Wenn VW-Chef Martin Winterkorn 17 Millionen Euro verdient, regen sich viele auf. Wenn Fußballer Lionel Messi 33 Millionen kassiert, rührt sich niemand. Was ist Ihre Meinung?
Ja
Der VW-Chef bringt der Menschheit mehr als ein Kicker
Von Patrick Bernau
17 Millionen Euro hat VW-Chef Martin Winterkorn im vergangenen Jahr für seine Arbeit bekommen. Das ist mit anderen Topmanagern kaum noch vergleichbar. Da muss man schon andere Leute bemühen: Fußballstar Lionel Messi zum Beispiel, der im vergangenen Jahr 33 Millionen Euro verdient hat. Ist das gerecht? Darf ein Manager in Gehaltssphären vordringen, in der sich sonst nur einzigartig begabte Ballvirtuosen tummeln? Jawohl. Er dürfte gar noch höher steigen.
Warum er das darf, das zeigt uns jemand anderes - einer, der gar nicht so viel verdient: David Schnabel. Den kennt niemand, dabei hat Schnabel auch einzigartige Fähigkeiten. Niemand turnt so gut auf dem Fahrrad wie er: Viermal in Folge hat David Schnabel die Kunstrad-Weltmeisterschaft gewonnen. Trotzdem verdient er viel weniger als Messi.
So ist es in der Marktwirtschaft: Bezahlt wird nicht nur danach, wie gut jemand seine Arbeit macht und wie sehr er sich anstrengt. Sondern auch danach, ob sich andere Leute für diese Arbeit interessieren. Das ist in Ordnung so. Schließlich wollen wir niemanden dafür bezahlen, dass er Zimmerpflanzen abstaubt - auch nicht, wenn er sich dafür richtig reinhängt und Talent hat wie kein Zweiter. Deshalb bezahlen Firmen ihre Mitarbeiter nicht nur danach, wie talentiert sie sind. Sondern auch danach, was die Arbeit anderen nützt und - wichtig - wie viel Geld sie dafür ausgeben.
Für Martin Winterkorn gibt VW zwar extrem viel Geld aus, aber ein guter Vorstandschef bringt auch dem ganzen Konzern extrem viel ein. Schon der Unterschied zwischen einem guten und einem exzellenten Manager kann Milliarden von Umsatz ausmachen. Der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Manager ist sogar noch wichtiger - er entscheidet über Überleben oder Pleite der ganzen Firma.
Es steht viel auf dem Spiel. Da muss man sich nicht wundern, dass die Aufsichtsräte weniger auf ein niedriges Gehalt achten, sondern mehr darauf, den richtigen Manager zu finden - und zwar den, von dem sie sich am meisten versprechen. Von Messi profitieren vor allem die Fans, weil sie sich über seine Tore freuen. Winterkorn sichert den VW-Angestellten ihren Arbeitsplatz und den Eigentümern eine ordentliche Rendite auf ihr Geld. Unter ihm hat VW so viel Gewinn gemacht wie nie zuvor, 19 Milliarden allein im letzten Jahr. Aus Sicht der Aktionäre sind Winterkorns 17 Millionen nur ein Bruchteil des Gewinns, den er ihnen beschert hat - es gibt keinen Grund, warum sie ihm den nicht gönnen sollten.
Nein
Martin Winterkorn ist toll. Lionel Messi ist einzigartig
Von Georg Meck
Schon klar: Manager sollen für ihre Leistung großzügig belohnt werden. Aber eines sollten sich die Herren der Wirtschaft sparen, und das ist der Vergleich mit den Superstars aus Sport und Showbetrieb: Warum gönnt das Volk denen Wahnsinnsgagen und uns nicht, jammern Topmanager, warum verdient ein Lionel Messi das Doppelte von einem Martin Winterkorn?
Ist es für die Gesellschaft nicht wertvoller, einen Weltkonzern zu managen, als gegen einen Ball zu treten, im Auto im Kreis zu fahren oder Liedchen zu trällern? Die wahren Helden sind wir, sagen die Vorstände - nicht die Messis, Schumis und Madonnas. Ein heikles Argument: Ausgerechnet jene, die den Neid in der Gesellschaft beklagen, reden voller Missgunst über Spitzenverdiener, die mit Spaß und Spiel zu Vermögen kommen, während sie, die Manager, im Schweiße des Angesichts ihr Werk verrichten.
Das Gehalt richtet sich aber nicht nach vergossenem Schweiß (sonst wäre der Straßenbau ein Hochlohnbezirk), auch nicht nach dem Grad der Verantwortung (sonst wäre die Kanzlerin eine reiche Frau), sondern nach dem Marktwert (erstaunlich, dies Managern sagen zu müssen): Es gibt auf dem Globus etliche tolle Konzernchefs, aber nur einen Lionel Messi: Ein Artist am Ball, sagen Leute, die es wissen müssen. Ein Genie (weitere Lobpreisungen sind dem Sportteil zu entnehmen).
Tatsache ist: Messis Kunst entscheidet über Titel und Millionen. Er fasziniert den fußballaffinen Teil der Menschheit, daraus erwächst ein gigantisches Geschäft: Stadiontickets, TV-Rechte, Werbung, Sponsoren, Trikotverkauf und was sonst nach an gewinnmaximierendem Zauber um ihn veranstaltet wird. Die Nachfrage ist riesengroß, das Angebot besteht in einer einzigen Person. Der Preis geht folglich in Richtung unendlich. Ist das schlimm, gar verwerflich? Sicher nicht. Alle, die für Messi bezahlen, tun dies freiwillig (im Zweifel in Erwartung eigener Rendite). Nirgendwo wirken so unverfälscht die Kräfte des Marktes wie im Sport und Showgeschäft. Jeder kann sich auf eine Bühne stellen und losträllern. Findet er Leute, die dafür zahlen, wird er reich. Wenn nicht, dann nicht. Jeder kann versuchen, kickend Millionen zu verdienen - er muss nur einen Club finden, der sie ihm überweist. Wenn Messi morgen nicht mehr trifft, ist es vorbei mit der Spitzengage. Eine Abfindung gäbe ihm niemand, von Pensionszusagen inklusive Fahrer und Büro auf Lebenszeit ganz zu schweigen. Solange Messi eine einzigartige Leistung bringt, wird er einzigartig bezahlt: Wo ist das Problem?
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die verhaeltnissmaessigkeit von entlohnung ist zuerst eine moralische frage
Harry Pastorius (ookk)
- 27.03.2012, 11:15 Uhr
Ein mehr als hinkender Vergleich!
Jan Frisch (Bunrakunier)
- 25.03.2012, 17:54 Uhr
Tolles Konzept, aaber..
Gev Wels (gwels)
- 25.03.2012, 17:40 Uhr
Typisch deutsche Frage
Johannes Wahl (Mobbischer)
- 25.03.2012, 16:59 Uhr
Messi ist kein Mensch,
Petra Raubach (PetraRaubach)
- 25.03.2012, 15:41 Uhr