01.04.2005 · Nach dem Tod des Vaters stellt sich Prinz Albert den Herausforderungen der Regentschaft. Die prekäre Finanzlage, mit den wenigen Einnahmen aus dem Tourismus und den hohen öffentlichen Investitionen, gehört dazu.
Albert von Monaco hat die Regentschaft über das Fürstentum bereits vor dem Tod seines Vaters übernommen. An der Seite seines todkranken Vaters, Fürst Rainier III., hat er alle öffentlichen Auftritte zunächst abgesagt.
Das kleine Fürstentum an der Cote d'Azur stand am Freitag noch ganz unter dem Eindruck des Thronwechsels, der zeigt, wie schlecht es gesundheitlich um den Fürsten bestellt ist. Dennoch stellten sich die ersten Fragen nach den Konsequenzen für das Fürstentum, das nicht nur ein Mekka für den internationalen Jet-set ist, sondern auch ein bedeutender Wirtschaftsstandort.
2004 war der Staatshaushalt mit 60 Millionen Euro im Minus
Der 47 Jahre alte Albert von Monaco steht vor etlichen Herausforderungen, die das Fürstentum in Zeiten des Standortwettbewerbs und der schwankenden Tourismuseinnahmen bewältigen muß. Angesichts des Reichtums seiner Bürger und des Fürstenhauses sind zwar große Reserven vorhanden. Doch die Finanzmittel der öffentlichen Hand sind in den vergangenen Jahren knapp geworden. 2004 stand der Staatshaushalt mit 60 Millionen Euro im Minus, nachdem die Neuverschuldung in den beiden Vorjahren schon bei 23 und 17 Millionen Euro lag. Die zwei wichtigsten Gründe für die hohe Neuverschuldung sind hohe öffentliche Investitionen und der Rückgang von Tourismuseinnahmen als Folge der geplatzten Börsenblase, der Terroranschläge vom 11. September 2001 und des Irak-Krieges.
Die Regentschaft von Fürst Rainier, der sich gerne als „Patron“ des Unternehmens Monaco sah, steht für die wirtschaftliche Diversifizierung des Fürstentums, die mit großen Investitionen in die Infrastruktur verbunden ist. 1999 wurde ein unterirdischer Bahnhof eingeweiht, der zu den modernsten in Europa gehört. Im Jahr darauf eröffnete Monaco ein großes Kongreß- und Kulturzentrum, das Grimaldi-Forum. Zudem rang das zwei Quadratkilometer große Fürstentum Schritt für Schritt dem Meer immer mehr Land ab, um Platz zu finden für seine gut 30.000 Bewohner und die zusätzlichen 35.000 Beschäftigten, die täglich aus dem Umland zur Arbeit anreisen.
Umsätze kommen kaum vom Fleck
Im vergangenen Jahr schlug sich im Staatshaushalt besonders der Ausbau des Hafens durch schwimmende Quais nieder. Damit kann Monaco jetzt Kreuzfahrtschiffe empfangen, die den Ort vielleicht weniger exklusiv machen, aber ausgabewillige Touristen mitbringen. Täglich legen dort zwei Kreuzfahrtschiffe an, berichtet die Sprecherin der Tourismusbehörde. „Sie haben auch die Zahl der Hotelübernachtungen deutlich erhöht“, freut sie sich. Den Zuwachs kann Monaco gut gebrauchen. Die Übernachtungen im Fürstentum sind zwar 2004 um 3 Prozent auf gut 695.000 leicht gestiegen, doch von den 860.000 Übernachtungen im Jahr 2000 noch weit entfernt.
Auch in der Bilanz des wichtigsten Akteurs der monegassischen Wirtschaft schlägt sich die Konjunkturschwäche nieder. Bei der 1863 gegründeten und von der Grimaldi-Familie kontrollierten Societe des Bains de Mer (SBM) kommen die Umsätze kaum vom Fleck. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2004/05 erhöhten sie sich um 8,3 Prozent auf 272 Millionen Euro. Zum SBM-Konzern, der zu 69 Prozent in den Händen des Staates liegt, gehören unter anderem das berühmte Spielcasino und das legendäre Hotel de Paris. Die Einnahmen aus dem Glücksspiel, deren Steueranteil mit 4 Prozent zum Staatsbudget beiträgt, sind zuletzt gesunken. Das Unternehmen kann froh sein, daß es vor einiger Zeit das Glücksspiel-Monopol bis 2027 verlängert bekommen hat.
Prinz Albert muß den Weg fortsetzen
Die meisten Beobachter sind sich einig, daß Albert das Erbe des Vaters in die vorgegebene Richtung weiterentwickeln wird. „Fürst Rainier hat Monaco zum wichtigsten Wirtschaftsstandort in der Region neben Sophia Antipolis gemacht“, sagt Petra Hall, Herausgeberin der deutschsprachigen „Riviera-Cote d'Azur Zeitung“, in Anspielung auf den Industriepark für High-Tech-Unternehmen in der Nähe von Nizza. „Prinz Albert muß jetzt beweisen, daß er diesen Weg fortsetzen kann.“
Politisch strebte Fürst Rainier eine größere Unabhängigkeit von Frankreich an und ist dabei ein gutes Stück vorangekommen. Doch auch weiterhin muß das Oberhaupt einen hohen französischen Beamten zum Staatsminister ernennen, und immer noch kommt ein Drittel der Mehrwertsteuereinnahmen aus der französischen Staatskasse, weil viele Franzosen ihr in Monaco verdientes Geld in Frankreich ausgeben.
Liberaler und weniger autoritär als Rainier
Prinz Albert muß zudem am immer noch verbreiteten Image von Monaco als Hafen für Geldwäscher und Steuerhinterzieher arbeiten. Die bei der OECD angesiedelte Task Force gegen Geldwäsche hat seit dem Jahr 2000 Fortschritte in den staatlichen Gegenmaßnahmen bestätigt. Im jüngsten Bericht vom Sommer 2004 heißt es allerdings, die im Fürstentum angesiedelten Finanzinstitutionen seien sich der Risiken nicht immer bewußt. Die Identität von Bankkunden werde oft nicht hinterfragt, und es würden Konten ohne Anwesenheit des Kontoinhabers eröffnet. Monaco steht auf einer schwarzen Liste zusammen mit Andorra, Liechtenstein, Liberia und den Marshall-Inseln, weil das Steuersystem nicht transparent genug ist und es an der Zusammenarbeit beim Informationsaustausch hapert.
Prinz Albert, der neue Mann an der Spitze von Monaco, ist weitgehend aus der Regenbogenpresse bekannt. Doch schon in den vergangenen Jahren vertrat er das Fürstentum häufig bei internationalen Auftritten. Er hat in Amerika unter anderem Wirtschaft studiert und auch Berufserfahrung in Unternehmen gesammelt. „Albert ist auf seine neue Aufgabe gut vorbereitet. Er ist jedoch liberaler und weniger autoritär als Rainier“, sagt der Journalist und Schriftsteller Frederic Laurent, der ein guter Kenner des Fürstentums ist.
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