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ProSiebenSat.1 Rohner macht Platz für Saban-Vertrauten

23.03.2004 ·  Knapp ein Jahr nach der Übernahme von ProSiebenSat.1 hat Haim Saban auch den Chefposten mit einem eigenen Mann besetzt. Urs Rohner geht, der bisherige Chief Operating Officer Guillaume de Posch kommt.

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ProSiebenSat.1-Vorstandschef Urs Rohner wird den Fernsehkonzern zum 30. April 2004 auf eigenen Wunsch verlassen. Sein Nachfolger soll der bisherige Chief Operating Officer Guillaume de Posch werden. Das teilte das Unternehmen am Dienstag in München mit.

„Er hat den Ruf, die Ziele, die er vorgibt, auch klar umzusetzen", heißt es im Unternehmen über de Posch. Bei Analysten stieß dies zuletzt auf Wohlwollen, im Unternehmen weniger. „Intern hat man Respekt vor ihm, vielleicht sogar ein bißchen Furcht.“

Rohner hatte den Posten des Vorstandschefs, zunächst nur von ProSieben, im Februar 2000 übernommen. Im September 2003 war sein Vertrag vom Neueigentümer, dem amerikanischen Medienunternehmer Haim Saban, vorzeitig um zwei Jahre bis Ende 2006 verlängert worden. Saban begründete damals die Vertragsverlängerung damit, daß Rohner bei der weiteren Konsolidierung des Fernsehunternehmens uneingeschränktes Vertrauen genieße.

Saban stellte klar, was er jetzt von Posch erwartet. Er sei überzeugt davon, daß die Gruppe unter der neuen Führung noch stärker von ihren Vorteilen als Sendergruppe profitieren werde. „Die Aufstellung als echte Senderfamilie mit vier starken Marken, die zu hundert Prozent der Gruppe gehören, ist auf dem deutschen Markt und auch international beispiellos.“

Regisseure und Gewerkschaft skeptisch

Der Analyst Oliver Rupprecht von der Nord-LB sagte: „Rohner hat einen guten Job gemacht.“ Aber es sei verständlich, daß Saban einen Mann seines absoluten Vertrauens aus seinem eigenen Lager an der Spitze haben wolle. Die Börse reagierte positiv, der Kurs stieg. Dagegen befürchtet der Bundesverband der Filmregisseure, künftig werde es weniger Eigenproduktionen bei ProSiebenSat.1 geben und mehr amerikanische Filme und Serien. Und die Gewerkschaft Verdi befürchtet, der Konzern werde „noch amerikanischer, mit härterer Hand regiert. Was nicht sein muß, wird hinten runterfallen“, sagte Verdi-Medienexpertin Sandra Goldschmitt.

2003 Gewinn verdreifacht

„Das ist ein süß-saurer Tag für ProSiebenSat.1“, sagte Saban und zählte Erfolge auf. Unter Rohners Führung habe sich die ProSiebenSat.1-Gruppe in den vergangenen zwei Jahren trotz der Insolvenz der Kirch Gruppe und des schwierigen Marktumfelds erfolgreich im Wettbewerb behauptet und weiterhin schwarze Zahlen geschrieben, erklärte Saban damals.

Deutschlands größter TV-Konzern setzt im laufenden Jahr auf weitere Kostensenkungen, um seinen Gewinn trotz der anhaltenden Flaute auf dem Fernseh-Werbemarktes deutlich zu verbessern. 2003 hatte ProSiebenSat.1 mit Kostenreduzierungen, vor allem durch den Verzicht auf die Fußball-Bundesliga, seinen Gewinn auf 45 Millionen Euro verdreifacht. Der Umsatz fiel aber erneut um fünf Prozent auf 1,807 Milliarden Euro. Nach Marktanteilen konnte der Konzern die Sender der RTL-Gruppe auch 2003 nicht überholen.

Laut Pressemitteilung dankte Saban dem ausscheidenden Rohner für seine Arbeit. „Mit der Fusion von ProSieben und Sat.1 hat er in den vergangenen vier Jahren eine international einzigartige Senderfamilie geschaffen.“ Saban sagte, er bedaure Rohners Entscheidung, die Gruppe zu verlassen.

Zwei Cent Dividende

ProSieben will seinen Bilanzgewinn 2003 hauptsächlich in die Gewinnrücklage stellen und rund zwei Millionen Euro an die Vorzugsaktionäre ausschütten. Pro Vorzugsaktie solle eine Dividende von zwei Cent ausgezahlt werden, teilte das im MDax gelistete Unternehmen weiter mit. Von dem Bilanzgewinn in Höhe von 34 Millionen Euro gingen 16 Millionen Euro in die Gewinnrücklage, weitere 16 Millionen Euro sollten auf neue Rechnung vorgetragen werden. Im Vorjahr seien ebenfalls zwei Millionen Euro Gewinn ausgeschüttet worden.

Quelle: @tor, mit Material von AP, dpa, Reuters
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