http://www.faz.net/-gqe-93krg

Früherer Vizekanzler : Philipp Rösler auf chinesischer Mission

Philipp Rösler während einer Konferenz in Vietnam am Montag dieser Woche. Bild: NAING/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Der chinesische Mischkonzern HNA ist der größte Anteilseigner der Deutschen Bank. Der ehemalige FDP-Chef Philipp Rösler arbeitet künftig für dessen wichtigsten Eigentümer.

          Der frühere Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler gibt seine Position in der Geschäftsführung des Genfer Weltwirtschaftsforums (WEF) kurzfristig auf. Vom 1. Dezember an steht der frühere FDP-Politiker in Diensten des umstrittenen chinesischen Mischkonzerns HNA.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Dies bestätigte ein Sprecher des WEF, das die internationale Elite aus Wirtschaft und Politik jedes Jahr im Januar zum Austausch in das schweizerische Davos lockt. Der Abschied erfolge „in gutem gegenseitigem Einvernehmen“, sagte der Sprecher.

          Schlagzeilen in Deutschland

          Der 44 Jahre alte Rösler wird Chef einer Stiftung namens Hainan Cihang Charity Foundation, die HNA in New York installiert hat. Diese Stiftung besitzt knapp 30 Prozent der HNA-Gruppe, die in den vergangenen Jahren durch ihre aggressive Expansionsstrategie außerhalb Chinas aufgefallen ist. Nach Angaben von Bloomberg hält der Konzern Anteile im Gesamtwert von 180 Milliarden Dollar.

          In Deutschland sorgten die Chinesen mit ihrem Einstieg bei der Deutschen Bank für Schlagzeilen: HNA hält 9,9 Prozent und ist größter Aktionär der Bank. Die undurchsichtige Eigentümerstruktur des hochverschuldeten Konglomerats, das seinen Sitz auf der Tropeninsel Hainan hat, wirft immer wieder Fragen auf. HNA gehört zu den rund 1000 WEF-Partnerunternehmen, die sich mit viel Geld einen festen Platz in Davos sichern.

          Sich als liberal gesinnter Mensch bei einem chinesischen Konzern zu verdingen ist erklärungsbedürftig. Rösler hat sich die Entscheidung denn auch nicht leicht gemacht. Die ersten Gespräche, so heißt es, begannen im März. Die Vermutung, dass sein Wechsel mit der jüngst erfolgten Berufung des früheren norwegischen Außenministers Børge Brende zum Präsidenten der WEF-Geschäftsführung zu tun haben könnte, wird in Röslers Umfeld zurückgewiesen: Dieser habe nie darauf spekuliert, die operative Gesamtführung in Genf zu übernehmen oder eines Tages gar die Rolle des WEF-Gründers Klaus Schwab zu übernehmen.

          Dem Vernehmen nach sind es auch private Gründe, die Rösler bewogen haben, nun auf die – finanziell vermutlich sehr attraktive – chinesische Mission zu gehen. Die HNA-Stiftung sitzt zwar in New York. Rösler hat aber ausgehandelt, dass er seine Arbeit zum Teil von Zürich aus erledigen darf. Dorthin will er mit seiner Familie umziehen.

          In der Stadt sieht seine Ehefrau Wiebke bessere Chancen, ihre Karriere als Ärztin fortzusetzen. Die promovierte Medizinerin und Mutter von Zwillingsmädchen hat in Genf ihre zweite Facharztausbildung abgeschlossen. Eine interessante Beschäftigung in einer Klinik zu finden dürfte ihr in der deutschsprachigen Schweiz leichter fallen als in Genf, wo Französisch gesprochen wird. Außerdem verkürzt sich die Distanz nach Hannover. Ihrem Heimatort (und dem Fußballverein Hannover 96) sind die Röslers nach wie vor eng verbunden.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Siemens-Mitarbeiter wollen kämpfen Video-Seite öffnen

          Stellenabbau bei Großkonzern : Siemens-Mitarbeiter wollen kämpfen

          Siemens will weltweit fast 7000 Stellen streichen - davon die Hälfte in Deutschland. In den betroffenen Werken geht nun die Angst um. In Offenbach hatte Siemens angekündigt, den Standort aufzugeben. Dabei könnte es zum ersten Mal seit zehn Jahren zu Entlassungen bei Siemens auf dem Heimatmarkt kommen.

          Kollektive Richtlinienkompetenz?

          Von Adenauer bis Merkel : Kollektive Richtlinienkompetenz?

          Auf eine absolute Mehrheit der Wählerstimmen kann derzeit keine der ehedem großen Volksparteien mehr ernsthaft spekulieren, und auch dass eine Partei die absolute Mehrheit der Parlamentssitze erringt, ist ziemlich unwahrscheinlich. So ist Deutschland ein Land der Koalitionen.

          Teslas aerodynamischer Brummer Video-Seite öffnen

          Elektrischer LKW : Teslas aerodynamischer Brummer

          Nach dem Roadster, dem Model S, X und 3 folgt Teslas Einstieg in das Lastkraftwagengeschäft. Ausgestattet mit modernen Assistenzsystemen und vier Motoren schafft ein vollbeladener Laster eine Reichweite von bis zu 800km.

          Topmeldungen

          FDP lässt Jamaika platzen : Die Notbremse der Liberalen

          Die FDP konnte in dieser Koalition nichts gewinnen. Die Grünen waren am Drücker. Also nochmal wählen? Das Grundgesetz spricht eine andere Sprache. Und eine Neuwahl könnte auch Merkel in die Sackgasse führen. Ein Kommentar.

          Nach Jamaika-Aus : Kommen jetzt Neuwahlen?

          Die Verhandlungen über ein Bündnis zwischen Union, FDP und Grünen sind gescheitert. Die SPD lehnt eine Regierungsbeteiligung weiterhin ab. Der Schlüssel zu Neuwahlen liegt beim Bundespräsidenten.

          Chronik einer langen Nacht : Scheitern im feuchten Hochnebel

          Die ersten Alarm-Mitteilungen kurz vor Mitternacht aus der baden-württembergischen Repräsentanz. Dann tritt FDP-Chef Lindner vor die Scheinwerfer.
          Anne Will diskutiert in ihrer Sendung am 19. November 2017 mit ihren Gästen über die Jamaika-Sondierungsgespräche.

          TV-Kritik: Anne Will : Ende eines Schauspiels

          Diese Nacht verkündet der FDP-Vorsitzende das Scheitern der Sondierungsgespräche. Für eine solche Situation gibt es ein im Grundgesetz exakt definiertes Verfahren. Das scheinen aber nicht einmal die Politiker zu verstehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.