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Profi-Datenlöscherin im Gespräch „Jeder kann im Internet verleumdet werden“

16.11.2009 ·  Susanne Wilberg hilft Internetnutzern mit dem Dienst „Dein guter Ruf“, ihr Online-Image zu pflegen. Die Profi-Datenlöscherin spricht im Interview über anzügliche Fotos, gefälschte Profile und Strategien, mit denen man seinen Ruf im Netz poliert.

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Susanne Wilberg hilft Internetnutzern mit dem Dienst „Dein guter Ruf“, ihr Online-Image zu pflegen. Die Profi-Datenlöscherin spricht im Interview über anzügliche Fotos, gefälschte Profile und Strategien, mit denen man seinen Ruf im Netz poliert.

Frau Wilberg, Sie helfen Computernutzern, Daten im Internet zu tilgen. Wie verzweifelt muss man sein, um sich an Sie zu wenden?

Verzweifelt sind die wenigsten, aber viele ärgern sich: Ein Eintrag im Internet ist schnell gemacht, und schon sind meine Daten öffentlich für alle: Name, Adresse, Telefonnummer, Amazon-Wunschzettel, Hobbys, Arbeitgeber, Urlaubszeiten, Beziehungsstatus - wenn jemand aktiv im Netz ist und wenig Vorsicht walten lässt, kann man ein Komplettprofil erstellen.

Es sei denn, Sie löschen das. Was für Leute bitten Sie um Hilfe?

Wir merken, dass das Interesse an unserem Dienst „Dein guter Ruf“ wächst: Vor zwei Jahren fragten viele: Wie sucht und löscht man Einträge über die eigene Person? Jetzt fragen sie: Was kann ich tun, um ein besseres Image zu bekommen?

Haben Sie sich das auch gefragt, oder wie kam die Idee zur Firma?

Das kam nicht aus eigenem Antrieb, aber mein Geschäftspartner Martin Lux hatte einen Fall im Bekanntenkreis. Ein Jugendlicher hatte etwas ins Netz geschrieben, das nicht sehr günstig für ihn war. Er hat ihm damals empfohlen, den Websitebetreiber zu kontaktieren und um die Entfernung zu bitten. Danach hat er recherchiert, dass es eine Firma, die so etwas professionell macht, noch nicht gab.

Heute gibt es eine Menge davon. Helfen Ihnen die jüngsten Datenskandale?

Könnte sein. Die Konkurrenz wächst und belebt das Geschäft. Das zeigt, dass die Sensibilität für das Thema wächst.

Wie sensibel sind denn die Websitebetreiber - und wie kooperativ?

Wir haben sehr positive Erfahrungen gemacht. Man muss natürlich gute Argumente haben, warum man etwas löschen möchte. Aber in der Regel kooperieren sie.

Dann brauchen wir ja Ihre Firma gar nicht.

Doch, so einfach ist es ja nicht immer. Die Probleme der Nutzer sind so vielfältig wie das Internet. Insgesamt liegt unsere Erfolgsquote aber bei 85 bis 90 Prozent.

Welche Daten wollen Nutzer am häufigsten gelöscht haben?

Das reicht von selbstverfassten Einträgen in Foren, in denen man sich über seine Drogenvergangenheit unterhalten hat oder über Krankheiten wie Depressionen, bis zu Einträgen über den Job.

Muss man da nicht sagen: Das gehört eben nicht ins Netz? Man muss doch damit rechnen, dass das gefunden wird.

Manche Einträge sind schon so alt, da konnte man gar nicht absehen, dass sie so lange aktiv bleiben. Dann gibt es Berichte, die von anderen eingestellt werden. Und es gibt Fake-Blogs oder Fake-Profile.

Wie oft kommt denn so was vor, dass jemand im Namen eines anderen ein falsches Profil erstellt?

Das kommt in letzter Zeit häufig vor. Wir sahen das anfangs nur vereinzelt, aber es nimmt stark zu, vor allem mit anzüglichen Fotos.

Und wer macht so etwas?

Die Profile werden anonym eingestellt, und die Websitebetreiber geben die Namen der Benutzer auch meist nicht heraus, das ist ein Problem. In Amerika gab es gerade ein Urteil: Ein Fotomodel wurde in einem Blog als Nutte beschimpft. Sie wollte die Einträge getilgt haben, wandte sich an Google und wollte wissen, von wem die Seite stammt. Das wollte Google aber nicht herausrücken. Sie musste erst ein Gerichtsurteil erwirken. So geht es oft: Die Sitebetreiber wollen keine Identitäten preisgeben, und die Geschädigten haben einen Verdacht, können ihn aber nicht beweisen.

Können Sie da helfen?

Nein, das gehört nicht zu unseren Aufgaben. Wir können aber sagen: Dieses Profil hat unsere Kundin nicht erstellt, das müsst ihr herausnehmen.

Aber es gilt doch die Impressumspflicht. Websitebetreiber müssen ihren Namen angeben.

Das gilt für deutsche Seiten. Aber die meisten Blogs basieren auf einer kostenlosen Software, die im Netz zur Verfügung gestellt wird und nicht in Deutschland, sondern auf ausländischen Servern gehostet wird.

Wie weise ich nach, dass ich ein Profil nicht erstellt habe?

Meist reicht eine schriftliche Bestätigung und eidesstattliche Erklärung von dem Kunden oder der Kundin, meist sind es Frauen.

Es sind öfter Frauen, deren Ruf im Internet geschädigt wird?

Ja, keine Ahnung, warum. Aber es ist auffällig, dass meistens von Frauen solche Profile erscheinen, oft mit anzüglichen Fotos.

Dann sind es geprellte Liebhaber, oder woher sollen die anzüglichen Fotos sonst stammen?

Das nehme ich auch an. Manchmal sind es auch Fotomontagen, die wir finden.

Was löschen Sie noch alles?

Oft sind es Fotos und Videos, die jemand selber eingestellt hat, aber nach ein paar Jahren tilgen möchte. Wir haben auch traurige Fälle, den einer jüdischen Künstlerin, die von Neonazis traktiert wurde und alles von sich aus dem Netz hat entfernen lassen, weil sie Angst hatte. Oder Selbständige, die ihr früheres Arbeitsleben löschen wollen.

Waschen Sie jede Weste rein?

Nein, wir sind auch keine Detektive, die prüfen können: Stimmt diese Aussage? Wenn jemand in zehn Portalen als Betrüger bezeichnet wird, können wir nicht entscheiden: Ist das Verleumdung, oder ist er ein Betrüger? Solche Aufträge lehnen wir ab. Aber dass vereinzelt Böses geschrieben wird, kann jedem von uns passieren. Da helfen wir beim Personal Branding.

. . . also bei der persönlichen Markenpflege. Wie bewusst ist Leuten, dass sie die betreiben müssen?

Vielen ist bewusst, dass es zig Daten über uns im Netz gibt, und sie wissen: Die Daten zu kontrollieren ist Pflicht. Die Kür ist dann: Man kann auch den Spieß umdrehen - jeder bestimmt selbst, was im Netz über ihn sichtbar ist, und kann dafür sorgen, dass nur Positives ganz vorn in Suchmaschinen auftaucht.

Und wie geht das?

Wir fragen den Kunden zuerst: Was ist dein Ziel? Manche haben viele Negativeinträge, die sie nicht aus dem Netz bekommen, weil sie zum Beispiel presserechtlich relevant sind. Denen raten wir, sich zum Beispiel selber ein Blog zuzulegen. Das taucht in Suchmaschinen weit vorne auf, so können sie positive Inhalte setzen. Andere wollen vielleicht ihre Firma in den Vordergrund bringen, aber nicht ihre Person. Und wenn jemand sich für einen neuen Job empfehlen möchte, raten wir ihm, gezielt in Fachforen mitzudiskutieren.

So wird Reputationsmanagement zum Vollzeitjob.

Es kann ja jeden Tag wieder jemand Falsches über uns schreiben. Aber dafür gibt es Firmen wie uns, die vom einmaligen Reputationsreport bis zum Rundum-sorglos-Paket im Abo alles bieten.

Aber wer hilft bei den jüngsten Datenskandalen? Wenn meine Kontonummer einmal im Umlauf ist, dann ist sie doch weg.

Ja, da können auch wir leider nicht viel machen. Aber das ist nicht unser Job, das ist eine Sache des Datenschutzes, kein Reputationsmanagement.

Das Gespräch führte Nadine Oberhuber

Quelle: F.A.S.
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