05.09.2009 · Hans Strothoff ist ein Perfektionist: Für seine Privatschule sucht er den Hausmeister genauso sorgfältig aus wie den Direktor. Dunkler Anzug, dezentes Hemd und eine Anstecknadel im Revers gehören zum offiziellen Dresscode der Lehrkräfte.
Von Lisa BeckerDer Küchen- und Möbelunternehmer Hans Strothoff ist ein Perfektionist. Deshalb musste die Eröffnung der von ihm gegründeten Schule in Dreieich bei Frankfurt auf jeden Fall reibungslos verlaufen. Alles war vorher geprobt worden. Ein Ablaufplan hielt fest, wer Blumen überreicht und wer das rote Band hält. Und tatsächlich lief alles wie am Schnürchen. Zu dem perfekten Bild trugen auch die elegant gekleideten Frauen und Männer bei, die sich um die in weiße Decken gehüllten Stehtische versammelt hatten. Kalte Getränke wurden gereicht, leichte Jazzmusik dargeboten. Als die Musiker zum Auftakt der Veranstaltung „What a wonderful world“ spielten, herrschte eine zufriedene Stimmung unter den mehr als 600 Gästen.
Zufrieden mit dem neuen privaten Bildungsangebot waren auch ein Landesminister und ein Landrat. Schließlich gebe es zu wenige internationale Schulen in Hessen. Dann drängte die neugierige Menge in das Schulhaus. Vor allem die Eltern bekamen beim Gang durch das Gebäude glänzende Augen. Viele von ihnen arbeiten in gehobenen Positionen; sie bewegten sich in einer vertrauten Welt. Die Flure und Räume des 6000 Quadratmeter großen Schulgebäudes unterscheiden sich kaum von einem hochmodernen Bürogebäude. Grau und Weiß dominieren, farbliche Akzente setzen die Stühle. Staunend probierten einige Eltern die elektronischen „Activboards“ aus, die statt grüner Tafeln an den Wänden hängen. Bestens ausgestattet sind auch die naturwissenschaftlichen Labore, der Computerraum und der Musikraum.
Strothoff investierte 15 Millionen Euro
Eine solche Schule wird selten in Deutschland eröffnet. Meistens gehen Privatschulen auf kleinere Initiativen zurück – oft sind Eltern die treibende Kraft. Gründungen durch wohlhabende Unternehmer sind selten. Viele Schulen fangen klein an, um das finanzielle Risiko gering zu halten. Auch kalkulieren sie mit einer staatlichen Förderung. Und sie sind angehalten, ein Schulgeld in sozialverträglicher Höhe zu erheben. In Strothoffs Schule ist alles anders. Das Schulgeld ist hoch: Auf eine staatliche Förderung hat der Gründer verzichtet. Lieber hat er mehr Geld eingesetzt, als sich mit den Schulbehörden abstimmen zu müssen. Nun kann die Schule ihre Unterrichtsinhalte selbst bestimmen und statt des Abiturs einen internationalen Abschluss anbieten.
Für die edle Ausstattung und den Bau der Schule hat Strothoff tief in die Taschen gegriffen. 15 Millionen Euro investierte er bisher aus seinem Privatvermögen. Bis die laufenden Kosten durch das Schulgeld finanziert werden können, dürften noch einige Jahre vergehen; dann soll die Schülerzahl von gut 100 auf 600 gestiegen sein. Bis dahin wird der Unternehmer vermutlich 19 Millionen Euro ausgegeben haben. Finanziell rentieren wird sich das nie. Doch er bekommt eine Schule, wie sie seiner Meinung nach sein sollte.
Vom Herbst an will Strothoff Geld für Stipendien einsammeln
Strothoffs erster Schultag liegt 52 Jahre zurück. Abitur und eine akademische Ausbildung hat der Sohn eines Bremer Fischhändlers nie genossen. Er hat sich hochgearbeitet, war zunächst im Möbelvertrieb tätig, bevor er vor 30 Jahren MHK gründete. Heute ist das Unternehmen ein in Europa führender Verbund von Küchen- und Möbelhändlern – und Strothoff investiert sein Vermögen in höhere Bildung.
An der Schule gibt er seine Millionen freilich für die Bildung wohlhabender Töchter und Söhne aus. Denn eine Aufnahmegebühr von 2000 Euro und ein Schulgeld von 15.000 bis 19.000 Euro im Jahr können sich nur wenige leisten. Noch nicht darin enthalten ist das Geld für die Schuluniform und den Schulbus, der mit 2000 bis 4000 Euro im Jahr zu Buche schlägt. Vom Herbst an will Strothoff Geld für Stipendien einsammeln. Doch es ist fraglich, ob sich Schüler aus anderen sozialen Verhältnissen hier wohl fühlen.
Auf die 19 Lehrerstellen gab es 500 Bewerbungen
Zum Umfeld gehört auch die Schuluniform: blauer Rock oder Hose und weißes Polohemd. Das stärke den Gemeinschaftsgeist, glaubt Strothoff. In seiner Schule sollen die Schüler vorbereitet werden auf ein Leben im internationalen Umfeld. Dazu will er ihnen „exzellente Lernbedingungen“ bieten. In kleinen Klassen von durchschnittlich zwölf Schülern soll jeder Schüler individuell gefördert werden. Außerdem wirbt die Schule mit einem internationalen Lehrerkollegium, das nach neuesten pädagogischen Methoden arbeite. Auf die 19 Lehrerstellen habe es 500 Bewerbungen gegeben.
Den Leiter der Schule, Andreas Koini, hat Strothoff selbst ausgesucht. Der Österreicher hat vorher an einer internationalen Schule in London gearbeitet und bringt einen Master of Business Administration (MBA) mit; seine Frau ist Investmentbankerin. Wenn Koini im dunklen Anzug vor Eltern und Schülern steht und ihnen versichert, eine „first class reputation“, einen erstklassigen Ruf, für die Schule zu erarbeiten, dann mag sich so mancher Schüler schon in der internationalen Geschäftswelt wähnen. Strothoff glaubt ohnehin, dass Schulen einiges von Unternehmen lernen könnten und wie ein Unternehmen geführt werden sollten – am besten wie sein eigenes Unternehmen.
„Eine Institution ist, die Lebenschancen verteilt“
Äußerlich sind die Lehrer nicht von MHK-Mitarbeitern zu unterscheiden. Dunkler Anzug, dezentes Hemd und eine Anstecknadel im Revers gehören zum offiziellen Dresscode. In der Garderobe eines Lehrers habe er ein grünes Hemd entdeckt, erzählt Daniel Schmid, Organisator der Schule und MHK-Marketing-Vorstand: „Das habe ich wieder zurückgehen lassen.“ Und Strothoff ergänzt: „Wir sind ja nicht in der Landwirtschaft.“ Einen Ohrring oder einen Vollbart würde er ebenso wenig akzeptieren. Er glaubt: Wer durch die Einhaltung der Kleidervorschriften Disziplin zeigt, ist auch sonst diszipliniert, kommt pünktlich und sorgt für Ordnung und Sauberkeit.
Disziplin, Ordnung und Sauberkeit sind Strothoff wichtig. Den Hausmeister hat er genauso sorgfältig ausgesucht wie den Schulleiter. Auch Führung sei wichtig. Mit den Lehrern muss der Schulleiter Personalgespräche führen und über deren Einkommen entscheiden. Die Anfangsgehälter liegen freilich um 30 bis 40 Prozent über dem eines Lehrers an einer staatlichen Schule. Dafür wird viel Engagement erwartet. Auch gibt es kurze Kündigungsfristen. „Wer nicht reinpasst, muss gehen“, sagt Schmid.
Im Verband Deutscher Privatschulverbände werden Gründungen von solchen Schulen mit Distanz betrachtet. Man sorgt sich, sie könnten den Vorwurf, Privatschulen spalteten die Gesellschaft, befeuern. Strothoff macht hingegen kein Hehl daraus, dass eine Schule „eine Institution ist, die Lebenschancen verteilt“.
Deutsche Sprache, schwere Sprache?
R W (DocSnider)
- 05.09.2009, 12:20 Uhr
Privatschulen muss das sein?
Wilko Möller (Friedrich40)
- 05.09.2009, 12:32 Uhr
Warum?
Michael Haus (mhaus)
- 05.09.2009, 12:43 Uhr
Verständlich
Lothar Wölfel (LWoelfel)
- 05.09.2009, 13:11 Uhr
Eine Schule wie ein Unternehmen?
Andreas Neubert (Citizen_Kane)
- 05.09.2009, 14:30 Uhr
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