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Porträt Die Protagonisten des Übernahmekampfes

19.10.2003 ·  Wie sind die Rollen verteilt im Bieterkampf um Beiersdorf? Kurze Porträts vom „Chef“, dem „Angreifer“, dem „Verkäufer“, dem „Strategen“ und dem „Verteidiger“, um den Wirtschaftskrimi besser zu verstehen.

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Wie sind die Rollen verteilt im Bieterkampf um Beiersdorf? Kurze Porträts vom „Chef“, dem „Angreifer“, dem „Verkäufer“, dem „Strategen“ und dem „Verteidiger“, um den Wirtschaftskrimi besser zu verstehen.

Der Chef

Rolf Kunisch hat alles erreicht in seiner beruflichen Laufbahn. Der Beiersdorf-Chef, Jahrgang 1941, ist selbstbewußt genug, um sogar dem Großaktionär Allianz die Stirn zu bieten. Die jahrelange Hängepartie in der Eigentümerstruktur hat Kunisch nicht gehindert, Beiersdorf zu einem schnell wachsenden Konzern zu machen, dessen Umsatz seit 1994 auf 4,7 Milliarden Euro verdoppelt wurde. Marketingexperte Kunisch ist seit 1991 bei dem Hersteller von Kosmetik, Körperpflege und Klebebändern. Davor war er viele Jahre bei Procter & Gamble, ebenjenem Konzern, der jetzt nach Beiersdorf greifen will. Kunisch weiß aus eigener Erfahrung, was das für ihn und sein Unternehmen hieße. Und will sich das lieber nicht vorstellen.

Der Angreifer

Wer Alan G. Lafley sieht und ihn reden hört, glaubt nicht, daß dieser Mann beim Konsumgüterriesen Procter & Gamble knallhart durchgegriffen hat und auch sonst wenig zimperlich ist. Denn Lafey ist charmant, witzig. Und er wirkt ruhig und ausgeglichen. Seit Lafley CEO bei Procter & Gamble ist, wird der Hersteller von Pampers-Windeln, Ariel-Waschmitteln und Pringles-Kartoffelchips immer genannt, wenn irgendwo auf der Welt ein Markenartikler zum Verkauf steht.

Das war früher anders. Bevor der 56 Jahre alte Amerikaner vor drei Jahren den glücklosen Vorgänger Durk Jager ablöste, steckte Procter & Gamble in Schwierigkeiten. Lafley brachte den Konzern schnell auf Kurs und baute 10.000 der gut 100.000 Arbeitsplätze ab. Der Mann mit dem Bürstenhaarschnitt ist seit 26 Jahren bei Procter & Gamble. Als ehemaliger Harvard-Student machte er zielstrebig Karriere. Sich selbst bezeichnet er als "typischen Amerikaner": Die Vorfahren des Vaters waren Frankokanadier, die Mutter indio-amerikanischer Abstammung. "Ich bin eine Mischung aus beiden", sagt Lafley über sich.

Sein Ehrgeiz ist es, Procter & Gamble auf allen strategisch wichtigen Märkten zur Nummer eins zu machen. Als er zuletzt Schwächen in der Haarkosmetik ausmachte, kaufte er das Darmstädter Familienunternehmen Wella. "Die werden jetzt zerlegt", mutmaßen Branchenkenner. Für einen wie Lafley wäre das kein Problem.

Der Verkäufer

Als Finanzvorstand der Allianz ist der Österreicher Paul Achleitner für die Beteiligungen des Versicherungskonzerns zuständig. Als der ehemalige Chef von Goldman Sachs Deutschland vor drei Jahren zur Allianz gewechselt ist, wurde dies von den Märkten als Signal gesehen, daß dort nun die Entflechtung der Deutschland AG beginnt. Die Allianz-Beteiligung an Beiersdorf war deshalb schon lange Thema von Spekulationen. Achleitner würde "barfuß von München nach Hamburg laufen", wenn er endlich einen Käufer für sein Aktienpaket an dem Nivea-Produzenten präsentieren könnte, wurde in der Hansestadt schon über den Top-Manager gespottet.

Achleitner wurde am 28. September 1956 in Linz geboren. Nach dem Abitur studierte er an der Hochschule St. Gallen Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften. Nach Promotion und einer Station als Visiting Fellow an der Harvard Business School startete er 1984 seine Manager-Karriere in der Beratungsfirma Bain. Vier Jahre später wechselte er zur Investmentbank Goldman & Sachs. Von 1994 bis 1999 führte er deren Geschäft in Deutschland. Nach dem Wechsel zur Allianz war er dort auch als möglicher Nachfolger für Vorstandschef Schulte-Noelle gehandelt worden.

Der Verteidiger

Finanzsenator Wolfgang Peiner ist die treibende Kraft in der Regierung der Hansestadt, der den Abzug von Unternehmen aus dem Stadtstaat verhindern will. Zusammen mit seinem Freund und Kollegen, Wirtschafssenator Gunnar Uldall, hat er die Initiative gestartet, um mit Hilfe eines Konsortiums den Verkauf von Beiersdorf an ausländische Hände zu verhindern.

Als Betriebswirt, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer ist Peiner in der Wirtschaft ebenso verankert wie in der Politik. Seit 40 Jahren gehört er der CDU an. Peiner wurde am 14. November 1943 als Sohn eines Malermeisters in Hamburg geboren. Nach der Handelsschule lernte er bei der Spedition Kühne & Nagel, studierte nach dem Abitur an der Abendschulde Betriebswirtschaftslehre und wurde 1973 promoviert. Seine Geburtsstadt hat er 1984 verlassen, um in die Versicherungswirtschaft - genauer: in den Vorstand des Gothaer Konzerns - zu wechseln. Als die Gothaer und die Berlin-Kölnische 1997 zur Parion zusammengeführt wurden, wurde Peiner Chef des größten Verbundes deutscher Versicherungsvereine. Nach dem Wahlsieg der CDU im Herbst 2001 war Peiner sofort bereit, politische Verantwortung zu übernehmen.

Der Stratege

Der Chef der Tchibo-Holding, Dieter Ammer, ist ein Mann für schwere Fälle. Seine Erfahrungen mit Fusionen und Übernahmen können nur hilfreich sein in der Auseinandersetzung mit Procter & Gamble. Ammers erstes Meisterstück: Er schmiedete in den neunziger Jahren aus regionalen Zuckerherstellern, an denen norddeutsche Rübenbauer beteiligt waren, die Nordzucker AG. Dabei mußte er den Widerstand vieler Landwirte brechen. Sein zweites Meisterwerk lieferte er als Vorsitzender der Geschäftsführung der Bremer Großbrauerei Beck ab. Er überzeugte die 67 Anteilseigner des Traditionsunternehmens davon, die Firma loszuschlagen. Der gebürtige Bremer glaubte nicht, daß Beck auf sich alleine gestellt überleben würde. Phänomenale 1,8 Milliarden Euro holte Ammer in den Verkaufsverhandlungen heraus. Die Firma ging an den belgischen Bierkonzern Interbrew.

Das Ungewöhnliche an dieser stategischen Entscheidung war Ammers eigene Rolle. Er mußte damit rechnen, seinen Job bei einer Übernahme zu verlieren - ein Grund, warum Vorstände Übernahme-Offerten gelegentlich als feindlich einstufen. Für Ammer ging dann doch alles gut aus. Er bekam eine schöne Prämie - 15 Millionen Euro werden genannt - und wurde dann Chef der Tchibo-Holding. Dort hat er zwei Spitzenmanager rausgeworfen. Nun soll Tchibo schnell wachsen. Die Hamburger Lösung für Beiersdorf treibt er so diskret wie forsch voran.

hpe.

Quelle: hpe.; mec.; wvp.; Sch.; Frankfurter Allegmeine Sonntagszeitung 19.10.2003
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