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Private Hochschulen Entspannt studieren und später zahlen

 ·  Private Hochschulen fordern von ihren Studenten hohe Beiträge. Um Bewerber damit nicht abzuschrecken, bieten einige inzwischen „umgekehrte Generationenverträge“ an.

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© dpa Vergrößern Teure Ausbildung: Ein Studium an der Bucerius Law School hat seinen Preis

3700 Euro im Trimester - für ein dreijähriges Bachelorstudium an der privaten Bucerius Law School in Hamburg kommen fast 45.000 Euro zusammen. Studienbeiträge zwischen 4000 und 12.000 Euro im Jahr sind an privaten Einrichtungen üblich. Vielen Studierenden an staatlichen Hochschulen trieben solche Summen die Tränen in die Augen. Jan Erik Spangenberg, Absolvent der Bucerius Law School, blickt hingegen entspannt auf den Schuldenberg, den er während seines Studiums aufgehäuft hat. Obwohl er sich die hohen Beiträge eigentlich nicht leisten konnte, war er gelassen, als er sich für die Hochschule entschied. Denn diese bietet einen „umgekehrten Generationenvertrag“ an. „Das ist ein sehr schlaues Modell“, lobt Spangenberg, der inzwischen als Rechtsanwalt in einer internationalen Kanzlei arbeitet.

Der umgekehrte Generationenvertrag basiert darauf, dass die Absolventen die Gebühren der jetzt Studierenden finanzieren. Man zahlt erst ab einem bestimmten Einkommen, auch die Höhe der Rückzahlungen hängt vom Verdienst ab und ist begrenzt. Die Rückzahlungsdauer beschränkt sich oft auf zehn Jahre. Die Idee des umgekehrten Generationenvertrages verbreitet sich gerade an den privaten Hochschulen in Deutschland; an manchen gibt es ihn schon, an anderen wird darüber nachgedacht. Bisher werden dort die Gebühren, falls die Eltern sie nicht zahlen (können) und man kein Stipendium bekommt, vor allem über Kredite finanziert.

Nach Meinung von Fachleuten ist die nachgelagerte Erhebung auch für öffentliche Hochschulen ein gutes Modell. Das dachte auch der amerikanische Ökonomie-Nobelpreisträgers Milton Friedman. Schon in den fünfziger Jahren des vorherigen Jahrhunderts hat der Chicagoer Wirtschaftsprofessor vorgeschlagen, die Gebühren auf diese Weise zu erheben. Er war besorgt, dass selbst die Möglichkeit, einen Kredit aufzunehmen, Menschen aus weniger begüterten Elternhäusern vom Gang an die Hochschule abhalten könnte.

Das Einkommen der Kohorte ist vorhersehbar

Auch die WHU - Otto Beisheim School of Management in Vallendar bei Koblenz hat 2006 den umgekehrten Generationenvertrag eingeführt. Markus Rudolf, Finanzprofessor an der privaten Hochschule, ist zufrieden: „Damit haben wir das Problem der Studiengebühren gelöst. Jetzt können wir jedem Studenten sagen: Du kannst auf jeden Fall hier studieren - wenn du den Aufnahmetest bestehst.“

An der WHU können Studenten auch einen Kreditvertrag mit der Sparkasse abschließen, zu einem Zinssatz in Höhe des Euribor (ein Zinssatz, der im Interbankengeschäft gezahlt wird) plus 300 Basispunkte. Seit der Generationenvertrag als Konkurrenzmodell existiere, habe die Sparkasse den Zins um 100 Basispunkte gesenkt, sagt Rudolf. Ungefähr genauso viele Studenten haben einen Generationenvertrag wie einen Kreditvertrag abgeschlossen. „Das hängt von den Risikopräferenzen des Einzelnen ab“, erklärt der Professor.

Die WHU organisiert den umgekehrten Generationenvertrag - genauso wie die Bucerius Law School - über die Brain Capital GmbH. Die auf Bildungsfinanzierung spezialisierte Fondsgesellschaft ist außerdem noch für vier andere Hochschulen tätig. Entstanden ist sie aus einem studentischen Projekt an der WHU. Brain Capital fördert rund 600 Studenten und verwaltet knapp 40 Millionen Euro. Die Fonds werden nicht nur durch Ehemalige finanziert, sondern auch durch Investoren. „Die Rendite ist für Private-Equity-Firmen manchmal zu niedrig, für Pensionskassen aber nicht“, erläutert Rudolf, der im Beirat von Brain Capital sitzt. Das Risiko der Investoren sei gering. „Man investiert in das künftige durchschnittliche Einkommen der geförderten Absolventen.“ Das Einkommen jedes Einzelnen sei zwar nicht gut vorhersehbar, das Einkommen der Kohorte aber schon.

Die Akzeptanz und die Rückzahlungsmoral seien hoch

An der Bucerius Law School zahlen die Absolventen zehn Jahre lang 10 Prozent ihres zu versteuernden Einkommens an Brain Capital zurück, an der WHU sind es 7,5 Prozent. Bei einem zu versteuernden Einkommen von weniger als 30.000 Euro zahlen sie nichts. Die Studenten verpflichten sich, später jedes Jahr ihre Einkommensteuerbescheide an Brain Capital zu schicken. An der Bucerius Law School gibt es noch einen günstigeren, nicht von Brain Capital organisierten Generationenvertrag. Ihn können Studenten abschließen, die sich das Studium aus sozialen Gründen nicht leisten können. Sie zahlen dann nur 8 Prozent ihres Einkommens zurück.

Beim umgekehrten Generationenvertrag zahlen die Gutverdienenden auch für diejenigen, die nur in Teilzeit oder in einem weniger stressigen Beruf arbeiten. Das könnte zu Unmut führen. Bucerius-Absolvent Jan Erik Spangenberg, der in einer internationalen Kanzlei gut verdient, sieht darin aber kein Problem. Dass man sich auch für eine Nichtregierungsorganisation entscheiden könne, dass also jeder, auch er selbst, frei in seiner Berufswahl sei, mache ja gerade den Charme des Modells aus. „Das eigene Einkommensrisiko wird auf den umgekehrten Generationenvertrag übertragen“, erklärt WHU-Professor Rudolf. Zudem seien die Rückzahlungsbeiträge so bemessen, dass sie sich jeder gut leisten könne.

Schon seit 1995 hat die private Universität Witten-Herdecke Erfahrungen mit dem umgekehrten Generationenvertrag gesammelt; sie ist die Pionierin des Modells in Deutschland. Die Akzeptanz sei hoch, ebenso die Rückzahlungsmoral, sagt Florian Kollewijn, der Vorstand der „Studierendengesellschaft“ (SG), die den Vertrag verwaltet. Denn das Modell trage wesentlich zu „Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit“ bei.

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