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Personalvermittler „Adecco, oh je“

12.01.2004 ·  Die Aktien des weltgrößten Personalvermittlers Adecco sind am Montag in Zürich dramatisch eingebrochen. Der Grund: ein verschobener Jahresbericht - Bilanzmanipulation nicht ausgeschlossen.

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Der internationale Personaldienstleistungskonzern Adecco hat die Veröffentlichung des per Anfang Februar in Aussicht gestellten Jahresabschlusses 2003 wegen Kontrollproblemen und offenen Fragen in der Bilanzierung auf unbestimmte Zeit verschoben. Einzelheiten nannte Adecco nicht. Analysten sprachen von einer „Black Box“ und grossen Unsicherheiten um Adecco. Die Aktie brach im frühen Handel um mehr als ein Drittel ein.

Adecco teilte am Montag mit, im nordamerikanischen Zeitarbeitsgeschäft seien erhebliche Schwächen in der internen Kontrolle identifiziert worden. Es müßten auch Fragen im Bereich Buchhaltung, Kontrolle und Compliance in Adecco-Bereichen in gewissen anderen Ländern gelöst werden.

Kein Testat zum Termin

Um diese Fragen zu untersuchen und die Auswirkungen auf den Jahresabschluß festzustellen, brauche es Zeit. Es sei deshalb nicht zu erwarten, daß zu dem ursprünglich geplanten Termin das Testat der Wirtschaftsprüfer für den Abschluß vorliege, so Adecco weiter. Ein unabhängiger Berater zu den Fragen sei hinzugezogen worden, der nun seine Untersuchungen beginnen werde. Der Abschluß war für den 4. Februar geplant gewesen. Ein Adecco-Sprecher wollte aus rechtlichen Gründen keine weiteren Einzelheiten über die Firmenmitteilung hinaus nennen.

Adecco erwirtschaftete in 2002 einen Umsatz von rund 25 Milliarden Schweizer Franken, die Vereinigten Staaten trugen insgesamt mit einem Viertel dazu bei. Im Zeitarbeitsbereich Adecco Staffing, wo der Konzern rund 90 Prozent seines Umsatzes macht, ist Adecco weltweit die Nummer eins.

Black Box bis auf weiteres

An der Börse stürzte die Adecco-Aktie am Vormittag bis zu 48 Prozent ab. Mehrere Banken stuften das Papier herab oder rieten den Anlegern zum Verkauf. Angesichts der dürftigen Informationen sei eine Einschätzung derzeit extrem schwierig, sagte Nicole Burth, Analystin bei Lombard Odier. Bei den Problemen könne es sich sowohl um einen größeren Betrugsfall à la Parmalat oder um simple Schwierigkeiten bei der Umsatzerfassung handeln.

Die Zürcher Kantonalbank schloß in ihrem Marktbericht Bilanzfälschungen ebenfalls nicht aus. „Auf Grund des aktuellen Kommunikationsstands bestehen große, unabschätzbare Unsicherheiten“, sagte ZKB-Analyst Rolf Kunz. „Adecco oh je,“ war die erste Reaktion eines Händlers.

Bei der Bank Leu hieß es, bis auf weiteres sei der Konzern eine „Black Box". Es sei alles möglich, allerdings lasse die Mitteilung das Schlimmste befürchten. Bank Leu riet, Adecco zum Verkauf zu stellen. Sollte sich erweisen, daß alles in Ordnung ist, sei noch immer genug Zeit zum kaufen, so die Bank.

Auch Rolf Kunz der Zürcher Kantonalbank schrieb in einem Kurzkommentar: „Aufgrund des Kommunikationsstands bestehen grosse, unabschätzbare Unsicherheiten". Er stufte den Titel auf „untergewichten“ von „übergewichten".

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