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Produktneuheiten Durchbruch für UMTS und Abschied vom Pantoffelkino

10.03.2004 ·  Die Videokonferenz per Handy abhalten oder das abendliche Fernsehprogramm selbst gestalten. Die neuen Produkte der rund 6000 Cebit-Aussteller machen dies möglich. Doch das ist nicht alles. Die wichtigsten Neuheiten und Entwicklungen der Cebit 2004.

Von Michael Spehr
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Vom 18. bis zum 24. März steht Hannover wieder im Zeichen der Cebit. Die größte Computer- und Telekommunikationsmesse öffnet ihre Pforten. Mehr als 6000 Aussteller zeigen Neuheiten auf einer Fläche von 300.000 Quadratmeter. In diesem Jahr ist alles digital und multimedial. Eine Vorschau auf die technischen Schmuckstücke und die wichtigsten Entwicklungen der Cebit.

Diese Cebit ist UMTS und kein anderer Hersteller hat mehr UMTS als Motorola. Die dritte Generation des Mobilfunks löst in den kommenden Jahren den bewährten GSM-Standard ab. An der Sprachtelefonie ändert sich nur wenig, die Daten hingegen rauschen künftig mit einem bislang nicht gekannten Tempo durch die Luft. In der Praxis ist UMTS ungefähr halb so schnell wie DSL im Festnetz, bis zu 384 Kilobit in der Sekunde.

Von UMTS über Alleskönner bis hin zu Fun und Fotografie

Motorola zeigt auf der Cebit bereits die zweite Generation von UMTS-Handys. Etwa das A1000 und das E1000. Beide sind fürs Telefonieren viel zu schade. Die amerikanischen Geräte haben eine Digitalkamera mit 1,3 Megapixel eingebaut und eignen sich für Videokonferenzen. Das A1000 ist zugleich ein vollwertiger Organizer für die Verwaltung von Adressen und Terminen. Mit ihm können Word-, Excel-, Powerpoint- und PDF-Dokumente geöffnet werden, als würde man im Büro sitzen, verspricht Motorola.

Ohne UMTS muß der neue Communicator 9500 von Nokia auskommen. Dafür bietet dieser Alleskönner Wireless-Lan, das konkurrierende Funkprotokoll aus der Computertechnik. Mit einem Speicher von 80 Megabyte, Bluetooth, VGA-Kamera und GPRS ist die kleine Schreibmaschine für unterwegs bestens ausgestattet. Nicht das Handy ist wichtig, sondern die PTT-Taste. Nokia, Siemens und Motorola zeigen auf der Cebit einen ganz neuen Dienst für Mobiltelefone, der in Amerika schon ein alter Hut ist: PTT heißt Push To Talk und steht für Telefonieren wie mit dem Walkie-Talkie. Einfach einen Knopf drücken, schon hören die Freunde auf einer persönlichen „Buddy-Liste“, was man zu sagen hat. Neben Gruppengesprächen gibt es auch dezente Plaudereien zu zweit. PTT-Gespräche werden besonders günstig, weil sie über eine Datenverbindung laufen. Noch in diesem Jahr kommen die ersten Geräte. Nur müssen die Netzbetreiber PTT in ihr Portfolio aufnehmen.

Die Experten sind verblüfft: Sony Ericsson zeigt keine neuen UMTS-Telefone. Das japanisch-schwedische Gemeinschaftsunternehmen setzt statt dessen auf Fun und Fotografie: Das neue S700 öffnet seine Front mit einem Drehmechanismus. Das kennt man schon vom Motorola V80. Indes hat das Triband-Gerät ein riesiges Farbdisplay und eine 1,3 Megapixel-Kamera mit an Bord. Die Fotos landen im großen eingebauten Speicher (32 Megabyte) oder auf einem Memorystick. Zu Weihnachten kommt das schöne Stück in den Handel. Wer nicht so lange warten will, sollte sich das K700 ansehen. Es hat zwar nur eine VGA-Kamera und keinen wechselbaren Speicher, ist aber ein attraktiver Nachfolger des T610 und T630. Neu sind hier ein MP3-Spieler und ein Radio.

Acht Millionen Pixel und Innovation aus Asien

Die Digitalfotografie erobert die deutschen Haushalte. Während die großen Kamerahersteller im vergangenen Jahr in Hannover prächtig Hof hielten, ist 2004 ein Sparprogramm angesagt. Canon, Hewlett Packard und Epson haben diesmal keinen eigenen Stand auf der Messe und sind Aussteller beim "Arbeitskreis digitale Fotografie" (Halle 1). Nikon zeigt Flagge und seine beiden interessantesten Neuerscheinungen: Die Coolpix 8700 mit acht Millionen Pixel und die besonders günstige digitale Spiegelreflexkamera D70, die eine Konkurrenz für das Canon-Erfolgsmodell EOS 300D werden soll. Bei den Kompaktkameras werden acht Millionen Pixel selbstverständlich: Olympus präsentiert auf der Messe die C-8080 Wide Zoom und Canon die Powershot Pro 1. Kaum ist die A1 ein Erfolg, steht bei Minolta schon der Nachfolger. Auch die Dimage A2 schmückt sich mit 8 Millionen Pixel.

Die Koreaner kommen: Bislang galten asiatische Handys als langweilig und wenig inspirierend. Nun fordern Unternehmen wie Samsung die europäischen Hersteller heraus: technische Innovationen, exzellente Verarbeitung und ein hochwertiges Design kennzeichnen das Samsung SGH-D410 mit Schiebemechanismus. Das gestochen scharfe Display hat 260.000 Farben. Die Konkurrenz bescheidet sich derweil noch mit 65.000 oder gar nur 4000 Farben. Die eingebaute VGA-Kamera ist schwenkbar und der 10 Megabyte große Speicher bietet Platz für Fotos und kleine Videoaufnahmen. Das SGH-i700 ist das erste Samsung-Smartphone mit Microsoft-Betriebssystem, Internet Explorer und SD-Speicherkarte für viele Daten. Auch UMTS-Geräte darf man von den Asiaten erwarten.

Fernsehprogramm selbst bestimmen

Digitales Fernsehen, Heimkino und DVD-Recorder: Die Unterhaltungselektronik ist auf der Cebit immer stärker vertreten. In diesem Jahr steht der Abschied vom Pantoffelkino im Vordergrund: Digitaler Empfang via Antenne und Satellit wird selbstverständlich. Das Programm landet bei modernen Receivern auf einer Festplatte, wo es verlustfrei gespeichert. Zeitversetzt fernsehen, lästige Werbung überspringen oder das Programm einfach „anhalten“, wenn das Telefon klingelt: Das alles sind keine hochtrabenden Visionen, sondern Produkte aus der Gegenwart. Fujitsu Siemens präsentiert sein Activy Media Center: einen Festplatten-Recorder, der Filme aus dem Internet (T-Online Vision) aufnehmen kann. Das Unternehmen Fast präsentiert mit seiner SE-Reihe Festplatten-Recorder für den Kabelanschluß, die bis zu 300 Stunden Film aufnehmen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Jahrgang 1964, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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