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Post-it-Wettstreit am Fenster : Bloß nicht verzetteln

Materialschrank geplündert: 25.000 Post-its an der BBDO-Fassade. Bild: Unternehmen

Mit bunten Klebezetteln heften Angestellte in Frankreich schon seit dem Sommer immer wieder kleine Kunstwerke an die Fensterscheiben ihrer Büros. Nun findet die Idee auch in Deutschland Nachahmer.

          In Montreuil fing alles an. Als im Sommer in dem Pariser Vorort die Arbeit in den Büros weniger wurde, wurden die Mitarbeiter des Computerspielentwicklers Ubisoft so richtig kreativ. Mit bunten Klebezetteln hefteten sie Aliens von innen an die Fensterscheiben. Es dauerte nicht lange, bis die pixelartigen Figuren Nachahmer auf den Plan riefen. Die Angestellten der Großbank BNP Paribas von gegenüber, offenbar ebenfalls nicht voll ausgelastet, klebten ihrerseits ein Raumschiff aus Notizzetteln ans Fenster.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Ein regelrechter Post-it-Wettstreit war entbrannt, allerorten entstanden in der französischen Sommerpause ähnliche Kunstwerke, beflügelt durch eine eigene Internetseite und Facebook, wo die Hobbykünstler Fotos ihrer neuesten Zettelwerke veröffentlichten. Die entsprechende Seite zählt mittlerweile mehr als 41.000 Fans.

          Jetzt ist die Bewegung auch in Deutschland angekommen. Zwar noch nicht in den Frankfurter Bankentürmen, aber in Werberkreisen. In Hannover etwa klebten Mitarbeiter der Agentur Diffferent Elmo aus der Sesamstraße auf ihre Scheiben. Und auch in Hamburg werden die Büromaterial-Schränke geplündert. In den vergangenen Wochen übten sich dort schon einige kleinere Agenturen in der Fensterkunst.

          „Elmo” aus der Sesamstraße (l) und eine „Hello Kitty”-Figur an einem Bürofenster in Hannover
          „Elmo” aus der Sesamstraße (l) und eine „Hello Kitty”-Figur an einem Bürofenster in Hannover : Bild: dpa

          Das weckte den Ehrgeiz der Kreativen von BBDO, einer der führenden Adressen der Branche. Mit 25.000 Post-its klebten sie nun „Die Erschaffung Adams“ aus dem Deckenfresko von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle an ihre Scheiben. 20 Mitarbeiter waren damit einen halben Tag lang beschäftigt. Wie viele Zettel welcher Farbe wohin gehören, wurde zuvor mit einem Bildbearbeitungsprogramm akribisch ausgetüftelt. Über mehrere Etagen zieht sich das Gebilde. Zwei Wochen sollen die Zettel hängen bleiben, dann will die Agentur sie auf Ebay für einen wohltätigen Zweck versteigern.

          Über etwaige Umsatzsteigerungen der Notizzettel-Industrie ist bislang nichts bekannt. Auch Beschwerden der Arbeitgeber über liegengebliebene Projekte gab es noch keine – zumindest wurden sie nicht laut geäußert.

          Die Mitarbeiter betonen, der Wettstreit habe auch eine soziale Komponente. So kämen in der Mittagspause plötzlich Beschäftigte aus benachbarten Bürohochhäusern ins Gespräch, die früher nichts miteinander zu tun gehabt hätten. Die BBDO-Mannschaft wirkte im Übrigen arbeitgeberfreundlich an einem Sonntag. Manche der Mitarbeiter machten einen Familienausflug daraus – ihre Kinder klebten eifrig mit.

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