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Pharma Merck kannte Vioxx-Risiken angeblich seit Jahren

01.11.2004 ·  Das amerikanische Pharmaunternehmen Merck & Co gerät wieder in die Defensive, die Aktie steht massiv unter Druck. Es gibt Hinweise darauf, daß Risiken des Arthritis-Medikamentes Vioxx schon vor Jahren bekannt waren.

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Der amerikanische Pharmakonzern Merck hat Hinweise zu erhöhten Risiken seines Arthritis-Medikamentes Vioxx nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ über mehrere Jahre lang geheim gehalten.

Der Konzern hatte Vioxx Ende September weltweit vom Markt genommen, weil eine Studie bei längerfristiger Einnahme ein erhöhtes Schlaganfall- und Herzanfallrisiko für die Patienten ergeben habe. Mit Vioxx hatte Merck pro Jahr einen Umsatz von etwa 2,5 Milliarden Dollar erzielt.

Frühe Hinweise auf Risiken

Der „Wall Street Journal“ berichtete in seiner Montagsausgabe, daß der ehemalige Merck-Forschungschef Edward Scolnick in einer E-Mail am 9. März 2000 auf das erhöhte Herzanfallrisiko von Vioxx hingewiesen habe. Obwohl Scolnick in dieser E-Mail Vioxx mit anderen Medikamenten mit Nebenwirkungen verglichen und geschrieben habe, daß ein Herz-Kreislauf-Risiko „klar gegeben ist", seien in den Presse-Mitteilungen des Unternehmens eine Verbindung von Vioxx mit erhöhten Risiken ausgeschlossen worden.

Ein Anwalt von Merck, Ted Mayer, sagte der Zeitung dazu, die E-Mails und die Marketing-Materalien seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. Ein Memorandum eines Merck-Mitarbeiter vom 21. November 1996 zeige aber, daß das Unternehmen sich mit dem Problem eines möglichen Herzanfallrisikos von Vioxx beschäftigt habe, hieß es im Zeitungsbericht weiter. In einer anderen E-Mail sei auf die Möglichkeit hingewiesen worden, daß bei Patienten Blutgerinnsel entstehen könnten, wenn sie kein Aspirin nähmen. Diese Dokumente könnten bei den laufenden Schadenersatzklagen gegen das Unternehmen eine Rolle spielen.

Viele Schadenersatzklagen eingereicht

Bis Mitte Oktober sind gegen Merck nach eigenen Angaben rund 300 einzelne Schadenersatzklagen wegen Vioxx eingereicht worden. Das Unternehmen sei gegen solche Klagen bis zu 630 Millionen Dollar versichert. Der Pharmahersteller erklärte aber, es sei unklar, ob diese Versicherungsdeckung ausreiche, um alle Verteidigungskosten und Einbußen auszugleichen. Rücklagen für mögliche Zahlungsverpflichtungen im Zusammenhang mit Vioxx-Klagen habe Merck nicht gebildet. Das Unternehmen geht davon aus, daß im ersten Halbjahr 2005 die ersten Gerichtsverfahren wegen Vioxx beginnen werden. An der Wall Street stehen die Merck-Aktien am Montag massiv unter Druck.

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