http://www.faz.net/-gqe-76sjc
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 14.02.2013, 07:46 Uhr

Politischer Aschermittwoch Steinbrück im Zelt

Auch wenn Steinbrück nicht der perfekte Kanzlerkandidat ist, sein Auftritt im Bierzelt kommt nahe ran. Die CDU sollte aufpassen und ihn - und die inhaltlichen Ideen der SPD - nicht unterschätzen.

von
© dpa Im Bierzelt stimmte die Stimmung bei Kanzlerkandidat Steinbrück

Am politischen Aschermittwoch lässt sich testen, was im Volk ankommt. Peer Steinbrück hat diesen Test bitter nötig, der SPD-Kanzlerkandidat sucht seinen Fehlstart vergessen zu machen. Doch einen Ton, der Selbstsicherheit und Siegesgewissheit ausstrahlt, hat er noch nicht gefunden. Die alte Poltrigkeit trägt ihm im Bierzelt zwar Beifall ein, wirkt aber nun ziemlich aufgesetzt. Beruhigt haben dürfte es jedoch viele in seiner Partei, dass seine Rede inhaltlich keinerlei Überraschungen geboten hat.

Heike Göbel Folgen:

In Vilshofen war ein Steinbrück zu sehen, der der Rolle, die ihm die SPD im Wahlkampf zugedacht hat, wohl schon ziemlich nahe kommt. Steinbrück präsentierte sich mit seinen Verdiensten als Finanzminister der großen Koalition, der in der Bankenkrise die Sparbücher des kleinen Mannes und mit der Abwrackprämie die Autoindustrie gerettet hat. Als vorzeigbar gilt in der SPD auch seine „Kavallerie“-Attacke auf das Schweizer Bankgeheimnis, der Steinbrück längere Redepassagen widmet. Nachdem er sich selbst hinreichend gewürdigt hat, liefert Steinbrück, ziemlich routiniert, das sozialdemokratische Kernangebot: Abschaffung des Betreuungsgeldes, dafür Ausbau der staatlichen Kinderbetreuung und 850 Euro Mindestrente für Geringverdiener. Gern streicht er hervor, für die Finanzierung würden „einige Steuern für einige“ angehoben. Die Aufzählung - Spitzensteuersatz der Einkommensteuer, Kapitalertragsteuer und Vermögensteuer - soll nahelegen, dass nur die „obere Etage“ Geld verlieren wird, wenn sie SPD wählt. Zusammengezuckt sein wird mancher Anhänger vielleicht bei Steinbrücks Formulierung, es gehe um „mehr Gemeinwohl, weniger ich“.

Er kommt langsam in Form

Mitnehmen dürften CDU und CSU aus diesem Aschermittwoch die Erkenntnis: Steinbrück hat seine Handicaps nicht überwunden, findet aber langsam in eine Form, die ihn noch zu einem gefährlichen Wettbewerber machen könnte. Womöglich gilt das Bonmot, Steinbrück sei Merkels bester Wahlkämpfer, nicht mehr lange. Die Union sollte ihn nicht unterschätzen. Inhaltlich ist die Auseinandersetzung mit der SPD nicht leicht zu gewinnen: In der Familienpolitik hat die SPD derzeit wohl die populärere Position. Ihr Rentenkonzept ist völlig unfinanzierbar, doch da sich die Union über ein Gegenmodell zerstritten hat, ist sie auch hier verwundbar. Selbst die Steuerpolitik ist schwieriges Gelände, wenn die Union nicht bald mehr tut, um aufzudecken, wie teuer die SPD-Pläne auch für die Mitte werden.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Wahlkampf in Amerika Die Lügen der anderen

Eine objektive Betrachtung der beiden Kandidaten ist kaum mehr möglich. Die amerikanischen Wähler können nicht einmal mehr beurteilen, wer ein Lügner ist. Ein Kommentar. Mehr Von Andreas Ross, Washington

26.08.2016, 10:19 Uhr | Politik
Amerika Rassismusvorwürfe im Wahlkampf

Harter Schlagabtausch im amerikanischen Wahlkampf: Bei einer Rede in Reno, im Bundesstaat Nevada, wirft die Kandidatin der Demokraten, Hilary Clinton, ihrem Kontrahenten Donald Trump Rassismus vor. Mehr

26.08.2016, 19:39 Uhr | Politik
Trumps Wahlkampfchef Bannon Breitseiten erst für Amerika, dann für Europa

Dass Donald Trump den Rechtsaußen-Blogger Stephen Bannon zum Wahlkampfchef berufen hat, finden viele Amerikaner zum Fürchten. Dabei hat Bannon mit dem Portal Breitbart News angeblich noch etwas anderes vor. Mehr Von Nina Rehfeld, Phoenix

27.08.2016, 10:10 Uhr | Feuilleton
Tüftler aus Italien Selbstgebaute Sportwagen von Filandi

Moreno Filandi träumte von einem schicken Sportwagen. Genug Geld dafür hatte er allerdings nicht. Deswegen baut der italienische Automechaniker sich in seiner Freizeit einfach seine eigenen Sportwagen: Zum Beispiel den Filandi Uragano, ein Supersportwagen mit 600 PS und 340 km/h Spitzengeschwindigkeit. Mehr

26.08.2016, 17:50 Uhr | Technik-Motor
Open Access Neues aus der Forschung zum Nulltarif

Wissenschaftler veröffentlichen ihre Ergebnisse für jeden zugänglich im Internet - Open Access nennt sich das Modell. So verlockend es klingt, ein paar Schwierigkeiten gibt es doch. Mehr Von Bettina Wolff

28.08.2016, 06:06 Uhr | Beruf-Chance

Nach dem Golde drängt alles

Von Christian Siedenbiedel

Schon in Goethes „Faust“ heißt es: „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles“. Was aber rückt das Gold heute wieder so in den Mittelpunkt des Interesses der Anleger? Der Brexit? Sorgen um die Weltwirtschaft? Etwas ganz anderes? Mehr 12 18

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden