16.09.2006 · Bademäntel, Betten, Stühle: Deutsche Unternehmen entdecken die schweren Kunden - und sind damit dick im Geschäft. In den Vereinigten Staaten gibt es schon seit Jahren eine rege Nachfrage. Hier können Dicke auch Beinheber und Sockenanzieher kaufen.
Von Stefanie ZengWilfried Bocks Lieblingsgeschichte ist die von dem Stuhlmörder. So wurde ein Orchestermusiker von seinen Kollegen genannt, der regelmäßig alle Stühle zerlegte, weil er so schwer war. Der Möbelmacher erzählt auch gern von der Frau, die zwei Stühle zusammenband und dann „auf jedem Stuhl mit einer Backe“ saß. Diesen Menschen hilft Bock. Er fertigt Bürostühle. Nicht für jedermann, sondern für Menschen, die zuviel wiegen, um auf normalen Stühlen zu sitzen. Seine Stühle können bis zu 350 Kilogramm aushalten, das hat er getestet. Je nach Auftragslage stellt Bock zwischen 30 und 50 Stück pro Jahr her. Ab 1.200 Euro sind sie zu haben.
Wer viel wiegt, zahlt viel. Mit der steigenden Zahl der Dicken erblüht eine Landschaft an Unternehmen, die Produkte für die schwere Zielgruppe fertigt. Es ist ein Geschäft für Massige, aber kein Massengeschäft. Die neuen Anbieter leben von teuren Sonderanfertigungen und Kleinserien. Im Online-Shop von XXL-Spectrum gibt es XXL-Kleiderbügel, die mehr als fünfzig Zentimeter breit sind, und Handtücher, die mit zwei Meter Länge auch um beleibtere Körper geschlungen werden können. Das Unternehmen führt Bademäntel bis zu einer Größe von 10XL, das entspricht einem Bauchumfang von 2,34 Metern - weit entfernt von den 60 Zentimetern der Model-Idealtaille.
Waage für extreme Belastungen
Dick im Übergrößengeschäft ist auch die Firma Ahorn Sportswear in Alzey. Dort können Dicke Hosen kaufen, die innen keine Nähte haben, so daß sie sich beim Sporttreiben nicht wund laufen. Auch die gibt es bis zur Größe XXXXXXXXXXL. Der Waagenhersteller Soehnle will demnächst eine Waage auf den Markt bringen, die bis zu 200 Kilo wiegen kann. Außerdem soll sie ein abnehmbares Display haben, damit der Bauch beim Blick auf die Anzeige nicht mehr im Weg ist.
Am umfangreichsten rüstet man in der Medizin auf. Uwe Gabler von der Firma Sizewise vermietet Krankenhausbetten, die bis zu 500 Kilogramm tragen. „Die Nachfrage ist da“, betont Gabler. Derzeit seien alle Betten vermietet. Auch Operationstische gibt es für die neuen Gewichtsklassen. Der Hersteller Maquet produziert gerade zwei neue Modelle, die bis zu 360 Kilogramm aushalten.
Die Vereinigten Staaten sind Vorreiter
Immer mehr Städte leisten sich außerdem Spezialfahrzeuge, um Menschen ins Krankenhaus transportieren zu können, die mehr als drei Zentner wiegen. Die Fahrzeuge können mit 730 Kilogramm belastet werden und haben Seilwinden, weil den Helfern nicht zuzumuten ist, solche Massen allein zu heben. Die Rettungsliege, normalerweise 55 Zentimeter breit, hat im Schwerlasttransporter 75 Zentimeter Breite. Viel ausladender kann sie auch nicht mehr werden, schließlich muß sie noch durch die Wohnungstür passen.
Vorreiter in Sachen XXL-Produkte sind die Vereinigten Staaten, wo das Angebot schon viel größer ist wie auch die Nachfrage. Dort verkauft die Firma Amplestuff Produkte wie den Beinheber; das ist ein Kunststoffseil mit einer Schlaufe, mit der ein Übergewichtiger sein Bein ins Auto hieven kann. Oder einen Sockenanzieher. Der macht es möglich, Strümpfe einhändig und ohne umständliches Bücken anzuziehen. Bei den Personenwaagen kann das stabilste Modell bis zu 450 Kilogramm aushalten. Für die bequeme letzte Ruhestätte sorgt das Unternehmen Goliath Casket im Bundesstaat Indiana. Es stellt Riesensärge mit Breiten bis zu 1,30 Meter her. In Deutschland noch eine Marktlücke.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
Anonym bewerben? Ist das gut?