03.11.2003 · Die Privatinsolvenzen in Deutschland nehmen zu. Doch der neu entwickelte Schuldenkompaß der Schufa überrascht: Er erkennt keine auffällige Zunahme der finanziellen Probleme privater Haushalte.
Seit 1999 steigen die Privatinsolvenzen in Deutschland unaufhörlich und erreichten im ersten Halbjahr 2003 ein neues Rekordniveau von 15.667 Verbraucherpleiten. Doch der Schuldenkompaß 2003 der Schufa überrascht: Demnach gab es über sämtliche Kredithöhen, Altersgruppen und Landkreise hinweg keine auffällige Zunahme der durchschnittlichen Zahlungsstörungen von Privatpersonen zwischen 1999 und 2002.
„Befürchtungen vor einer generellen Überschuldungsgefahr von deutschen Privathaushalten sind zu relativieren“, sagt Rainer Neumann, Vorstandsvorsitzender der Schufa Holding AG, im vor dem am Dienstag stattfindenden vierten Wiesbadener Symposions, auf dem der Schuldenkompaß 2003 präsentiert wird. Ob sich der Trend des ersten Schulden-Kompasses auch in den nächsten Jahren bestätigt, muß Neumann zufolge weiter untersucht werden.
Deutsche haben befriedigendes Zahlungswissen
Der Schuldenkompaß mißt nicht die Verbraucherinsolvenzen. „Vielmehr wird versucht, mit Indikatoren wie die Zahlungsstörung, die Schuldenneigung und das Zahlungswissen Auskunft über die allgemeine Überschuldungsgefahr von Privatpersonen in Deutschland zu geben“, schreibt die Schufa in einer Pressemeldung.
Mit Zahlungsstörungen bezeichnet die Schufa die bei ihr gemeldeten offenen, ausgemahnten und nicht widersprochenen Forderungen von Vertragspartnern. Zahlungsstörungen können eine finanzielle Klemme im Privathaushalt bedeuteten, sind aber noch keineswegs ein deutliches Indiz für eine Überschuldung oder Privatinsolvenz. Das ebenso untersuchte Zahlungswissen ist Teil des Finanzwissens und meint spezielle Kenntnisse über Skonto, Rendite, Girokonto und so weiter. Die sogenannte Schuldenneigung beschreibt die Neigung, auf Kredit zu kaufen.
Keine ausgeprägte Schuldenneigung
Erstes Zwischenergebnis: Der Großteil der deutschen Bevölkerung hat keine ausgeprägte Schuldenneigung und verfügt über ein mittleres bis zureichendes Zahlungswissen. So hätten mehr als 60 Prozent der Befragten über zwei Drittel der ihnen zum Zahlungswissen gestellten Fragen richtig beantwortet.
Aus den ersten Ergebnissen der Studie ist insgesamt ein enger Zusammenhang zwischen Zahlungswissen und schuldengeneigter Einstellung zu folgern. Demnach sind Menschen, deren Zahlungswissen schlecht ist, auch eher geneigt, Schulden einzugehen. Im Vergleich verschiedener Einkommensgruppen wurde herausgefunden, daß Haushalte mit höherem Einkommen tendenziell weniger schuldengeneigt eingestellt sind. Auch scheint mit der Höhe des allgemeinen Bildungsgrads die Schuldenneigung abzunehmen.
Problemkundschaft: 20- bis 34-Jährige
Insbesondere die junge Kundschaft entpuppt sich als Wackelkandidat. Die 20- bis 24-Jährigen hätten mehr Zahlungsschwierigkeiten als die übrigen Altersgruppen. Und Kreditrückzahlungen fallen verstärkt bei den 20- bis 34-Jährigen aus, heißt es im Schuldenkompaß. Dabei hält sich die Höhe der Privatkredite durchaus im Rahmen. Sie beliefen sich 2002 auf durchschnittlich 8.200 Euro, während knapp 20 Prozent der geplatzten Kredite kleiner als 2.000 Euro waren.
Rund 50 Prozent der bei der Schufa gemeldeten Zahlungsstörungen traten 2002 vorrangig im Bankensektor auf und 39 Prozent der Negativeinträge entfielen auf die Telekommunikationsbranche. Den deutlich zugenommenen Zahlungsstörungen im Telekommunikationssektor von 17 auf 39 Prozent stellt Neumann allerdings den rasanten Anstieg der Mobilfunknutzer gegenüber. Deren Zahl ist allein zwischen 1999 und 2001 von rund 23 Millionen auf rund 60 Millionen geklettert.
Grundlage der Studie ist eine Analyse des anonymisierten Datenbestands der Schufa mit 317 Millionen Datensätzen von rund 59 Millionen volljährigen Privatpersonen sowie eine repräsentative Umfrage der GfK auf Basis einer Zufallsstichprobe von 2.000 Personen. Hinzu kommen Statistiken des Bundesamtes für Statistik und der Deutschen Bundesbank.
Der Schuldenkompaß ist der Auftakt einer Untersuchungsreihe. „Mit ihr wollen wir zum Verständnis von Kreditgeschäften und Präventionsmaßnahmen beitragen sowie neue Orientierungsmöglichkeiten in der deutschen Kreditwirtschaft aufzeigen“, heißt es bei der Schufa.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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