Home
http://www.faz.net/-gqe-6v6zb
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Proton Bank Ein Bankraub auf griechisch

Bei der kleinen griechischen Proton Bank ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Verdachts auf Geldwäsche und Veruntreuung von 700 Millionen Euro. Warum musste die Bank vom Staat gerettet werden?

© dpa Zentrale der griechischen Proton Bank in Athen

Die kleine Athener Proton Bank verkörpert die modernen Krankheiten Griechenlands. Denn die Athener Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Geldwäsche und Veruntreuung von 700 Millionen Euro gegen ihren Großaktionär und Präsidenten, Lavrentis Lavrentiadis, sowie gegen sechs weitere Mitgliedern des Vorstands.

Rainer Hermann Folgen:

Sie sollen die Bank auf moderne Art ausgeraubt und anschließend dem Staat zur Rettung überlassen haben. Dem blieb schließlich nichts anderes übrig als einzuspringen. Der griechische Finanzstabilisierungsfonds rettete am 10. Oktober 2011 die Proton Bank mit ihren 31 Filialen als erstes Finanzinstitut des Landes durch eine Verstaatlichung vor der Insolvenz. Dazu steckte er 900 Millionen Euro in die Bank.

Nicht die aktuelle Griechenlandkrise und marode Staatspapiere in den Büchern der Proton Bank haben den Fonds zum Eingreifen bewogen, sondern die Schieflage der Bank als Folge ihrer Geschäfte und Kredite an Unternehmen von Lavrentiadis sowie an Scheinfirmen im Ausland, etwa in Liechtenstein.

Das rettende Geld des Fonds stammt von der EU und dem Internationalen Währungsfonds. Lavrentiadis soll bis zum kommenden Dienstag zu den Vorwürfen Stellung beziehen. Bisher hat er sich uneinsichtig gezeigt und beteuert seine Unschuld. Gerettet aber ist die Bank. Der griechische Staat richtete eine gute und gesunde „neue Proton Bank“ ein, und er schrieb die nicht einzutreibenden Verbindlichkeiten ab.

Dass es bei der Bank nicht mit rechten Dingen zugeht, hätten die Verantwortlichen bereits beim Blick auf die Zinssätze erkennen müssen. So soll die Bank mit Zinsen von 9 Prozent Einlagen angelockt haben. Auf Kredite erhob sie aber lediglich Zinsen von wenigen Prozent - zumindest für die Kredite an die Firmengruppe des Herrn Lavrentiadis. Und die waren möglicherweise schon seit Beginn nicht auf eine Rückzahlung angelegt. In dieses Dunkel will nun die Staatsanwaltschaft Licht bringen, nachdem die Zentralbank bereits Vorermittlungen geleistet hat.

Lavrentiadis war in der Chemiebranche und durch den Waschmittelproduzenten Neochimiki reich und bekannt geworden. 2009 stieg er bei der Proton Bank ein. Die überwies von nun an Gelder an Firmen wie Alapis und Elfe, die Lavrentiadis zugerechnet werden. Aber auch Phantasienamen wie Gold Valley tauchen auf und von der Zentralbank als riskant eingeschätzte Kredite an neu gegründete Gesellschaften wie Cyprus Properties, zu denen keine ausreichenden Wirtschaftsdaten vorliegen. Der „Bankraub“ des Herrn Lavrentiadis schadet nicht nur der griechischen Finanzbranche, sondern noch mehr dem ohnehin lädierten Ansehen Griechenlands.

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Drittes Hilfspaket für Hellas Wieder ist der Steuerzahler der Retter

Warum soll das dritte Hilfspaket für Griechenland all die Probleme lösen, die zwei vorherige Milliardenspritzen nicht beheben konnten? Und wieso sollte gerade Alexis Tsipras wichtige Reformen durchpeitschen? Mehr Von Holger Steltzner

18.08.2015, 09:44 Uhr | Wirtschaft
Griechische Privatisierung Bevormundung oder Rettung?

Die Bedingungen für ein drittes Hilfspaket für Griechenland sehen den Aufbau eines Privatisierungsfonds vor. Um diesen Punkt wurde erbittert gerungen, denn die griechische Regierung sieht darin ein Instrument der Bevormundung. Griechenland soll Teile seines Staatsbesitzes verkaufen und mit dem Geld einen Fonds füllen, der als Sicherheit für Gläubiger und Banken dient. Mehr

22.07.2015, 11:18 Uhr | Wirtschaft
Drittes Hilfspaket für Hellas Wie viel Geld brauchen die griechischen Banken?

Für die großen griechischen Banken sind im neuen Hilfspaket bis zu 25 Milliarden Euro eingeplant. Doch wie groß ist ihr Kapitalbedarf wirklich? Und warum werden die Einlagen der Sparer nicht angetastet? Mehr

18.08.2015, 08:18 Uhr | Wirtschaft
Faule Kredite Eine tickende Zeitbombe im griechischen Bankensystem

Griechenlands Banken haben nicht nur ein Liquiditätsproblem: Viel dramatischer ist der Anteil der faulen Kredite in den Büchern: Bereits Ende 2014 wurden über 34 Prozent der Darlehen nicht mehr bedient. Inzwischen könnten es über die Hälfte sein. Mehr

30.07.2015, 11:19 Uhr | Politik
Hellas-Votum Worüber der Bundestag abgestimmt hat

Wie groß ist das neue Hilfspaket? Wohin fließt das Geld? Und wozu verpflichtet sich die Regierung in Athen? FAZ.NET erklärt die Vereinbarung zwischen Griechenland und seinen Gläubigern. Mehr Von Hendrik Kafsack

19.08.2015, 06:46 Uhr | Politik

Veröffentlicht: 18.11.2011, 14:52 Uhr

Mausetot im Deutsche-Bank-Prozess

Von Joachim Jahn

Im Strafprozess gegen ehemalige und amtierende Deutsche-Bank-Manager will die Staatsanwaltschaft eine ganze Armada weiterer Zeugen hören. Ist es das Zeichen, dass die Anklage schon mausetot ist? Mehr 1


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Gründer sorgen sich ums Geld

Was macht Menschen mit einer Unternehmensidee in Deutschland das größte Kopfzerbrechen? Die Finanzierung. Während sie vergangenes Jahr häufig auch den Fachkräftemangel anführten, treibt sie dieses Problem längst nicht mehr so stark um. Mehr 0