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Pfand Einwegverpackungen fast verschwunden

26.12.2003 ·  Als Folge des Pflichtpfands ist der Markt für Getränke in Einwegverpackungen innerhalb eines Jahres fast ganz zusammengebrochen. Bei Bier und Mineralwasser hat sich dagegen die Mehrwegquote erhöht.

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Als Folge des Pflichtpfands ist der Markt für Getränke in Einwegverpackungen innerhalb eines Jahres fast vollständig zusammengebrochen. Das geht aus der jüngsten Hochrechnung der Wiesbadener Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) hervor, die dieser Zeitung vorliegt. Danach hat sich der Absatz pfandpflichtiger Getränkearten von rund 2060 Millionen Litern im vierten Quartal 2002 auf etwa 840 Millionen Liter im vierten Quartal 2003 mehr als halbiert. Rechnet man die besonders geformten Kunststoff-Flaschen heraus, die nur in bestimmten Discountern zurückgegeben werden dürfen (sogenannte Insellösungen), sinkt der im freien Markt erzielte Einwegabsatz weiter auf rund 280 Millionen Liter. Das sind nur noch 13,6 Prozent des Wertes, der vor dem Inkrafttreten des Pflichtpfands zum 1. Januar 2003 erzielt worden war.

"Das ist nicht nur ein dramatischer Rückgang, das ist schon eine tektonische Plattenverschiebung im Getränkemarkt", kommentieren Branchenkenner die Daten. Mit endgültigen Zahlen der GVM ist nicht vor Mitte kommenden Jahres zu rechnen. Zwar gebe es zum Teil noch bedeutende Unsicherheiten, doch würden diese an den Dimensionen des Phänomens nichts mehr ändern, heißt es. "Die Proportionen werden sich auf keinen Fall mehr verschieben." Was Glas und Dosen angehe, habe die GVM sogar konservativ gerechnet; die endgültigen Zahlen dürften sich daher gegenüber der Prognose eher noch verschlechtern.

Mehrweg stabilisiert sich

Spiegelbildlich zum Einbruch des Einwegmarktes hat sich die Mehrwegquote in einigen Getränkesegmenten deutlich stabilisiert. So schätzt die GVM in einer Untersuchung vom November, daß im zu Ende gehenden Jahr die Mehrwegquote für Bier auf 85,3 Prozent, für Mineralwasser auf 82,5 und für kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke auf 76,5 Prozent steigen wird. Bier und Limonade lägen somit wieder über den von der Verpackungsverordnung vorgeschriebenen Anteilen von rund 76 und 70 Prozent, Mineralwasser aber unter der Mindestquote von knapp 89 Prozent. Nach der von Handel und Getränkewirtschaft vertretenen Rechtsauffassung hätte dies zur Folge, daß Bier und Softdrinks möglicherweise schon im Frühjahr wieder aus der Pfandpflicht fielen, Mineralwasser, Fruchtsäfte und Eistee dagegen künftig mit einem Pfand belegt würden.

Nach Meinung des Bundesumweltministeriums könne hingegen die Pfandpflicht erst wieder ausgesetzt werden, wenn im Durchschnitt aller Getränkearten die vorgeschriebene Mehrwegquote von 72 Prozent ein Jahr lang überschritten wäre, heißt es. Dies dürfte 2003 aber noch nicht der Fall gewesen sein; für das laufende Jahr sagt die GVM lediglich einen Anstieg der Quote auf 69,1 Prozent voraus. Ein Ende des Zwangspfands - und der damit verbundenen Rechtsunsicherheiten - wäre dann frühestens 2005 möglich.

Politische Lösung im kommenden Frühjahr

Statt auf eine juristische setzt die Wirtschaft daher auf eine politische Lösung schon im Frühjahr 2004. Zu diesem Zeitpunkt bestehe gleich dreifacher Handlungsdruck: infolge der Quoten-Verschiebungen, des von der EU eingeleiteten Vertragsverletzungsverfahrens und der vom Bundestag schon beschlossenen Novelle der Verpackungsverordnung, die zur Zeit im Bundesrat auf Eis liegt.

Seit geraumer Zeit wirbt die Wirtschaft für eine Kombiquote; dabei könnte ein sinkender Mehrweganteil durch eine höhere Recyclingquote ausgeglichen werden. Als Sanktion soll eine Art Verpackungsabgabe eingeführt werden; diese träte aber nur in Kraft, wenn das in der Kombiquote festgelegte Ziel verfehlt würde.

Quelle: nf., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.12.2003, Nr. 300 / Seite 11
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