28.07.2005 · Mit der Kür von Dieter Zetsche hat sich der Aufsichtsrat von Daimler-Chrysler für das größtmögliche Kontrastprogramm zu Jürgen Schrempp an der Spitze des Konzerns entschieden. Doch ein abrupter Strategiewechsel ist nicht zu erwarten.
Mit der Kür von Dieter Zetsche hat sich der Aufsichtsrat von Daimler-Chrysler für das größtmögliche Kontrastprogramm zu Jürgen Schrempp an der Spitze des Automobilkonzerns entschieden. Doch ein abrupter Strategiewechsel ist nicht zu erwarten: Vor allem in den Vereinigten Staaten ist der 52jährige Chrysler-Chef zu einem positiven Symbol für die lange umstrittene transatlantische Fusion geworden.
Wo der kantige Schrempp sich außerhalb der Pflichttermine zuletzt so rar wie möglich machte und in Interviews einstudierte Durchhalteparolen von sich gab, bevorzugt Zetsche oft lockeren Small-Talk mit Journalisten und Messebesuchern. Gerne zeigt er Gesprächspartnern immer wieder auch stolz die Urkunde, die ihn als Ehren-Feuerwehrmann von Auburn Hills auszeichnet. „Mit Zetsche dürfte nun frischer Wind einkehren bei Daimler-Chrysler“, gibt ihm Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler Vorschußlorbeeren.
Sanierung Chryslers als Basis für den Aufstieg
Als einziger aus dem Vorstand wagte Zetsche es vor gut einem Jahr, öffentlich Wolfgang Bernhard beizustehen, nachdem der noch vor seinem geplanten Amtsantritt als Mercedes-Chef unfreundlich aus dem Vorstand gedrängt wurde. „Es ist ein sehr guter Freund von mir“, sagte Zetsche damals über seinen Vize Bernhard. Die Leute bei Chrysler seien über seinen Abgang enttäuscht. Mit dieser Äußerung habe der Chrysler-Chef seine Chancen auf die Schrempp-Nachfolge drastisch verschlechtert, glaubten Branchenexperten damals. Als Schrempps Wunschkandidat galt daher der neue Chef der Mercedes-Pkw-Sparte, Eckhard Cordes. Dieser hatte Schrempp im Vorstand stets die Stange gehalten, auch als die übrigen Manager den Ausstieg bei Mitsubishi und damit das Ende von Schrempps „Welt-AG“ erzwangen.
Nun schaffte doch der Chrysler-Mann Zetsche den großen Sprung an die Spitze. „Ich will nur eine herausfordernde und spannende Aufgabe“, hatte er stets tiefgestapelt. Die Basis für seinen Aufstieg legte er mit der erfolgreichen Sanierung von Chrysler. Bei seinem Amtsantritt vor den Toren Detroits im November 2000 mußte er noch mit Vorbehalten gegenüber seiner Person kämpfen. Er werde Chrysler „germanisieren“, fürchteten die Amerikaner, als er den glücklosen Jim Holden ersetzte.
Freightliner Sanierung als erste Großaufgabe
Nur drei Monate später kündigte der großgewachsene Mann mit dem markanten Schnauzbart und der hohen Stirn an, binnen drei Jahren rund 25.000 der 128.000 Arbeitsplätze bei Chrysler zu streichen, zum überwiegenden Teil allerdings ohne Kündigungen. „Trotz seiner freundlichen Art ist Zetsche einer der härtesten Manager, die ich kenne“, beschrieb ihn ein Konzernkenner bei seinem Start am Firmensitz Auburn Hills. Und die amerikanischen Kollegen lernten ihn schnell schätzen.
Seit 2003 schreibt Chrysler wieder schwarze Zahlen. Im Preiskrieg auf dem umkämpften amerikanischen Automobilmarkt steht Chrysler weit besser da als GM und Ford. Im Gegensatz zu den größeren amerikanischen Konkurrenten verdient Chrysler im eigentlichen Autogeschäft Geld, kann sogar die Einbußen von Mercedes-Benz teilweise ausgleichen. Zetsche setzte auf neue, begehrenswerte Nischen- und Volumenmodelle statt auf immer niedrigere Preise. Eine Trennung von Chrysler, wie sie von Analysten immer gefordert wird, ist für Zetsche kein Thema.
Seine Sanierungskünste hatte er schon 1991 beim amerikanischen Lastwagenhersteller Freightliner demonstriert, den er mit harten Schnitten aus den roten Zahlen führte. Danach rückte der in Istanbul geborene Diplom-Ingenieur und Vater von drei Kindern 1992 in den Vorstand von Mercedes-Benz auf, ab 1995 leitete er den Vertrieb von Mercedes, seit 1998 des fusionierten Konzerns. 1999 wechselte er an der Spitze der Nutzfahrzeug-Sparte, in der er mit 23 Jahren nach einem Studium der Elektrotechnik seine Karriere „beim Daimler“ begonnen hatte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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