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Pipeline-Eröffnung : Nord Stream liefert Gas

  • Aktualisiert am

Rohr frei: Angela Merkel und ihre Politikerkollegen bei der Eröffnung der Nord-Stream-Pipeline Bild: AFP

Nach den Worten von Bundeskanzlerin Merkel ist die Erdgasleitung durch die Ostsee „das größte Energieinfrastrukturprojekt unserer Zeit“. Am Dienstagmittag hat sie die Pipeline zusammen mit Russlands Präsidenten Medwedjew in Betrieb genommen.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Präsident Dmitri Medwedjew haben am Dienstag in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern die Ostseepipeline Nord Stream eröffnet, das größte Infrastrukturprojekt Europas. Bei dem Festakt, an dem auch EU-Energiekommissar Günther Oettinger sowie Vertreter des russisch-deutschen Nord-Stream-Konsortiums teilnahmen, wurde das Ventil für den ersten Strang der 1224 Kilometer langen und 7,4 Milliarden teuren Pipeline aufgedreht. Die Leitung soll im Endausbau eine Kapazität von jährlich 55 Milliarden Kubikmeter Gas haben. Damit können rechnerisch 26 Millionen Haushalte versorgt werden.

          Russisches Gas für Europa
          Russisches Gas für Europa : Bild: dpa

          Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete Russland bei der Eröffnungals herausragenden Partner der EU bei der Energieversorgung. Trotz aller Bemühungen zur Diversifizierung der Energiequellen blieben beide Seiten auf Jahrzehnte miteinander verbunden, sagte die CDU-Politikerin. Die Energiepartnerschaft mit Russland biete große Chancen, betonte die Kanzlerin. Die Fertigstellung des ersten Leitungsstrangs nannte Merkel eine bemerkenswerte Leistung: „Die Bauarbeiten sind erstaunlich schnell vorangekommen.“ Dabei seien die berechtigten Interessen aller Ostsee-Anrainerstaaten berücksichtigt worden. Die Pipeline sei „das größte Energieinfrastrukturprojekt unserer Zeit“ und beispielhaft für die Kooperation zwischen Russland und der EU.

          Nach Angaben von Energiekommissar Oettinger will die Europäische Union neben russischen Erdgasquellen auch weitere Kapazitäten erschließen. Dazu gehörten Vorkommen in Norwegen, Algerien, Katar und Zentralasien, sagte er am Dienstag bei der Inbetriebnahme der Pipeline. Die Nord-Stream-Trasse bezeichnete Oettinger als wichtigen Schritt zum Aufbau eines paneuropäischen Transportnetzes. Aber auch künftig wolle man nicht auf bestehende Trassen durch die Ukraine und Weißrussland verzichten.
           

          Medwedjew lobt „strategische Partnerschaft“

          Der russische Präsident Dmitri Medwedjew hatte vor der Eröffnung die neue Nord-Stream-Pipeline durch die Ostsee als „wichtigen Schritt zur Festigung der Beziehungen zur EU und zu Deutschland“ gewürdigt. Bei seinem Besuch in Berlin lobte er am Dienstag die „strategische Partnerschaft“ zwischen Russland und Deutschland. Gegen Mittag flog Medwedew mit Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern, um die Nord-Stream-Pipeline feierlich in Betrieb zu nehmen. Die Pipeline sei auch ein Beitrag zur Energiesicherheit in Europa und damit zur europäischen Sicherheit insgesamt. Im Zusammenhang mit der Euro-Krise meinte der russische Staatschef, er hoffe, „dass die notwendigen Entscheidungen getroffen werden“.

          Ostsee-Pipeline „Nord Stream“ : Gas für Europa

          Mit der 1224 Kilometer langen Gasleitung wird erstmals russisches Erdgas von Russland direkt nach Deutschland und weiter nach Westeuropa geleitet. Russland hofft angesichts des Atomausstiegs der Bundesrepublik darauf, künftig noch mehr Gas nach Deutschland zu verkaufen. Oettinger sieht trotz der Eröffnung der neuen Ostsee-Pipeline Nord Stream keine zu große Abhängigkeit von russischem Gas. Die Abhängigkeit bestehe wechselseitig: „Die Russen liefern uns über alte und neue Leitungen etwa ein Viertel unseres Gasbedarfs. Dies machen sie seit Jahrzehnten ohne von ihnen gewollte Unterbrechung“, sagte Oettinger am Dienstag im RBB-Inforadio.
           

          Abenteuer beim Pipeline-Bau - Von Wracks und Wasserminen

          Auf mehr als 70 archäologisch interessante Objekte sind die Planer der Gas-Pipeline Nord Stream in der Ostsee gestoßen: Schiffswracks vor allem und Reste von Flugzeugen. In den meisten Fällen wurde die Trasse um die Funde herum geführt.

          Einer der bedeutendsten Funde ist ein mit 65 Kupferplatten und Holzfässern beladenes Schiff aus der Zeit zwischen 1400 und 1600. Das Wrack liegt in deutschen Küstengewässern, ebenso wie mehrere Frachtschiffe, die Schweden im Jahr 1715 als Sperrkette gegen dänische Angreifer am Rand des Greifswalder Boddens versenkten. Ein Wrack musste 2010 geborgen werden, weil die Pipelinetrasse die Schiffsperre kreuzt. In russischen Gewässern wurden 17 Wracks gefunden, vor Schweden 12 und vor Finnland sechs. Die dänischen Behörden identifizierten 41 archäologisch interessante Objekte nahe der Pipeline. Einige der Schiffswracks liefern nach Einschätzung von Archäologen wichtige Erkenntnisse über Bauweisen, historische Ereignisse oder sind besonders gut erhalten.

          Ein Problem für die Pipeline-Bauer war Munition: Schätzungen zufolge wurden während der Kriege rund 100.000 bis 150.000 Minen in der Ostsee versenkt - davon allein rund 35.000 im Finnischen Meerbusen. Nach den Weltkriegen wurde die Ostsee als Müllhalde für chemische und konventionelle Altmunition genutzt. Bei der Planung der Pipeline hat Nord Stream nach eigenen Angaben eine Trassenführung gewählt, bei der die Lagerplätze von Altmunition möglichst nicht berührt wurden. Insgesamt mussten für den Pipelinebau rund 100 Munitionskörper - 49 Objekte in der finnischen, sieben in schwedischen und 49 in russischen Gewässern - vor Ort gesprengt werden. In Deutschland wurden zwei möglicherweise explosive Objekte geborgen.

          In die gesetzlich vorgeschriebenen Umweltuntersuchungen hat Nord Stream rund 100 Millionen Euro investiert. Zudem ist ein Monitoring-Programm für die kommenden 20 Jahre vorgeschrieben, um die möglichen Auswirkungen der Pipeline auf Seevögel, Fische und Meeressäuger zu erkunden. Dazu werden an rund 1000 Standorten entlang der Pipeline Proben entnommen. Bis 2016 werde Nord Stream 40 Millionen Euro für die Maßnahmen investieren. (dpa)

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