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Pekings neuer Flughafen Eine Flugbewegung alle 42 Sekunden

 ·  Während Deutschland um Starts und Landungen in der Nacht streitet, baut China einen Flughafen nach dem anderen. In Peking entsteht der größte Flughafen der Welt - südlich des zweitgrößten.

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Große öffentliche Bauvorhaben haben es in Deutschland schwer. In Frankfurt und in Berlin wird zum Beispiel seit Jahren um den Neu- oder Ausbau der Flughäfen gestritten und, ganz aktuell, um Flüge in der Nacht. In nichtdemokratischen Ländern ohne Einspruchsmöglichkeiten, freie Presse und Bürgerpartizipation ist die Umsetzung solcher Projekte einfacher, insbesondere in China. Allein in diesem Jahr werden in dem asiatischen Land 3500 Kilometer Schienen für Hochgeschwindigkeitszüge fertig, die Gesamtlänge beträgt dann mehr als 10.000 Kilometer. In Schanghai wurde eine 33 Kilometer lange Brücke ins Meer hinausgebaut, um an ihrem Ende den größten Containerhafen der Welt zu graben. Im vergangenen Jahr sind fünf neue Flughäfen entstanden, bis 2015 sind weitere 60 Standorte geplant. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es überhaupt nur 39 Verkehrsplätze, in China sind es schon jetzt 180.

Eine besonders ausgeprägte Bauwut herrscht in Chinas Hauptstadt. Vor vier Jahren erst, rechtzeitig zu den Olympischen Spielen, hatte der britische Stararchitekt Sir Norman Foster am internationalen Flughafen ein drittes Terminal errichtet. Dadurch wurde die Anlage zur zweitgrößten der Welt. Doch trotz des Ausbaus platzt sie aus allen Nähten. Im vergangenen Jahr wurden in dem Flughafen fast 79 Millionen Passagiere gezählt, ausgelegt ist er für maximal 82 Millionen. In Stoßzeiten starte oder lande hier alle 42 Sekunden eine Maschine, rechnete der Chef der Luftfahrtbehörde CAAC, Li Jiaxiang, kürzlich vor. Deshalb entsteht im Süden von Peking nun eine weitere gigantische Anlage. Diese soll größer werden als der bisherige globale Spitzenreiter Atlanta im amerikanischen Bundesstaat Georgia.

Kaum offizielle Daten

Chinesische Medien berichten, die Kapazität werde 130 Millionen Fluggäste im Jahr erreichen. Atlanta fertigt etwa 90 Millionen Passagiere ab, Deutschlands größter Flughafen Frankfurt 53 Millionen. Der Frachtumschlag dürfte 5,5 Millionen Tonnen im Jahr betragen, heißt es weiter, das würde Hongkong von Platz eins verdrängen. Das Gelände werde 2680 Hektar umfassenen und neun Startbahnen zählen; das wären zwei mehr als bei den bisherigen Spitzenreitern Chicago und Dallas. Die Kosten gibt das Magazin „Caijing“ mit 30,2 Milliarden Yuan (3,7 Milliarden Euro) an. Die Eröffnung des Großflughafens sei für 2017 geplant.

„Wir sind in den Vorbereitungen, der Baubeginn ist nur eine Frage der Zeit“, bestätigt Chai Haibo, der stellvertretende Direktor des Lufttransportverbands CATA, gegenüber der F.A.Z. „Unsere Fluggesellschaften brauchen den Platz dringend, um mit der starken Nachfrage Schritt halten zu können.“ Details will Chai nicht nennen. Überhaupt sind offizielle Daten zu dem Vorhaben kaum zu erhalten. Die Holding der vorhandenen beiden Flughäfen namens CAH verweigert jede Auskunft. Die Behörden wollen nicht einmal den Standort des neuen Flughafens bestätigen, wenngleich das Projekt ohne Details im Fünfjahresplan des Stadtbezirks Daxing auftaucht.

Ersten Angaben zufolge soll das Areal fast 50 Kilometer südlich der Stadtmitte liegen. Der Hauptgrund für die Verschwiegenheit dürfte sein, dass Chinas mächtiges Planungsministerium NDRC das Vorhaben noch nicht genehmigt hat. Hinzu kommt, dass das Land vor einem Wechsel in der Regierungs- und Parteiführung steht, was viele Projekte verzögert.

Wegen der schwachen Weltkonjunktur entwickelt sich Chinas Luftverkehr langsamer als erwartet: Statt wie gewohnt zweistellig wuchs das Passagier- und Frachtaufkommen nach Zahlen der Luftfahrtbehörde CAAC im vergangenen Jahr nur um 6,6 Prozent; das war der schwächste Wert seit 2003. Auch der Ausbau der Superschnellzugverbindungen und der überfüllte Luftraum hätten die Entwicklung belastet, sagte kürzlich CAAC-Vizechef Li Jun. Er ermunterte daher die Fluggesellschaften, größere Flugzeuge in Dienst zu stellen.

Die Unternehmen verfügen derzeit über rund 1750 Maschinen, in diesem Jahr sollen 150 weitere hinzukommen. Dass das Konjunkturprogramm zum Ausbau der Infrastruktur in der Krise ausläuft und dass viele der neuen Flughäfen defizitär wirtschaften, stört die Planer nicht. Nach einigen Jahren werde sich der Betrieb rechnen, verspricht Chai. Das mag für die Metropole stimmen, in der Provinz sind viele Projekte aber auf Sand gebaut. Nach Angaben der CAAC schreiben von den 180 Flughäfen 119 Verluste.

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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.

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