13.12.2008 · Fast im Stakkato hat die Bahn in den vergangenen Jahren die Preise erhöht. Jetzt ist es mal wieder so weit. Doch dieses Mal ist es besonders dreist, was die Bahn am dritten Advent umsetzt.
Von Carsten GermisWeihnachtszeit ist Reisezeit. Zu keiner anderen Zeit im Jahr sind die Fernzüge so voll wie in den Tagen vor und nach Weihnachten. Und – fast möchte man sagen: wie alle Jahre wieder – die Deutsche Bahn legt ihren Kunden eine besondere Bescherung unter den Christbaum. Mit dem Fahrplanwechsel kommt die nächste Preiserhöhung. Fast im Stakkato hat die Bahn in den vergangenen Jahren die Preise erhöht. Jetzt ist es mal wieder so weit.
Doch dieses Mal ist es besonders dreist, was die Bahn am dritten Advent umsetzt. Um fast vier Prozent steigen die Preise im Durchschnitt, auf einigen Strecken müssen Bahnfahrer sogar bis zu zehn Prozent mehr berappen. Der Bahnchef Hartmut Mehdorn hat die höheren Preise schon im Sommer angekündigt. Damals erwartete er noch den Börsengang der Bahn in diesem Jahr und wollte wohl den Investoren zeigen, dass das Unternehmen unter seiner Führung Gewinn erwirtschaften wird. Begründet hat er die Preiserhöhung anders: Die hohen Tarifabschlüsse, vor allem aber die explodierenden Energiepreise würden höhere Preise geradezu erzwingen.
Mehdorns Begründung ist dahin
Im Sommer stimmte das. Der Ölpreis hatte Höchstpreise erklommen, an den Tankstellen ächzten die Autofahrer. Doch jetzt, wo die Preise erhöht werden, sieht das Bild ganz anders aus. Der Börsengang der Bahn ist wegen der Finanzkrise auf unbestimmte Zeit verschoben. Energie ist billiger denn je. Der Ölpreis fällt und fällt. Der Benzinpreis ist mittlerweile unter das Niveau vom November 2004 gesunken (seitdem hat die Bahn die Preise schon viermal erhöht). Was vor einem halben Jahr verständlich erschien, kann jetzt nur noch Abzocke genannt werden.
Jetzt ist Energie billig. Wäre die Bahn konsequent, müsste sie nun die Preise senken, statt sie anzuheben. Das tut Mehdorn natürlich nicht. Kein Wunder, dass die Kunden sich abgezockt fühlen.
Schließlich ist auch der Service der Bahn nicht besser geworden. Seit Wochen müssen Bahnfahrer mit Behinderungen leben, weil das Unternehmen die Probleme mit seinen ICE nur schwer in den Griff bekommt. Wegen der aus Sicherheitsgründen verkürzten Prüfintervalle für die Achsen der Hochgeschwindigkeitszüge wird es auch in den kommenden Monaten noch zu erheblichen Störungen im Bahnverkehr kommen. Da heißt es: Geduld bewahren am Bahnsteig und warten.
Jede Menge erzürnte und empörte Kunden
In dieser Situation ist es aberwitzig, dass die Bahn stur bleibt bei den Preisen. Sie sagt: Die Preiserhöhungen machen wir auf jeden Fall. Bisher haben die Kunden die Pannen bei den ICE gelassen geduldet. Dass sie bei dieser starken Preiserhöhung aber weiterhin resigniert mit den Schultern zucken und zahlen werden, ist eher unwahrscheinlich. Mehdorn darf sich in den nächsten Wochen auf jede Menge erzürnte und empörte Kunden einstellen.
Die Bahn-Führung wird an der Erhöhung festhalten, denn sie wird wohl – bis auf ein paar böse Briefe – nur geringe Folgen haben. Auf der Schiene gibt es einfach immer noch zu wenig Wettbewerb, um den Quasi-Monopolisten Bahn unter Druck zu setzen. Aber vielleicht wird das Auto als Alternative ja wieder attraktiv. Wer das immer undurchsichtiger werdende Tarifsystem der Bahn nicht durchschaut und Billigangebote nicht nutzen kann, für den machen sinkende Spritpreise die Autofahrt wieder attraktiv. So gesehen hat die dreiste Abzocke der Bahn in der Finanz- und Wirtschaftskrise ungewollt vielleicht sogar einen kleinen positiven Nebeneffekt. Es hilft der notleidenden deutschen Autoindustrie, wenn zum neuen Jahr immer mehr Kunden meinen, dass das Bahnfahren wegen der hohen Fahrpreise zum Luxus wird.
Europäische Preisvergleiche sind dringend notwendig (Kilometerpreis auf Ticket)
K Zinser (klaus_zinser)
- 13.12.2008, 16:57 Uhr
Schon ab der ersten Person ist der PKW günstiger
Frank Muschalle (Royalflush)
- 13.12.2008, 17:02 Uhr
Die einzige Lösung
Klaus Jeziorkowski (Jeziorkowski)
- 13.12.2008, 17:32 Uhr
Bahnblase
Benjamin Blümchen (BenjaminBe)
- 13.12.2008, 18:34 Uhr
Hallo Bahnhasser, ich möchte heute mal eine rote Bewertung!
Bernd Michalski (michalski2)
- 13.12.2008, 19:33 Uhr
Carsten Germis Jahrgang 1959, Wirtschaftskorrespondent für Japan mit Sitz in Tokio.
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