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Prämienzahlungen Beschäftigte verdienen am Aufschwung mit

Wegen der guten Umsatzentwicklungen ihrer Unternehmen werden derzeit viele Arbeitnehmer am Gewinn beteiligt. Dies wiederum treibt die Arbeitskosten in die Höhe.

© Stefan Boness/Ipon Vergrößern VW-Mitarbeiter haben gut lachen: Weil die Autos aus Wolfsburg begehrt sind, erhalten die Tarifbeschäftigten jeweils 7500 Euro Sonderprämie

Viele Arbeitnehmer in Deutschland können sich derzeit über Sonderzahlungen freuen. Grund dafür ist die gute Umsatz- und Gewinnentwicklung ihrer Unternehmen im zurückliegenden Jahr. Besonders üppig fallen die Boni vieler Automobilkonzerne aus. Am Donnerstag erst hatte Volkswagen die Ausschüttung von 675 Millionen Euro an rund 90.000 Tarifbeschäftigte bekanntgegeben. Die Prämie je Mitarbeiter hat sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Die Tochtergesellschaft Audi überweist jedem Mitarbeiter sogar einmalig 8251 Euro, der Sportwagenbauer Porsche 7600 und Daimler immerhin noch 4100. BMW beteiligt seine Belegschaft mit einem gestaffelten Modell. Konkrete Summen werden nicht genannt. In der Automobilindustrie wird jedoch damit gerechnet, dass sich die Boni auf dem Niveau von Volkswagen bewegen. Nach einem Rekordjahr hat BMW schon die Aktionäre mit einer deutlichen Erhöhung der Dividende bedacht.

Sven Astheimer Folgen:  

Die steigende Beteiligung der Arbeitnehmer hat Arbeit in Deutschland zuletzt erheblich verteuert. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte, sind die Kosten je Arbeitsstunde im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr kalenderbereinigt um 3,2 Prozent gestiegen. Die war der höchste Anstieg seit Beginn der Zeitreihe 1997. „Der deutliche Anstieg der Arbeitskosten im Jahr 2011 wurde durch hohe Tarifabschlüsse und eine Zunahme der Sonderzahlungen verursacht.“ Im Verarbeitenden Gewerbe, zu dem die Industrie zählt, war der Anstieg mit 4,3 Prozent am höchsten; vergleichsweise niedrig dagegen die Zuwächse bei Verkehr und Lagerei (0,2 Prozent) sowie Erziehung und Unterricht (1,4 Prozent).

Infografik / Erfolgsprämien für Mitarbeiter Erfolgsprämien für das Jahr 2011 © F.A.Z. Bilderstrecke 

Die Zahlen sind brisant für aktuelle Tarifverhandlungen in vielen Branchen. Die IG Metall fordert für die 3,6 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie ebenso eine Lohn- und Gehaltserhöhung von 6,5 Prozent wie die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für die 2 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen. Die Forderungen werden auch damit begründet, dass die Beschäftigten bislang vom Aufschwung zu wenig profitiert hätten.

Die Metallarbeitgeber bestreiten den generellen Nachholbedarf. „Erfolgsbeteiligungen sind immer eine gute Sache, weil sie Beweis sind für Fairness, Transparenz und Beteiligung“, sagt Martin Kannegiesser, der Präsident von Gesamtmetall, dieser Zeitung. Allerdings funktioniere dies nur für den einzelnen Betrieb. Die Branche habe sich sehr unterschiedlich entwickelt. Jedes fünfte Unternehmen habe 2011 keinen Gewinn erwirtschaftet. „Prämienregeln dürfen also keineswegs als Maßstab für den Flächentarif missbraucht werden“, sagte Kannegiesser. Die IG Metall sieht das naturgemäß anders. „Die Erfolgsprämien ergänzen die Tariferhöhungen, sie ersetzen sie nicht“, heißt es aus der Frankfurter Zentrale. Die Höhe der Tarifforderung orientiere sich am Durchschnitt der Branche und sei angesichts einer Nettorendite der Branche von insgesamt rund 40 Milliarden Euro bezahlbar.

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Während viele der spektakulären Konzernboni freiwillig bezahlt werden, haben Mittelständler häufig feste Modelle für die Gewinnbeteiligung ihrer Mitarbeiter aufgestellt. Die Höhe richtet sich dort nach der Entwicklung betrieblicher Kennzahlen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ging für 2009 davon aus, dass im Durchschnitt knapp jedes zehnte Unternehmen in Deutschland seine Mitarbeiter beteiligte. Unter den Großunternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten war es schon jedes dritte. Heinrich Beyer von der Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft rechnet damit, dass bei Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten mittlerweile der Wert von 40 Prozent überschritten ist. „Seit der Krise nimmt die Nachfrage vor allem aus dem Mittelstand zu“, sagt Beyer.

Quelle: F.A.Z.

 
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