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Porsche : Wiedeking tritt zurück

  • Aktualisiert am

„Ich bin in Deutschland voll steuerpflichtig”: Wendelin Wiedeking Bild: picture-alliance/ dpa

Nach einer dramatischen Nachtsitzung verkündete der Aufsichtsrat: Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Finanzvorstand Holger Härter verlassen das Unternehmen. An die Spitze rückt der bisherige Produktionsvorstand Michael Macht. Wiedeking soll eine Abfindung von 50 Millionen Euro erhalten, von der die Hälfte in eine soziale Stiftung geht.

          Wendelin Wiedeking tritt mit sofortiger Wirkung als Chef von Porsche zurück. Nachfolger wird der bisherige Produktionsvorstand Michael Macht an (siehe auch Michael Macht: Der Ziehsohn ). Auch Finanzvorstand Holger Härter, der maßgeblich an den riskanten Optionsgeschäften zum Kauf von Volkswagen beteiligt war, verlässt den Sportwagenhersteller. Das teilte das Unternehmen am Donnerstagmorgen nach einer mehrstündigen nächtlichen Aufsichtsratssitzung mit.

          Wiedeking hatte Porsche von 1993 an geleitet. Er übernahm Porsche 1993 als angeschlagenes Unternehmen. In den fast 17 Jahren seither formte er den Sportwagenbauer - nach Unternehmensangaben - zu einem der lukrativsten Autobauer der Welt.

          In der Marathonsitzung des Aufsichtsrats, die bereits am späten Mittwochnachmittag begonnen hatte und sich bis knapp 7 Uhr am Donnerstag hinzog, hatte das strauchelnde Unternehmen auch eine Kapitalerhöhung von mindestens fünf Milliarden Euro beschlossen. Zudem solle der Vorstand den Einstieg des Golfemirats Qatar zum Abschluss bringen. Porsche drückt eine Schuldenlast von zehn Milliarden Euro.

          Auch Finanzvorstand Holger Härter verlässt Porsche

          50 Millionen Euro Abfindung - deutlich weniger als erwartet

          Der Aufsichtsrat hat Wiedeking als Kompensation für die Auflösung seines Vertrags, der noch bis 2012 läuft, 50 Millionen Euro angeboten. Die Hälfte davon soll an eine soziale Stiftung gehen. Wiedeking akzeptierte dieses Angebot ebenso wie Härter, dem ein Ausgleich von 12,5 Millionen Euro offeriert wurde.

          Damit verzichten Wiedeking und Härter den Angaben zufolge auf dienstvertragliche Ansprüche in erheblichem Umfang. Vor seinem Aus als Porsche-Chef waren heftige Diskussionen über die Höhe der Wiedeking-Abfindung entbrannt. In Medienberichten wurde erst über eine Summe von 100 Millionen Euro spekuliert, zuletzt sogar über eine gigantische Rekordabfindung von 250 Millionen Euro. Das wäre mehr gewesen, als bislang jemals an einen gescheiterten Manager gezahlt wurde.

          Wiedeking gibt persönliche Erklärung ab

          In einer persönlichen Erklärung erläuterte der 56-Jährige: „Persönliche Gründe, aber auch meine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, veranlassen mich, einen erheblichen Betrag für soziale Zwecke zur Verfügung zu stellen.“ Am Porsche-Stammsitz in Stuttgart-Zuffenhausen wolle er eine gemeinnützige Stiftung gründen, die „eine sozial gerechte Entwicklung an allen Porsche-Standorten unterstützen“ soll. Er werde auch Geld spenden. Ein Teil werde „notleidenden
          Journalisten im Alter“ helfen.

          Zudem betonte Wiedeking: „Ich bin in Deutschland voll steuerpflichtig, so dass die Hälfte meiner Einkünfte als Steuer an den Staat geht.“

          Nach dem Rücktritt Wiedekings gilt die schrittweise Übernahme des Sportwagenherstellers durch den VW-Konzern als sicher. Die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch sollen sich darauf geeinigt haben, dass VW Porsche kaufen und als zehnte Marke in den Konzern eingliedern wird (Bild für Bild: Die zehn Marken des VW-Porsche-Konzerns). Wiedeking hatte dagegen für die Eigenständigkeit des Sportwagenbauers gekämpft. Er hatte unter anderem auf Qatar als neuen Geldgeber und Investor gesetzt.

          Wolfgang Porsche findet „alles wunderbar“

          Am Donnerstagvormittag ist nun der Aufsichtsrat von Volkswagen in Stuttgart zusammengekommen, um die Modalitäten zur Übernahme des Sportwagenbauers Porsche zu beraten. Zunächst tagte das Präsidium unter Leitung von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. Für den frühen Nachmittag wird eine Stellungnahme des niedersächsischen CDU-Regierungschefs Christian Wulff erwartet. Wulff sitzt im VW-Aufsichtsrat, weil das Land gut 20 Prozent der VW-Aktien hält und durch das reformierte VW-Gesetz noch ein Vetorecht in allen wichtigen Fragen besitzt.

          Am Morgen hatte Wulff bereits erklärt, er begrüße die Grundsatzentscheidung des Porsche-Aufsichtsrats für einen integrierten Autokonzern aus Volkswagen und Porsche „außerordentlich“. Qatar sei „ein stabiler Ankeraktionär, der ein langfristiges und nachhaltiges Interesse an dem integrierten Automobilkonzern VW/Porsche hat“. Der CDU-Politiker bedankte sich zudem bei den Familien Porsche und Piech dafür, „dass sie den Weg für einen integrierten Konzern frei gemacht haben“. Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche sagte auf seinem Weg zur Volkswagen-Aufsichtsratssitzung in Stuttgart zu den wartenden Journalisten lediglich: „Es ist alles wunderbar.“ Mit Porsche werde es „positiv“ weitergehen.

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