24.11.2009 · Patrick Moore erschuf Greenpeace und attackiert heute seine ehemaligen Mitstreiter: Wir brauchen neue AKWs.
Von Patrick MooreDie zentrale Frage der Klima-Konferenz in Kopenhagen lautet: Wie können wir es schaffen, deutlich weniger fossile Brennstoffe zu verbrauchen als bisher? Heutzutage werden weltweit 85 Prozent der Energie aus fossilen Brennstoffen erzeugt - aus Kohle, Öl und Gas. Dieses Dreigespann liefert fast die gesamte Energie für Industrie, Transport und Stromerzeugung. Zugleich entstehen durch ihre Verbrennung rund 80 Prozent aller Kohlendioxid-Emissionen. Ihr Verbrauch muss verringert werden.
Momentan existieren bloß zwei alternative Technologien, die dafür in Frage kommen: Kernenergie und Wasserkraft. Mit beiden werden jeweils 15 Prozent der Weltstrommenge hergestellt, zusammen decken sie 12 Prozent des gesamten Energieverbrauchs. Alle anderen Alternativen machen weniger als ein Prozent am Stromangebot aus - auch Wind- und Sonnenenergie, die häufig als Ersatz für fossile Brennstoffe beworben werden. Sie sind jedoch ungeeignet. Denn es ist einfach nicht möglich, Fabriken, Hospitäler, Schulen und auch Wohnhäuser von einer Technologie abhängig zu machen, die drei oder vier Tage am Stück ausfallen kann. Wir brauchen eine Energiegrundversorgung "auf Abruf", und solange es nicht wesentlich bessere Energie-Speichermöglichkeiten gibt, sind Wind und Sonne eben kein Ersatz.
Einige Länder wie zum Beispiel Kanada, China, Brasilien oder Chile verfügen über ein großes, bisher ungenutztes Wasserkraft-Potential. Nur: Die Möglichkeit, Wasserkraft zu nutzen, hängt von der Niederschlagsmenge und der Topographie des entsprechenden Landes ab. Deshalb wird Dänemark, ganz egal wie stark es dort regnen mag, niemals ein großer Wasserkraftproduzent sein - dazu ist es zu flach. Viele Länder überdenken deshalb ihre Haltung zur Kernenergie. Auch die neue deutsche Regierung unter Kanzlerin Angela Merkel hat erkannt, dass Kernkraftwerke wichtig sind für die Energiesicherheit der Zukunft. Das ist ein sehr positiver Schritt.
Überall, wo es genügend Wasser zum Kühlen gibt
Kernenergie kann überall dort erzeugt werden, wo es genügend Wasser zum Kühlen gibt - an Meeresküsten, großen Seen und Flüssen. Für einen Zwillingsreaktor in Fresno, Kalifornien, steht sogar die Idee im Raum, ihn mit dem Abwasser der Stadt zu kühlen.
Für Länder wie Deutschland, die Vereinigten Staaten, Dänemark und Saudi-Arabien, die nicht über nennenswerte Wasserkraft-Potentiale verfügen, ist Kernkraft bei weitem die effektivste Möglichkeit, fossile Energieträger zu ersetzen. Heute kommen mehr als 25 Prozent des deutschen Stroms aus Kernkraftwerken. Wenn die nur 17 über das Land verteilten Atommeiler nicht wären, läge der Verbrauch von Kohle, Öl und Gas ganz erheblich höher.
Die Schweiz, Schweden und Frankreich setzen auf Kern- und Wasserkraft und sind in Westeuropa die Länder mit dem niedrigsten CO2-Ausstoß pro Kopf. Frankreich etwa deckt 79 Prozent seines Strombedarfs mit Kernkraft, Schweden 45 Prozent, die Schweiz 35 Prozent. Deutschland, Großbritannien und Dänemark emittieren pro Kopf anderthalb Mal so viel Kohlendioxid - was daran liegt, dass etwa Deutschland 60 Prozent seines Stroms aus fossilen Kraftstoffen gewinnt. Alleine mit 50 Kernkraftwerken könnte Deutschland 75 Prozent seines Strombedarfs decken, sogar wenn man einen stark steigenden Energieverbrauch unterstellt. Das Land brauchte dann weder Kohle noch russisches Gas. Und: Dieses Ziel wäre in den nächsten 50 Jahren erreichbar.
Kurios ist deshalb, dass häufig gerade jene Menschen Kernenergie ablehnen, die sich um den Klimawandel am meisten sorgen. Unter anderem schlug sich das schon in den Verhandlungen zum Kyoto-Protokoll nieder, in dem Kernenergie ausdrücklich ausgeschlossen wurde aus dem sogenannten Clean Development Mechanism (das ist der Teil des Abkommens, der Industrieländer dazu berechtigt, ihren Treibhausgasausstoß weniger zu reduzieren, wenn sie dafür in Entwicklungsländern Emissionen einsparen, Anm. d. Red.). Die Teilnehmer in Kopenhagen können ihre Klima-Bemühungen effektiver machen, wenn sie Kernenergie als Ersatz für fossile Brennstoffe empfehlen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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