Damit hatten die Verantwortlichen nicht gerechnet. Mit einem 0:3 ist Eintracht Frankfurt im DFB-Pokal gegen den Zweitligisten Erzgebirge Aue ausgeschieden. Das Aus ist nicht nur sportlich ein Dämpfer, sondern auch finanziell - ein Weiterkommen hätte dem Verein 250.000 Euro eingebracht. Geld, das die Eintracht gerne mitgenommen hätte. Schließlich hatte sie nach dem Abstieg im vergangenen Jahr alles auf eine Karte gesetzt: auf den direkten Wiederaufstieg in die erste Fußball-Bundesliga, die an diesem Freitag beginnt. Der Plan ist aufgegangen, doch er hat auch seinen Preis. Die Rückkehr in die Erstklassigkeit hat die Eintracht rund 11 Millionen Euro gekostet.
Jedes Jahr in der zweiten Liga reduziert die finanzielle Substanz
Von rund 16 Millionen Euro ist das Eigenkapital von Eintracht Frankfurt in der vergangenen Zweitligasaison auf 5 Millionen Euro geschmolzen. Doch auch wenn der direkte Wiederaufstieg ein finanzieller Kraftakt war: Die Vereinsführung hat nie an ihrer Strategie gezweifelt. „Mit jedem Jahr in der zweiten Liga verlieren wir an finanzieller Substanz“, sagt der neue Finanzchef Axel Hellmann. „Der drohenden Spirale nach unten haben wir uns deshalb mit aller Macht entgegengeworfen.“ Hellmann, der zuvor Vizepräsident und Geschäftsführer des Muttervereins Eintracht war, trägt an diesem heißen Augusttag die Farben seines Vereins: schwarze Anzughose, weißes Hemd, rote Krawatte. Hinter ihm hängen Bilder des Frankfurter Stadions. Als Verein müsse man sich genau überlegen, wie weit man für einen Aufstieg ins Risiko gehen wolle, sagt Hellmann. „Für uns war klar, dass wir das alles aus eigenen Mitteln stemmen - und uns nicht verschulden.“
Vor der Frage, wie weit sie finanziell ins Risiko gehen sollen, stehen alle Vereine, die - wie die Eintracht - öfter die Klasse wechseln. Auch Nürnberg, Arminia Bielefeld und der VfL Bochum pendeln zwischen den Ligen und werden wegen ihrer häufigen Auf- und Abstiege auch als „Fahrstuhlmannschaften“ bezeichnet. Der VfL Bochum ließ sich 2006 sogar T-Shirts mit der Aufschrift „Rekordwiederaufsteiger“ drucken. Manager solcher Mannschaften blicken oft neidvoll nach Wolfsburg, Hoffenheim oder Leverkusen, wo starke Geldgeber auch dann ihre Taschen für die Vereine öffnen, wenn es sportlich mal nicht so läuft.
Zwei Welten zwischen Umsätzen der ersten und zweiten Liga
Vereine, die dieses Geld nicht haben und oft kurz vor Schluss noch nicht wissen, in welcher Liga sie in der nächsten Saison spielen, planen ihre Etats in der Regel zweigleisig: Spieler, Verwaltung, Stadion - die Verträge sehen in der Regel unterschiedlich hohe Gehälter und Mieten für die erste und die zweite Liga vor. Für Branchenexperten ist dieses zweigleisige Planen ein Muss. „Was die Umsätze angeht, sind das immer noch zwei Welten zwischen erster und zweiter Liga“, sagt Andreas Ullmann vom Kölner Beratungsunternehmen Sport und Markt. Das zeigt sich vor allem bei dem Fernsehgeld, das die Deutsche Fußball Liga (DFL) an die Vereine verteilt. Rund 80 Prozent des TV-Gelds geht an die Erstligaklubs, sie erhalten zwischen 13 und 26 Millionen Euro. Die Zweitliga-Vereine bekommen zwischen 4 und 8 Millionen Euro.
Aber nicht nur die TV-Erlöse brechen bei einem Abstieg in die zweite Liga ein. Auch die Sponsoringeinnahmen sinken im Durchschnitt um 40 Prozent, hat Sport und Markt berechnet. Die Zuschauerzahlen gehen um 20 Prozent zurück, die Ticketeinnahmen um 12 Prozent. Nach dem Bundesligareport der DFL haben die Vereine der ersten Liga in der Saison 2010/2011 einen Umsatz von 1,94 Milliarden Euro und einen Gewinn von 52,5 Millionen Euro erwirtschaftet. Die zweite Liga verbuchte einen Umsatz von nur 358 Millionen Euro und machte einen Verlust von 18,9 Millionen Euro. Bei diesen Zahlen ist jedoch zu berücksichtigen, dass in der ersten Liga Topklubs wie Bayern München und Borussia Dortmund einen Großteil der Einnahmen beisteuern.
FSV Mainz05: 50 Prozent weniger Gehalt nach Abstieg
Die Einnahmenunterschiede zwischen erster und zweiter Liga sind damit zwar deutlich - für die Vereine aber gut zu kalkulieren. Das größere Problem sind aus ihrer Sicht die Kosten, die sich nicht immer so einfach in gleichem Maße senken lassen wie die Einnahmen. Der FSV Mainz05 hat deshalb mit seinen Spielern Verträge geschlossen, in denen das Gehalt stark von der Liga abhängt, in der der Verein spielt. „Unsere Spieler müssen in der zweiten Liga Einbußen von bis zu 50 Prozent hinnehmen“, sagt Manager Christian Heidel. „Alles andere könnten wir nie stemmen.“ Mainz gilt vielen Zweitligaklubs, die ebenfalls in die Phalanx der Erstligavereine aufsteigen wollen, als Vorbild. Zwar kann der Verein mit einem Etat von 50 Millionen Euro plus den Transfererlösen wirtschaftlich mit Klubs wie Bayern München, Dortmund oder Schalke nicht mithalten. Er gilt aber als einer der Vereine, die am besten wirtschaften.
Das zeigt auch das neue Stadion. Der Neubau der Multifunktionsarena kostete 54 Millionen Euro, davon trägt der Verein 49 Millionen Euro. Ein kommunales Darlehen von 32,5 Millionen Euro zahlt er über die Pacht an die Grundstücksverwaltungsgesellschaft der Stadt Mainz zurück. Die Höhe der Pacht und die Dauer der Rückzahlung variieren jedoch, je nachdem in welcher Liga Mainz spielt. Irgendwann gehört das Stadion dem Verein. Von den Einnahmen aus Messen, Tagungen und Bandenwerbung profitiert er schon jetzt. „Im Fußball hat man nur eine Zukunft, wenn man auch über ein modernes Stadion verfügt“, sagt Heidel.
Eintracht plant bescheiden: Klassenerhalt statt finanzielles Polster
Das weiß man auch in Frankfurt. Zurückgelehnt in seinem Stuhl blickt Finanzchef Hellmann durch das Fenster seines Büros auf die Haupttribüne des Stadions, auf die Logen und die hochpreisigen „Business Seats“. Nur zu gerne würde er all das selbst vermarkten und die Einnahmen - wie die Konkurrenz aus Mainz - komplett kassieren. Doch dafür fehlen der Eintracht die Kapazitäten. Zwischen 15 und 20 Prozent Provision bezahlt sie deshalb für die Vermarktung. Weil die Eintracht das Stadion zudem von der städtischen Betreibergesellschaft mietet, kommen für den Betrieb noch einmal rund 8 Millionen Euro für 17 Heimspiele dazu.
Daran wird sich so schnell wohl nichts ändern. Zu groß ist das finanzielle Risiko, und zu abschreckend sind die Beispiele aus Aachen und Bielefeld, die sich mit ihren Stadien finanziell übernommen haben und bis in die dritte Liga abgerutscht sind. Die Eintracht plant deshalb erstmal mit bescheideneren Zielen. Für die kommende Saison ist das der Klassenerhalt.
Trotz der Euro-Schuldenkrise hat sich die wirtschaftliche Lage des Profifußballs weiter verbessert. Das hat eine Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst & Young unter 50 Managern der drei ersten Fußballligen ergeben. In der Umfrage gaben 57 Prozent der Vereine aus der ersten und zweiten Liga an, dass sie in der abgelaufenen Saison einen Gewinn erzielt hätten. Jeder fünfte Klub schrieb rote Zahlen. In der ersten Bundesliga erwirtschaftete jeder zweite Verein sogar einen hohen Gewinn.
Die kommende Saison wird nach Meinung der Mehrheit der Befragten noch besser verlaufen. Ein Jahr vor Inkrafttreten des neues Rekord-Medienvertrags erwarten sie Mehreinnahmen von 7 Prozent, bei Ausgabensteigerungen von 7 Prozent.
Die Mehreinnahmen wollen 73 Prozent der Vereine in die Tilgung ihrer Schulden stecken. Vor vier Jahren war dazu lediglich ein Drittel bereit. Auch in den Spielerkader wollen die Vereine investieren.
Um weitere Umsätze zu erzielen, plant jeder vierte Zweitligaklub und sogar jeder dritte Klub der dritten Liga einen Stadionneubau – vor allem, um mit VIP-Bereichen höhere Einnahmen zu erzielen.
Keine gesunde Entwicklung.
Engelbert Kühlwetter (wallibelli)
- 24.08.2012, 03:13 Uhr
Wenn die Vereinsführungen von Frankfurt, Hertha und Köln nicht
so selbstherrlich agiert hätten ...
Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 23.08.2012, 23:16 Uhr