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F.A.Z. exklusiv : Pflegeversicherung: Mehr Geld allein hilft nicht

Kassenverbandsvorstand Gernot Kiefer fordert einen runden Tisch mit allen Beteiligten für die Pflegeversicherung. Bild: Wolfgang Eilmes

Der oberste Lobbyist der Pflegeversicherung verlangt ein Qualifizierungsprogramm, um neue Kräfte für die Pflege zu gewinnen. Im Gespräch mit der F.A.Z. spricht Gernot Kiefer auch über die Rolle von Ausländern für das System.

          Die gesetzliche Pflegeversicherung warnt vor der Annahme, allein eine bessere Bezahlung des Personals könnte den Mangel an Fachkräften in der Altenpflege beheben. „Man muss auch über die Vergütung reden, aber es ist nicht damit getan, zusätzliche Milliardenbeträge ins System zu schütten“, sagte der für die Pflegeversicherung zuständige Vorstand des Spitzenverbands der Krankenversicherung, Gernot Kiefer, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Notwendig sei ein ganzes Bündel an Verbesserungen. „Dazu gehört auch ein neues Qualifizierungsprogramm der Bundesagentur für Arbeit, um Hilfs- und Fachkräfte für die Langzeitpflege zu gewinnen.“

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die Bundesagentur könne Arbeitslose mit einem neuen Programm stufenweise zu Pflegekräften qualifizieren. Er sehe dabei auch ein „großes Potential, Menschen mit Migrationshintergrund einzubinden“, sagte Kiefer. Mehr Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben, sieht er skeptisch. „Wer glaubt, man könne die Herausforderungen des Pflegebedarfs in Deutschland im Wesentlichen durch den Import von Arbeitskräften lösen, den halte ich für ziemlich naiv.“

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          Verbesserungsbedarf sehe er in Regelungen, die die Pflege durch Familienangehörige fördern sollen. Dazu gehört die Möglichkeit, im akuten Pflegefall zehn Tage bezahlte Freistellung zu bekommen, aber auch die Option, sich unbezahlt für anderthalb Jahre mit Rückkehrrecht freistellen zulassen. Um die Zeit zu finanzieren, bietet die staatliche KfW-Bank ein Überbrückungsdarlehen an, das später zurückgezahlt werden muss. Knapp drei Jahre nach dem Start sei die Nachfrage danach aber „verschwindend gering“. Nur 690 mal sei der Kredit abgerufen worden. „Das ist alles gut gemeint, funktioniert aber so, wie es gemacht ist, nicht“, sagte Kiefer. Die Regeln seien zu kompliziert und zerstückelt, nötig sei „eine neue, kompakte Gesetzgebung“.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte in ihrer Neujahrsansprache Verbesserungen für die Pflegeberufe angemahnt. Auch die SPD will deren Lage verbessern. Kassenverbandsvorstand Kiefer riet der neuen Regierung, zügig einen „runden Tisch“ aller Beteiligten einzuberufen. Dort sollten „alle Akteure konkrete und wirksame Aktivitäten für die kommenden vier Jahre verabreden und noch 2018 damit beginnen.“ An erster Stelle komme es darauf an, den Ausbildungsberuf attraktiver zu machen.

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