Home
http://www.faz.net/-gqe-72pq0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Peter Gauweiler Der Dickschädel

Ist das noch der alte Scharfmacher? Seit Peter Gauweiler gegen die Euro-Rettung kämpft, schätzen sogar die Linken seine Standfestigkeit. Wie kam es zu dieser Wandlung?

© Müller, Andreas Vergrößern Peter Gauweiler in seiner Münchner Kanzlei

Anfang Juli, am Abend vor der Verhandlung des Verfassungsgerichts über den Euro-Rettungsschirm trafen sich in dem badischen Ort Ettlingen zehn Herren und Damen zum Abendessen. Im Restaurant Erbprinz, keine Viertelstunde vom Karlsruher Gericht entfernt, stimmten sie sich bei einem guten Trollinger ein auf den Prozess, den sie alle ins Rollen gebracht hatten, jeder auf seine Art.

Da war Herta Däubler-Gmelin, SPD, lange Jahre Bundesjustizministerin, jetzt Prozessvertreterin des Vereins „Mehr Demokratie“. Da waren die Rechtsprofessoren Christoph Degenhardt und Dietrich Murswiek, ein Mann von den Grünen, und der SPD-Mann Peter Danckert. Neben Danckert saß Peter Gauweiler, CSU. Auf seinen Namen war der Tisch reserviert.

Die Stimmung der Tafelrunde war vorfreudig-aufgeregt, fast ausgelassen, erinnern sich Teilnehmer, ein rechter „Kamerad, weißt du noch?“-Abend sei es gewesen, sagt einer, obwohl ein Sieg völlig ungewiss war. Die Politiker versprachen einander: Morgen halten wir uns zurück. Keine politischen Grundsatzreden vor Gericht, es soll nur um die Verfassung gehen. Ohnehin hatten die Tischgenossen schon beim Dinner auf tagespolitische Debatten verzichtet, denn es gab nur ein Thema, über das sich alle einig waren: die irrsinnige, unbezahlbare, verfassungswidrige Euro-Retterei muss gestoppt werden.

Einst wetterte er gegen Linke, Drogensüchtige und Homosexuelle

Es gab Zeiten, da wäre eine vergnügliche Runde in dieser Zusammensetzung undenkbar gewesen - linke Politiker wie der SPD-Recke Danckert oder die „rote Herta“ zechen fröhlich mit Peter „Gauleiter“ Gauweiler, dem tiefschwarzen Ziehsohn von Franz Josef Strauß. Mit dem Mann, der einst einmal die Wehrmachtsausstellung in München verhindern wollte, der Kampagnen gegen Linke, Drogensüchtige und Homosexuelle führte und als geschäftstüchtiger Anwalt den Kundenstamm seiner Kanzlei an andere Anwälte verpachtete.

Heute erinnern sich an diesen Gauweiler aber nur noch Menschen, die noch das Schwarzweißfernsehen erlebt haben. Der neue Gauweiler kämpft schon lange nicht mehr für die Soldatenehre, er demonstrierte gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr in Jugoslawien oder reiste aus Protest gegen den drohenden Irak-Krieg nach Bagdad (“als Christ, nicht als Politiker“). Dieser Peter Gauweiler hatte auch immer irgendeine Beschwerde in Karlsruhe laufen gegen einen weiteren Schritt der europäischen Integration.

Jeder zweite Deutsche wünscht ihm einen Sieg

Seit die Euro-Krise so richtig ausgebrochen ist, klagen 37.000 Menschen mit ihm, und jeder zweite Deutsche wünscht ihm, einen Sieg. Gauweiler ist endgültig in der Mitte angekommen, oder vielleicht ist die Mitte auch bei ihm angekommen. Jetzt ist er nicht mehr der „Schwarze Peter“, jetzt lauscht man respektvoll seinem Urteil über EZB-Anleihenkäufe oder Spaniens Rufe nach Rettung. Und in den Berichten über das Karlsruher Urteil kommende Woche wird wieder stehen, dass sich unter den Zehntausenden Klägern diese und jene finden, solche und solche - und der CSU-Abgeordnete Peter Gauweiler.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
CSU Was treibt der Anwalt Gauweiler?

Der stellvertretende CSU-Vorsitzende Peter Gauweiler bewegt sich zwischen Politik, Anwaltsmandaten und Königstreue. Jetzt gerät er in die Affäre um den Laborunternehmer Bernd Schottdorf. Mehr

16.07.2014, 22:05 Uhr | Politik
Grundsatzurteil BGH verschärft Aufklärungspflichten bei Geldanlagen

Künftig müssen Banken ungefragt über sämtliche Provisionen Auskunft geben. Der Bundesgerichtshof spricht von einem „flächendeckenden Transparenzgebot“. Für Anleger erweitert sich der Schadensersatzanspruch. Mehr

14.07.2014, 23:28 Uhr | Finanzen
Fußball-Bundesliga Hamburg setzt auf das System Hoffenheim

Der neue HSV-Chef Beiersdorfer richtet den Bundesligaklub neu aus: Bernhard Peters folgt auf Oliver Kreuzer und wird „Direktor Sport“. Trainer Slomka bleibt wohl, gesucht werden neue Talente. Mehr

15.07.2014, 10:04 Uhr | Sport

Was die Stahlindustrie drückt

Von Werner Sturbeck

Die deutsche Stahlindustrie ist leidgeplagt. In der Bevölkerung hat sie nicht mehr den Rückhalt, den sie verdient. Mehr 3 13


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Wirtschaft in Zahlen Im Land der Zuhause-Arbeiter

Viele Deutsche arbeiten von daheim aus - mindestens ab und zu. Das gilt für Angestellte, für Selbständige sowieso. Und sogar für mehr als 40 Prozent der Beamten. Mehr