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Pro & Contra Arbeiten wir im Büro besser als zu Hause?

Der Trend zum Home Office bricht ab. Die ersten Konzerne holen ihre Leute ins Büro zurück. Die Redaktion ist uneins. Diskutieren Sie mit!

© dpa Vergrößern Wo wird denn hier so lange gearbeitet?

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Ja!

Heimarbeiter werden träge

Von Lisa Nienhaus

Marissa Mayer, Chefin von Yahoo, will alle Mitarbeiter zurück ins Büro beordern. Jeder, der bisher Heimarbeit leistete, soll bis Sommer wieder an einen Yahoo-eigenen Arbeitsplatz zurückkehren. Grund dafür (laut einer E-Mail an alle Mitarbeiter, die im Netz kursiert): Die Arbeit daheim gehe oft „zu Lasten von Schnelligkeit und Qualität“. Außerdem solle das Zusammengehörigkeitsgefühl verbessert werden.

Auf den ersten Blick ist das empörend. Schließlich haben viele Menschen bei Yahoo sich darauf verlassen, dass sie flexibel arbeiten können. Außerdem galt das Office doch zuletzt als gestrig, das Home Office hingegen als modern, effizient und besonders familienfreundlich. Büroarbeiter von Hongkong bis Paris träumten davon, im Pyjama mit Kunden zu telefonieren und das Projekt durchzurechnen, während ihnen im Garten die Sonne auf die nackten Füße scheint. Sie wollten beim Zeichnen von Entwürfen den himmlischen Espresso aus der hauseigenen Maschine trinken und in der Kreativpause kurz die Wäsche aufhängen.

Doch was toll klingt, ist nicht gerade üblich in den Firmen. Und das zu Recht, denn diverse Studien zeigen: Marissa Mayer weiß, was sie tut. Heimarbeit ist mitnichten das Beste, weder für die Unternehmen noch für ihre Angestellten.

Das hat viele Gründe. Der wichtigste ist: Heimarbeiter werden träge. Das liegt nicht nur daran, dass die Kontrolle vom Chef fehlt. So einfach sind die wenigsten Menschen gestrickt. Es liegt am Team. Fehlen die Kollegen, fehlen Vorbilder, denen man nacheifert, und Wettbewerb, der zur Leistung anstachelt. Es fehlt der Ansporn. Und ohne ihn lässt die Disziplin schnell zu wünschen übrig.

Da wird erst einmal die Küche gewienert, bevor man auch nur einen Gedanken an die Berechnungen verschwendet, die man machen muss. Alles taugt zur Ablenkung: Rasen mähen, Spülmaschine ausräumen, Oma anrufen. Und am Ende arbeitet man nachts oder im schlimmsten Fall gar nicht.

Das muss natürlich nicht so enden. Jeder kennt Menschen, die auch allein extrem diszipliniert arbeiten. Studien zeigen aber: Das ist selten. Selbst bei simplen Arbeiten gibt es einen Kollegen-Effekt.

So ließen Ökonomen Versuchspersonen Briefe verpacken, allein und in Zweiergruppen. Und siehe da, die Paare waren viel produktiver als zwei, die einzeln vor sich hin werkelten. Sie verpackten deutlich mehr Briefe, außerdem entwickelten sie ein ähnliches Arbeitstempo. Die Langsamen ließen sich von den Schnellen mitziehen, aber auch die Schnellen profitierten.

Im wirklichen Leben ist das nicht anders. Langsame Kassierer kassieren schneller, wenn sie mit besonders fixen Kassierern zusammenarbeiten. Für Firmen gilt also: Will man die Leistungen der schlechteren Mitarbeiter verbessern, so gebe man ihnen ein Büro mit oder neben einem Vorzeige-Kollegen. Es bringt hingegen nichts, einem von beiden Heimarbeit zuzugestehen, denn dann sinkt die Gesamtleistung.

Nun gut, mag mancher jetzt sagen, Büroarbeit ist also nicht gut für die Firma. Aber ist sie vielleicht gut für die Menschen? Weil sie nicht täglich von Kollegen und Chefs genervt werden und ihr Leben mit der Familie besser organisiert bekommen. Letzteres kann nur behaupten, wer keine kleinen Kinder zu Hause hat. Denn Heimarbeit ist - wie diverse Lehrer in meinem Bekanntenkreis bestätigen können - beinahe unmöglich, wenn die Kinder zu Hause (und wach) sind. Eine Vereinbarkeit von Aufpassen auf Kinder und Arbeit gibt es nicht. Man braucht beim Home Office also genauso viel Betreuung von Kitas oder Omas, wie wenn man ins Büro fährt. Da kann man es auch gleich lassen.

Bleibt die Frage, ob man ohne Kollegen und Chefs glücklicher wird. Das kommt natürlich auf die Kollegen und Chefs an. Eines aber sollte man nicht unterschätzen. Ohne sie fehlt der Austausch und damit eine wichtige Quelle der Kreativität. Wer ein Problem lösen muss, dem hilft gemeinsames Brainstorming oft schneller als stundenlange Fachlektüre. Der kleine Schwatz mit dem Kollegen vom anderen Stockwerk kann die entscheidende neue Idee bringen. Das lässt sich durch Telefonieren und E-Mails nur bedingt ersetzen. Es fehlt die zufällige Interaktion. Die hat Steve Jobs so hoch geschätzt, dass er, als er Pixar-Chef war, eine zentrale Gemeinschaftstoilette einführte. Auf dem Weg dorthin traf jeder jeden, sein Geheimnis für Innovation. Das lässt sich im Home Office schwer simulieren.

Nein!

Im Büro wird man ständig gestört

Von Nadine Oberhuber

Ein Büro ist nicht automatisch eine Produktionsstätte und erst recht keine Nervenschonanstalt. In Büros arbeitet man oft laut, unsystematisch, unkoordiniert. Wissenschaftler haben in einer Studie bei einem Reiseveranstalter in China festgestellt: Arbeiter in Heimbüros sind mindestens um zwölf Prozent produktiver. Sie arbeiten mehr, machen weniger Pausen und werden weniger krank. Das kann ich belegen. Ich bin selbst Teilnehmer einer langjährigen Testreihe, ich habe beides mehrere Jahre praktiziert und festgestellt: Daheim kann ich eindeutig besser arbeiten als im Büro.

Warum das so ist? Es gibt im Ein-Mann-Büro niemanden, der einen stört, wenn man es nicht will. Und ich habe für diese Arbeitshypothese sogar belastbare Belege: meinen wöchentlichen Zeilenausstoß. Der war im Büro schon ziemlich hoch, im Heimbüro ist er noch sehr viel höher.

Nun hat mein Beruf den Vorteil, dass man die Wochenarbeitsleistung nicht bloß in Zeit messen kann, sondern auch in gedruckten Worten. Das geht nicht überall. Das ist einer der Gründe, weswegen man einschränken muss: Für Fließbandarbeiten taugt das Heimbüro eher nicht, dabei ermüden Alleinarbeiter viel zu schnell. Es zahlt sich aber dann aus, wenn Mitarbeiter besonders knifflige Aufgaben lösen müssen, in ganzen Sätzen denken sollen oder einfach mal mehrere Minuten am Stück an einem Thema bleiben wollen. Das nämlich ist in einem Büro, in dem es vor Kollegen, Konferenzen und kollaborativen Kurzbesprechungen nur so wimmelt, kaum noch möglich.

Jeder Büroarbeiter, schätzen Arbeitswissenschaftler, verbringt mit sinnlosen Besprechungen, unnötigen Telefonaten und ausufernden Kollegengesprächen ein Drittel seiner Arbeitszeit, vorsichtig gerechnet. Zeit, die ich mir lieber mit Arbeiten vertreibe. Besonders motivieren muss ich mich nicht. Das tun die Bürozeiten meiner Gesprächspartner, die Arbeitszeiten meiner Umwelt und Deadlines von allein. Im Heimbüro fällt die Arbeit schließlich genauso an wie im Büro, und sie will erledigt werden.

Manchmal wäre man tatsächlich um eine Ablenkung froh, das ist die einzige Einschränkung: Man trifft im Home Office nie jemanden in der Kaffeeküche. Kann auch nicht am Kopierer mit anderen über seine Ideen plaudern. Doch dafür haben die Arbeitsgötter die E-Mail, das Telefon und die Telefonkonferenz erfunden. Ein Anruf beim Kollegen bringt schnell auf neue Gedanken. Dass ausgerechnet der Smalltalk in der Cafeteria der Innovationstreiber unserer Wirtschaft sein soll und unverzichtbarer Ideengeber, wie Marissa Mayer meint, bezweifle ich. Da erfährt man eher, wohin die Kollegen in Urlaub fahren oder welche Kinder sich beim Reiten den Fuß verknackst haben, als welchen Satz man in den Finanzaufmacher schreiben sollte und welche Überschrift das nächste Dossier trägt.

Antworten darauf kommen mir, wenn ich ganz allein in der Kaffeeküche stehe und denke, nebenbei meditativ die Bohnen mahle und aufbrühe. So habe ich bisher die schrägsten Fragen gelöst.

Man muss es mögen, dass man daheim unter Ausschluss der Öffentlichkeit arbeitet. Ein Allheilmittel für unsere Arbeitswelt ist es sicher nicht. Manche Menschen vertragen selbstbestimmtes Arbeiten nicht, sie funktionieren besser in Gesellschaft, mit sozialer Kontrolle, unter Aufsicht. Vor allem Chefs unterliegen noch regelmäßig dem Trugschluss: Nur ein Mitarbeiter, den ich sehe, ist ein guter Mitarbeiter. Wer daheim sitzt, der arbeitet auch nicht. Als ob diejenigen, die im Büro mit leerem Blick auf ihre Bildschirme starren, nebenbei Facebook-Accounts pflegen oder stundenlang Privatgespräche führen, tatsächlich die produktiveren Teammitglieder wären. Auch das haben aber Studien entlarvt: Gute Mitarbeiter arbeiten gern zu Hause und dort auch schneller. Die Langsamen dagegen zieht es ins Büro.

Eines noch: Theoretisch können Heimarbeiter jederzeit ihre Bürozeiten dazu nutzen, eine Ladung Wäsche durch die Maschine zu jagen oder nebenbei das Wohnzimmer zu staubsaugen. Praktisch tun die meisten das nicht. All das, was ich tagsüber dazwischenschiebe, bedeutet, dass ich abends länger am Schreibtisch sitze, wo auch immer der steht. So viel habe ich bei der Heimarbeit gelernt: Sobald ich Bildschirme und Aktenstapel sehe, absorbieren die meine Aufmerksamkeit. Wäschestapel und Kaffeetassen kann ich da gut übersehen. Räume ich sie wirklich weg, raube ich nicht meinem Arbeitgeber die Zeit, sondern habe endlich Feierabend.

Quelle: F.A.S.

 
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