14.12.2006 · Strategische Investoren übernehmen Pro Sieben Sat.1 - und alle klatschen Beifall. Auf den ersten Blick verwunderlich, aber gar nicht so unsinnig: Im Vergleich zu den alternativen Käuferkandidaten sind die „Heuschrecken“ noch das kleinere Übel. Ein Kommentar von Michael Hanfeld.
München ist der Nabel der Medienwelt. Denn in der bayerischen Landeshauptstadt entsteht nicht nur Deutschlands größter Fernsehkonzern, sondern „eine Sendergruppe, die von Skandinavien bis Osteuropa“ reicht.
Das teilte kurioserweise nicht einer der Finanzinvestoren mit, welche die Sender Pro Sieben Sat.1 nun für rund drei Milliarden Euro gekauft haben, auch nicht der sich über großen Gewinn freuende Verkäufer, der amerikanische Medienunternehmer Saban, sondern - der bayerische Ministerpräsident Stoiber.
Paneuropäisches Medienreich
Für ihn, für den Freistaat, für die betroffenen Kanäle und vielleicht auch für das deutsche Rundfunksystem hätte der Verkauf der größten deutschen Privatsendergruppe nicht besser laufen können. Die Käufer von Permira und KKR sind offenbar die Wunschkandidaten aller - eine erstaunliche Entwicklung, haben Finanzinvestoren wie diese hierzulande doch bisweilen mit ihrem Ruf ziemlich zu kämpfen. Ein paneuropäisches Medienreich entsteht, und alle applaudieren.
Die Erleichterung auf allen Seiten ist sogar verständlich. Hätte der Springer-Verlag die Sender vor einem Jahr bekommen, wäre daraus ein Medienkonzern erwachsen, an dessen Macht kein Weg mehr vorbeigeführt hätte. Andere Investoren hätten die Sendergruppe vielleicht zerschlagen, und was aus ihnen unter der Hoheit des türkischen Dogan-Konzerns geworden wäre, der wiederum mit Springer verbunden ist und zuletzt Burda mit ins Boot holen wollte, weiß man nicht.
Medienbesitz ist mit Macht verbunden
Die Furcht vor einer Machtballung oder einer Fremdbestimmung maßgeblicher Mediengruppen ist nicht unbegründet. Medienbesitz ist mit Macht verbunden, und wo das in der Demokratie hinführen kann, sieht man an den Beispielen Berlusconi und Murdoch. Insofern sind Investoren, denen es zuvörderst um den Profit geht, das kleinere Übel, auch wenn sie Konzerne schmieden, deren Spielraum weit über Staatengrenzen hinausreicht.
Doch gilt das nur so lange, wie sie sich der kreativen Bedeutung und vor allem auch der gesellschaftlichen Verantwortung ihres Geschäfts bewußt sind. Solange sie also Programme ausstrahlen, die im Kern oder zumindest im Ansatz die hehren Ziele einer pluralistischen Meinungsbildung nicht ganz vermissen lassen, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk so gerne allein für sich reklamiert.
Völlig egal...
Martin Rostek (ksbodensee)
- 14.12.2006, 20:50 Uhr
alles eine systemfrage - und die zukunft
dirk bach (d_bach)
- 14.12.2006, 20:56 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.376,76 | −0,07% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2545 | +0,03% |
| Rohöl Brent Crude | 107,54 $ | +0,26% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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