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Risikoabsicherung

Pleite-Szenarien Großbanken machen ihr Testament

Als eine Lehre aus der weltweiten Finanzmarktkrise müssen sich in Amerika tätige Großbanken auf eine mögliche Pleite vorbereiten. Jetzt hat die Fed die Pläne der Banken veröffentlicht, wie sie bei einem Kollaps abgewickelt werden sollen. Auch die Deutsche Bank gibt Einblick in ihr Testament.

© AFP Vergrößern Auch Morgan Stanley hat eine mögliche Insolvenz durchgespielt

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve und die amerikanische Einlagensicherung Federal Deposit Insurance Corp. (FDIC) haben am Dienstag die Zusammenfassungen der Testamente von UBS, Deutscher Bank, Credit Suisse Group und Bank of America, Barclays, Goldman Sachs, JPMorgan, Morgan Stanley und Citigroup veröffentlicht.

Die Fed hatte die Institute zu dem Schritt aufgefordert, um eine endgültige Regelung zur Abwicklung systemrelevanter Finanzinstitute in einem Notfall zu bekommen. Die Kreditinstitute mussten dafür eine Art Testament bei den Behörden hinterlegen. Darin zeichneten sie auf, wie sie im Falle einer Insolvenz zügig entflochten werden könnten.

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Die Regelung ist Teil des Dodd-Frank-Gesetzes, mit dem die amerikanische Regierung die Konsequenzen aus dem Zusammenbruch der Traditionsbank Lehman Brothers und der daraus folgenden weltweiten Krise ziehen wollte. Große Banken stehen in dem Verdacht, zu große Risiken auf sich genommen zu haben - mit dem Kalkül, ohnehin im Notfall vom Staat aufgefangen zu werden („too big to fail“). Dieser Leichtsinn gilt als eine Ursache der weltumspannenden Finanzkrise.

In der ersten Runde mussten nun zunächst lediglich neun Branchenvertreter ihre Liquidierungspläne vorlegen. Bis Ende 2013 soll der Kreis dann auf 125 Banken ausgeweitet werden. Veröffentlicht wurde aber nur ein kleiner Teil der Testamente - bei der Deutschen Bank gerade einmal 29 Seiten. Tausende von Seiten, auf denen die Institute ihre genauen Pläne darlegen, bleiben geheim.

Am besten „schnell verkaufen“

Einige Banken erklärten in ihren Liquidierungsplänen, dass es möglich sei, das Hauptgeschäft zu retten - und zwar durch den Verkauf von eigenständigen Geschäftsbereichen. Solche Aussagen kamen unter anderem von Goldman Sachs. Die Bank machte allerdings deutlich, dass ein Verkauf „schnell” erfolgen muss. Mögliche Käufer sind den Angaben von Goldman Sachs zufolge wohl andere Finanzdienstleister, Beteiligungsgesellschaften, Versicherer und Staatsfonds.

Allerdings hatte die amerikanische Aufsicht von den Banken bei der Erarbeitung der einzelnen Testamente verlangt, dass sie von normal funktionierenden Märkten ausgehen - also, dass Käufer für größere Übernahmen ohne Einbindung des Staates bereitstehen. Genau das war allerdings nicht der Fall, als Firmen wie Bear Stearns Cos. zusammenbrachen.

Deutsche Bank rechnet bei Abwicklung nur mit „minimalen Störungen“

Die Deutsche Bank, bei der große Teile des Investmentbanking von New York aus gelenkt werden, setzt darauf, dass ihre deutsche „Brückenbank“, in der die überlebensfähigen Teile gesammelt sind, im Ernstfall auch die Töchter in den Vereinigten Staaten mit Liquidität und Kapital versorgen könnte, wenn die deutsche Bankenaufsicht BaFin eine Abwicklung der größten deutschen Bank beschließen würde. Einige Teile könnten verkauft, andere müssten wohl geschlossen werden. Beides aber könne „nach Ansicht der Deutschen Bank auf geregelte Weise und mit minimalen Störungen im System umgesetzt werden“, heißt es in dem Dokument. Auch grenzüberschreitende Themen ließen sich ohne größere Probleme lösen. Die Deutsche Bank hat nach eigenen Angaben mehr als 2900 rechtliche Einheiten in 72 Ländern weltweit.

Citigroup, die Nummer drei unter den amerikanischen Banken mit Aktivitäten in mehr als 100 Ländern, kann sich eine Abspaltung der Einlagen-Bank-Sparten von den Broker-Dealer-Sparten vorstellen, welche mit Aktien und Anleihen handeln. Während der Mutterkonzern dann in die Insolvenz gehen und die Broker-Dealer- Bereiche verkaufen würde, würde Citibank als „kleinere, aber rekapitalisierte und lebensfähige Bank” weiterleben.

Die UBS ist wegen ihrer Größe der Meinung, dass nur die sehr großen Wettbewerber in der Lage seien, ihre Geschäfte in einer Krise aufzukaufen. UBS-Konkurrent Credit Suisse hat Hedgefonds sowie Banken und Wertpapierunternehmen als seine bevorzugten Käufer auserkoren. JP Morgan Chase hält seine Kernaktivitäten für „hochgradig attraktiv“, so dass es viele verschiedene potentielle Käufer gebe. Von Morgan Stanley und Bank of America liegen nur sehr knappe Zusammenfassungen vor.
 

Quelle: FAZ.NET mit Bloomberg, Reuters, Dow Jones

 
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