, seinen Titel „Sir“ abzuerkennen.
Der britische Verband der Arbeitgeber, das Institute of Directors, warnte vor antiwirtschaftlicher Hysterie. „So etwas zu verfügen, nur weil man jemanden nicht mag oder man glaubt, er habe etwas falsch – und nicht etwa etwas illegales – gemacht, ist nicht richtig und politisiert das gesamte System“, sagte Simon Walker, der Vorsitzende des Arbeitsgeberverbandes.
Der ehemalige Vorsitzende des Britischen Industrieverbandes (CBI), Lord Digby Jones, sagte, die Entscheidung erinnere an „Lynchen durch den Mob auf dem Marktplatz“. Während sich Vertreter der politischen Parteien beeilten, gegenüber der Öffentlichkeit ihre Genugtuung zu äußern, sagte Sir Jackie Stewart, ein enger Freund von Goodwin: „Es war nicht eine einzelne Person oder eine einzelne Bank, die das Land in diese Rezession gestürzt hat.“ Goodwin werde als Sündenbock abgestempelt.
Die britische Regierung hatte mit dem Einverständnis von Königin Elisabeth II. dem ehemaligen Vorstandschef der Royal Bank of Scotland am Dienstag die Ritterwürde (knighthood) entzogen. Damit hat Goodwin den Anspruch verloren, den Titel „Sir“ vor dem Namen zu tragen.
Die Entscheidung fiel auf Vorschlag eines speziellen Kassationskomitees, das aus den Spitzen der britischen Ministerialbeamtenschaft besteht und das einmal jährlich Fälle der Entziehung von Ordenswürden begutachtet. Goodwin wurde von dem Gremium nicht gehört.
Die Würde wird in der Regel nur aberkannt, wenn eine Person wegen schwerer krimineller Delikte verurteilt worden ist, oder offiziell ihren Beruf nicht mehr ausüben darf. Goodwin war in einem Untersuchungsbericht der britischen Bankenaufsicht zwar scharf wegen seiner Managementfehler kritisiert worden. Aber Kriminalität oder selbst Fahrlässigkeit wurden ihm nicht nachgewiesen. Goodwin hatte die RBS mit einer verhängnisvollen Übernahme von ABN Amro und einer zu riskanten Geschäftspolitik an den Rand des Ruins getrieben. Die Bank musste mit 45 Milliarden Pfund vom Staat gerettet werden.
Den Ehrentitel hatte Goodwin 2004 erhalten – wegen seiner „besonderen Leistungen für die Finanz- und Bankenwelt“. Diese Würde wird heute von der britischen Regierung, die unter dem öffentlichem Druck steht, gegen die „Arroganz der Boni-Banker“ vorzugehen, als nicht mehr gerechtfertigt angesehen.
Während die Führung sowohl der Regierungskoalition als auch Labour-Oppositionsführer Miliband die Entehrung Goodwins guthießen, regte sich unter den Hinterbänklern beider Parteien Kritik. Der frühere Labour-Schatzkanzler Darling äußerte Missfallen über die „obskure“ Methode, mittels derer Goodwin seinen Titel verloren habe; der konservative Abgeordnete Field, zu dessen Wahlkreis die Londoner City gehört, sprach davon, das Ordens-Entziehungs-Komitee habe sich der Stimmung eines Straßenmobs unterworfen.
Obskur und sehr vorschnell!
Dietmar Kober (dikob)
- 02.02.2012, 19:42 Uhr
Entadeln?
Los Närgli (lma666)
- 02.02.2012, 11:46 Uhr
Mich hat der Bursche einen fünfstelligen Betrag gekostet
Walther Schmidt (silitoe)
- 01.02.2012, 21:42 Uhr
Ohne Konsequenzen funktioniert das System nicht
Andreas Müller (Skelzor)
- 01.02.2012, 19:51 Uhr
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