17.01.2012 · Früher setzte er sich für den Schutz von Aktionären an, nun steht er selbst wegen krimineller Börsengeschäfte vor Gericht: Ein ehemaliger Sprecher einer Anlegerschutzgemeinschaft hat Insiderhandel gestanden.
Von Henning Peitsmeier, MünchenFür so manchen Kleinaktionär endete der Börsengang des Biotech-Unternehmens Nascacell im Sommer 2006 in einem finanziellen Fiasko. Christoph Öfele, damals Nascacell-Aufsichtsratsvorsitzender, hat prächtig verdient. Denn Öfele wusste nur zu gut, dass die Aktien nicht dem Börsenwert entsprachen – und deshalb verkaufte er rechtzeitig. Gut fünfeinhalb Jahre später gibt er die Tat vor dem Landgericht München zu.
Die Vorsitzende Richterin Jutta Zeilinger stellt ihm eine Bewährungsstrafe von mindestens einem Jahr und neun Monate plus Geldbuße sowie eine Nebenstrafe von rund 220.000 Euro in Aussicht.
Ein zuvor ebenfalls geständiger Angeklagter, der in Börsenbriefen Informationen über Aktiengesellschaften verbreitet und auf eigene Rechnung gehandelt hatte, ist am Dienstag zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von knapp 5000 Euro verurteilt worden. Strafmildernd wirkte sich für ihn aus, dass er mit seinen Aktiengeschäften einen Verlust gemacht und zuvor zur Aufklärung der Affäre beigetragen hatte.
Es ist ein großer Prozess von organisiertem Aktienbetrug, der hier am Landgericht München verhandelt wird. Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft ist gespickt mit mutmaßlichen Fällen von Aktienzockereien, Börsenmanipulation und Betrug. Nascacell ist nur ein Beispiel von vielen. Mittendrin steckt offenbar auch die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), die eigentlich die Interessen von Kleinaktionären wahrnehmen will und sich nun von den Machenschaften der Beschuldigten distanzieren muss. Dennoch: Öfele war bis Ende 2010 SdK-Sprecher. Mit Markus Straub ist gar der ehemalige Vizechef der Aktionärsschützer angeklagt. Er sitzt zusammen mit dem vierten Beschuldigten Tobias Bosler seit 15 Monaten in Untersuchungshaft. Straub und Bosler wird in kommende Woche der Prozess gemacht, beide bestreiten die Vorwürfe.
Öfele räumt sie dagegen „vollinhaltlich“ ein, wie sein Verteidiger bereits eine Stunde nach Verhandlungsbeginn sagt. Die Staatsanwaltschaft wirft Öfele vor, beim Nascacell-Börsengang Insiderwissen ausgenutzt zu haben. Gemeinsam mit Straub und Bosler soll er 12,5 Millionen Euro Gewinn gemacht haben.
Lange vor dem Börsengang war Öfele günstig bei dem Biotechunternehmen eingestiegen. Später, als die Aktie in Börsenbriefen und Anlegermagazinen hochgejubelt, als von Partnerschaften mit „renommierten Kunden wie Sanofi-Aventis, Hoffmann-La Roche und Boehringer Ingelheim“ berichtet wurde, da wusste Öfele, dass die großen Pharmakonzerne lediglich Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben hatten. „Keines der Unternehmen stellte eine weitere Zusammenarbeit in der Zukunft in Aussicht“, heißt es in der Anklageschrift. Nach dem Börsengang stellt sich vieles als falsch heraus, die Nascacell-Aktie stürzt ab und die Finanzaufsicht Bafin erstattet Anzeige wegen Marktmanipulation.
Für die Staatsanwaltschaft steht fest, dass nicht nur das Unternehmen, sondern die gesamte Biotechbranche durch die Taten von Bosler, Straub und Öfele geschädigt wurde. Sie müssen nun mit Schadenersatzklagen rechnen.
Tolle Geschäftsidee
Peter Hoch (luxor)
- 17.01.2012, 13:55 Uhr
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