05.06.2008 · Politisch gut vernetzte Unternehmen steigern ihren Marktwert. Das trifft offenbar allerdings nicht nur in rechtsstaatlich bedenklichen Bananenrepubliken zu, sondern auch in Amerika oder Deutschland. Zumindest zeigen dies neuere Studien.
Von Philip PlickertDie politische Nähe eines Unternehmens zu den Parteien und ihrem Personal zahlt sich finanziell aus. Das Unternehmen profitiert davon, weil es möglicherweise staatliche Aufträge, eine Subvention oder eine begünstigende Regulierung erhält. Das trifft offenbar nicht nur in rechtsstaatlich bedenklichen Bananenrepubliken zu, sondern auch in den Vereinigten Staaten oder in Deutschland. Zumindest zeigen neuere Studien, dass börsennotierte Konzerne, die aktive oder ehemalige Politiker für Vorstands- oder Aufsichtsämter gewinnen, ihren Marktwert signifikant steigern gegenüber Unternehmen, die politisch nicht oder mit der falschen Partei vernetzt sind.
Den wissenschaftlichen Beweis für diese These haben die Ökonomen Eitan Goldman (Indiana Universität), Jörg Rocholl (ESMT Berlin) und Jongil So (Universität von North Carolina) in einer kürzlich vorgestellten Studie geliefert. Sie haben die Konzerne des amerikanischen S&P-500-Index danach sortiert, ob in ihrem „Board“, also in der Unternehmensführung, Manager mit politischen Verbindungen sitzen, etwa frühere Regierungsmitglieder, Senatoren, Abgeordnete oder Parteiführer.
Bei 153 der 500 Konzerne war dies der Fall, wovon 78 als „republikanische“ und 47 als „demokratische“ Unternehmen und der Rest als parteipolitisch gemischt eingestuft wurden. In den Tagen nach dem knappen Wahlsieg der Republikaner im Jahr 2000 verzeichnete ein gewichtetes Depot mit Aktien der „republikanischen“ Firmen einen Kurssprung von 3 Prozent, haben die Ökonomen errechnet. „Das republikanische Portfolio weist in der Folge der Wahl eine kumulative anomale Rendite auf, während umgekehrt das demokratische Portfolio eine anomal negative Rendite aufweist“, heißt es in der Studie.
Politiker auf der Gehaltsliste
Allerdings haben die Forscher keine auffällige Verteilung der Industriestruktur der Depots festgestellt: Republikaner und Demokraten sind in allen Branchen etwa gleichmäßig verteilt. Offensichtlich überdurchschnittlich gut sind die Banken politisch vernetzt (mit leichtem republikanischem Übergewicht) und die Versorger (mit demokratischem Übergewicht). „Es geht in der Studie aber nicht um spezielle Industriepräferenzen der Parteien – etwa die Ölindustrie-Affinität der Republikaner oder die Medien-Affinität der Demokraten –, sondern um konkrete politische Verbindungen der Unternehmen“, erklärt Rocholl. „Da zeigt sich, dass persönliche Verbindungen zählen.“
Auch für Deutschland haben zwei Ökonomen mit einer ähnlichen Studie statistisch belegt, dass es sich für Unternehmen auszahlt, wenn sie Politiker auf ihrer Gehaltsliste stehen haben: Ausweislich der Nebeneinkünfteangaben waren 2006 95 Parlamentarier (davon deutlich überproportional viele von CDU/CSU und FDP) für 28 börsennotierte Unternehmen tätig, als Vorstände, Aufsichtsräte, Berater oder Vortragsredner. Die Aktienkurse dieser 28 Unternehmen entwickelten sich um 18 Prozent besser als die Kurse der übrigen C-Dax-Unternehmen, haben die Kölner Ökonomen Alexandra Niessen und Stefan Ruenzi errechnet.
Auffällige Kursausschläge an den Börsen
Allerdings müssten die Ergebnisse mit großer Vorsicht interpretiert werden, warnen die beiden Autoren in ihrer Studie. Eine Erklärung des überdurchschnittlich guten Abschneidens der 28 Unternehmen könne sein, dass die Abgeordneten ihnen zu Aufträgen und Vorteilen verholfen hätten. Es könne aber auch sein, dass überhaupt nur erfolgreiche Unternehmen sich leisten könnten, Politiker zu verpflichten, argumentieren die Autoren.
Dass die parteipolitische Richtung eine Rolle für den Börsenerfolg spielt, zeigt in aller Deutlichkeit die Studie von Goldman, Rocholl und So. Als vor den amerikanischen obersten Gerichten im Dezember 2000 um die erneute Auszählung der Stimmen in Florida gerungen wurde, waren auffällige Kursausschläge an den Börsen zu beobachten: Ein Beschluss zur Nachzählung, die einen demokratischen Sieg wahrscheinlicher machte, ließ das „demokratische“ Depot um 1,5 Prozent in die Höhe schnellen, während das „republikanische“ Depot um 1,3 Prozent verlor; nach dem endgültigen Richterbeschluss, dass es keine Nachzählung geben werde, gewann hingegen das „republikanische“ Depot, während die Kurse der Unternehmen mit demokratischen „Board“-Mitgliedern um 1,6 Prozent verloren. Auch diesen Herbst könnte es zur amerikanischen Präsidentenwahl wieder spannend werden, wenn Anleger ihre Depots nach dem politischen Wind hängen können.